Swoboda auf Stimmenfang im Schoko-Land

3. Juni 2009, 19:24
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Der SPÖ-Spitzenkandidat Hannes Swoboda kämpft im Schnitten-Paradies um Stimmen und um Wahlgänger

Der Geruch ist überall - süßlich, manchmal schwer, trotzdem nicht penetrant. Wer hier länger arbeitet, merkt davon nichts mehr, versichert Erich Neumaerker. Er sollte es wissen: Seit 46 Jahren ist Neumaerker im Haus tätig, 39 davon als Zentralbetriebsrat. Der Betriebsrat ist es auch, der den SPÖ-Spitzenkandidaten für die EU-Wahl, Hannes Swoboda, am Mittwochvormittag in die Manner-Schokoladenfabrik in Wien-Hernals eingeladen hat.

Es sollte ein Heimspiel für den roten Kandidaten sein. Von den 26 Betriebsräten sind 25 Sozialdemokraten, bei der Arbeiterkammerwahl kam die FSG auf über 70 Prozent. Vor der Betriebsbesichtigung geht es in die Chefetage. Carl Manner, bald 80 und Aufsichtsratsvorsitzender, begrüßt Swoboda, erklärt, dass für ihn "Europa eine ganz wichtige Geschichte ist", denn: Seit den 1990er-Jahren habe sich der Umsatz verdoppelt. Man habe aber "noch viele Chancen vor sich", sagt Carl Manner. "Wie die EU", fügt Swoboda schnell an.

Mehr als 400 Mitarbeiter arbeiten am Wiener Standort - Manner produziert auch in Nieder- und Oberösterreich. Im weißen Mantel wandert Swoboda Richtung Produktionsräume zum Händeschütteln. Gleich zu Beginn muss er sich Kritik an seinem Wahlkampf gefallen lassen. "Sie sind sehr besonnen, aber oft zu stark in der Defensive", findet ein Manner-Mitarbeiter. "Ich nehme das eher als Stärke wahr", wirft sich ein anderer für den roten Frontmann in die Bresche.

Ob die SPÖ die Nummer eins nach der Wahl werde? Swoboda weicht aus: "Wir können nur bis zur letzten Minute kämpfen." Es sei einfach eine "schwierige Auseinandersetzung".

In der Produktion geht es vorbei an Maschinenketten, an Laufbändern mit Schnittenplatten darauf, immer wieder stehen Behälter mit dem "Bruch" herum. Swobodas Entourage bedient sich fleißig an den Waffel- und Schokoresten. Von einem jungen Mann will Swoboda wissen, wie er zur Frage eines EU-Beitritts der Türkei steht. Der will "lieber nichts sagen". Wer will, bekommt ein Polaroid-Foto mit dem Spitzenkandidaten geschenkt. Der denkt nach all dem Süßen nur mehr an eines: an ein Extrawurstsemmerl mit Gurkerl. (DER STANDARD-Printausgabe, 4.6.2009)

 

  • Auch das Kleingedruckte scheint zu interessieren: SPÖ-Spitzenkandidat Hannes Swoboda auf Stippvisite in der Manner-Fabrik
    foto: standard/corn

    Auch das Kleingedruckte scheint zu interessieren: SPÖ-Spitzenkandidat Hannes Swoboda auf Stippvisite in der Manner-Fabrik

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