Neue Hiobsbotschaft für Madoff-Anleger

3. Juni 2009, 19:19
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US-Masseverwalter erkennt Ansprüche nicht an - Depotstellen und Treuhänder müssten Forderungen einreichen

Wien - Europäischen Anlegern, die wegen ihrer Verluste durch den Zusammenbruch des System Madoffs beim US-Masseverwalter Irving Picard Forderungen angemeldet haben, flattert dieser Tage wenig erfreuliche Post ins Haus. Ihre Ansprüche werden nämlich nicht anerkannt. Grund: Die HSBC Luxemburg, die als Treuhänder fungiert hat, habe selbst noch keine Ansprüche angemeldet, weswegen die Forderungen der Anleger nicht berücksichtigt werden. "Davon betroffen sind Anleger, die Primeo oder Herald-Fonds gezeichnet hatten", erklärt der Wiener Vermögensverwalter Oliver Lintner.

Die HSBC Luxemburg hat noch bis 2. Juli Zeit, Ansprüche anzumelden. Tut sie das nicht, könnten sich die Forderungen der Anleger in Luft auflösen. Das Gleiche gilt für Primeo-Investoren: Die Fondsgesellschaft müsste Ansprüche anmelden.

Dass das geschieht, wird in Finanzkrisen allerdings bezweifelt. Denn das Anmelden von Forderungen birgt, wie berichtet, auch ein Risiko. Im betreffenden Formular muss nämlich auch angegeben werden, ob und wie viel Geld aus dem System Madoff als Gewinn entnommen wurde. Daraus könnten nämlich Rückzahlungsforderungen entstehen.

Berufen könnten sich die US-Behörden auf einen Präzedenzfall aus 2005. Als damals der Bayou Hedgefonds - ebenfalls ein Betrugssystem - zusammengebrochen war, wurden entnommene Gewinne zurückgefordert. Grund: Die Gewinne seien nur am Papier entstanden und daher eine Illusion gewesen.

Dass die US-Anlegerentschädigung diesem Beispiel folgen, zeigte sich im April. Damals wurde Klage gegen die auf den British Virgin Islands tätige Vizcaya Partners Ltd. eingereicht, weil das Unternehmen zwei Monate vor dem Zusammenbruch des System Madoffs 150 Mio. US-Dollar abgehoben haben soll. Laut Picard waren die Ausschüttungen nur vorgetäuschte Profite, daher verlangt der Masseverwalter, dass dieses Geld zur Entschädigung der Madoff-Opfer verwendet werden soll.

Lintner hat sich nun an die Finanzmarktaufsicht und die luxemburgischen Behörden gewandt, und um Hilfestellung gebeten.

Verein für Madoff-Opfer 

In erster Linie für Kleinanleger, die in der Causa Madoff zum Handkuss gekommen sind, hat sich Ende April der "Verein zum Schutze der Geschädigten von Madoff" konstituiert; seine Proponenten haben mit Madoff-Fonds selbst Geld verloren. Der Verein will laut Homepage (www.anlegerschutz.at) "sämtliche Ansprüche der Madoff Geschädigten bündeln, mit der Möglichkeit, die Geschädigten in einem Verfahren zu vertreten". Kooperiert werde mit Anwälten und Experten.

Laut Anwalt Gerald Ganzger von der Wiener Kanzlei Lansky Ganzger Partner (sie hat Sachverhaltsdarstellungen in der Causa eingebracht) gehe es in erster Linie darum, Informationen für die Geschädigten bereit zu stellen und etwaige Ansprüche in Form von Musterklagen durchzusetzen.

Pikanterie am Rande: Vereinsobmann Peter König ist Geschäftsführer der kleinen Wiener Schmuckhandelsgesellschaft Oewag - und die gehört mittelbar zu rund 50 Prozent der Bank-Austria-nahen B&C Industriestiftung. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.6.2009)

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