Schrecken der Fische und Torhüter

3. Juni 2009, 19:12
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Erwin Hoffer sollte die serbische Verteidigung zumindest in Verle­genheit bringen. Seine Kalt­schnäuzigkeit, die er sich möglicherweise beim Angeln geholt hat, gefällt dem Teamchef

Bad Tatzmannsdorf - Vielleicht liegt es an den Fischen. Erwin Hoffer sagt, er habe zu inneren Ruhe gefunden, die Dinge hätten sich automatisiert. Sein Ding ist es, Tore zu schießen, für Rapid traf er in der abgelaufenen Saison 27 mal. Nur Salzburgs Marc Janko war besser (39). Am Samstag werden die beiden in Belgrad Österreichs Sturmduo gegen Serbien bilden, Teamchef Dietmar Constantini hat das zumindest nicht abgestritten.

Der kleine Erwin trifft und trifft

Wären Fußbälle eckig und aus Mürbteig, der 22-jährige Hoffer würde sie auch versenken. Bei den Trainingsspielchen in Bad Tatzmannsdorf sind sie natürlich gemäß Fifa-Regeln rund und aus Kunststoff, der kleine Erwin (1,76 m) trifft und trifft. Aus sämtlichen Lagen, mal mit Gefühl, mal mit Kraft. Schaltet er den Turbo ein, frage nicht, da ist der Verteidiger Zweiter. Der Betreuerstab nimmt das zur Kenntnis, da sagt einer "super", der andere "toll".

Vielleicht, sagt wiederum Hoffer, sind die Fische daran schuld. In seiner Freizeit pflegt er angeln zu gehen. Da steht er vor dem Morgengrauen auf und sitzt stundenlang am Teich. Der Erwin, die Natur, das Wasser, die Fische. Als er vor ein paar Monaten an Ladehemmung litt, riet ihm sein Klubtrainer Peter Pacult, er möge doch seinem Hobby nachgehen. Damit er sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren könne. "Vielleicht lag es wirklich an den Fischen." Hoffer wurde auch zum Schrecken der Torleute. Läuft er auf einen zu, sind die Keeper zwischen Kapfenberg und Favoriten arme Flossentiere. Constantini: "Hoffers Kaltschnäuzigkeit ist wirklich beeindruckend, er behält in Eins-zu-eins-Situationen die Übersicht."

"Ich bin locker, nicht verkrampft"

Hoffer stellt keine großen Fragen. "Es schaut momentan ganz leicht aus, obwohl es vermutlich schwierig ist. Keine Ahnung, warum ich so abgeklärt bin, das Selbstbewusstsein passt. Ich bin locker, nicht verkrampft. Die 27 Tore habe ich auch meinen Mitspielern zu verdanken. Sie haben mich gut bedient." Hoffer wird von Rupert Marko (41) beraten. Marko ist Jurist, kein Spielervermittler. Er trainiert den SV Horn und brachte es auf drei Länderspiele. 1988 erzielte er in Budapest beim 4:0-Sieg gegen Ungarn drei Tore.

Ein Cousin von Hoffer hat Marko vor ein paar Jahren gebeten, dem Erwin zu helfen. Marko half, er hat ihn 2006 bei Rapid untergebracht. "Das war die beste Entscheidung, er konnte sich dort entwickeln." Noch vor der EURO wurde der Vertrag bis 2011 verlängert. Ohne Ausstiegsklausel, ohne festgeschriebene Ablösesumme. Marko: "Ich halte das für fair und vernünftig. Der Spieler kann sich auf den Fußball konzentrieren, der Arbeitgeber hat auch Ruhe."

Der Marktwert

Natürlich sei ein Auslandtransfer im Sommer nicht ausgeschlossen. Den Marktwert von Hoffer wollte Marko ("Der Jimmy ist bodenständig, fleißig, lebensbejahend, kein Party-Tiger, hat ein gesundes Selbstbewusstsein") nicht beziffern. "Keine Ahnung. Es geht immer darum, was einer bereit ist, für eine bestimmte Person zu zahlen. Manager melden sich, seriöse und weniger seriöse." Hoffer findet Rapid "großartig" und träumt von der englischen Liga. "Meine Reise ist nicht vorbei, vielleicht erreiche ich England auch über Umwege."

Seinem Selbstbewusstsein waren die beiden Tore zum 2:1-Sieg gegen Rumänien dienlich. "Eine Last ist abgefallen, die Nervosität wurde abgelegt, das war der letzte notwendige Schub." Die Serben seien zwar eine verdammt starke Mannschaft, aber die bestehen nicht aus Übermenschen. "Ich spiele Fußball, um als Sieger vom Platz zu gehen. Egal, gegen wen", sagt Hoffer. Eine andere Einstellung wäre fatal. Oder für die Fische. (Christian Hackl, DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 4. Juni 2009)

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    Dietmar Constantini weist Erwin Hoffer die Richtung.

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