44 Millionen hat EURO-Sicherheit gekostet

3. Juni 2009, 19:19
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Trotzdem stieg die Kriminalität im Juni 2008 erstaunlich deutlich an - Polizei versichterte noch kürzlich: "Es hat ganz wenige Zwischenfälle gegeben" - Die Analyse zeigt ein anderes Bild

Ein Jahr nach dem Schlusspfiff präsentierte die Polizei ihren Schlussbericht zur Fußball-Europameisterschaft. Trotz millionenschweren Einsatzes stieg die Kriminalität in einigen Bereichen deutlich an - Marie-Theres Egyed und Michael Möseneder

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Wien - Ausschreitungen in Wien-Ottakring, Hooligans in Klagenfurt, Taschendiebstahl in den Fanzonen: Die EURO vor einem Jahr brachte der Polizei einiges an Mehrarbeit. Deutlich mehr, als damals eingestanden worden ist, zeigt ein am Mittwoch präsentierter Abschlussbericht des Innenministeriums. Und erstmals wurden auch die Kosten genannt: 44 Millionen Euro musste das Finanzministerium an das Innenressort überweisen.
„Sicherheit hat ihren Preis", verteidigte Günther Marek, der innenministerielle EURO-Projektleiter, die Ausgaben.

Erstaunliche Kriminalitäts-Zuwächse

Das Geld sei nicht nur in Überstunden, sondern auch in Sachaufwand geflossen, was eine langfristige Investition darstelle, beteuerte er. Allerdings: Ein Mehr an Sicherheit hat die Finanzspritze nur bedingt gebracht. Denn einzelne Deliktsgruppen verzeichneten im Juni 2008 erstaunliche Zuwächse.

Resümee revidiert

Damals hatten sich die offiziellen Aussagen noch ganz anders angehört. „Alles ist ruhig" ließ die Wiener Polizei nach dem Ende der ersten EURO-Woche vermelden. „Es hat ganz wenige Zwischenfälle gegeben", war das Resümee der Wiener Staatsanwaltschaft Ende Juni. Der Blick in den so genannten Sicherheitsmonitor, ein polizeiinternes Analysewerkzeug, in das alle Anzeigen und Meldungen bei Polizeidienststellen einfließen, zeigt ein anderes Bild. Bei der Pressekonferenz am Mittwoch finden sich diese Zahlen.

Falschgeld, Taschendiebstähle und Raub

Den größten Sprung gab es bei den Falschgelddelikten: Die stiegen österreichweit im Vergleich zum Juni 2007 um 54 Prozent auf 709 Fälle - rechnerisch wurde also 24-mal pro Tag mit Blüten bezahlt. Um ein Drittel nach oben geschnellt ist auch die Zahl der Taschendiebstähle - beide Straftatbestände sind typisch für Großveranstaltungen. Auffälligkeiten gab es jedoch auch bei Raubüberfällen und Körperverletzungen.

Ständige Korrektur nach oben

Interessant dabei ist auch die Tatsache, dass diese Daten im Lauf des Jahres ständig nach oben korrigiert worden sind. Im vergangenen Herbst war etwa bei den Taschendiebstählen noch von einem Plus von 25 Prozent die Rede (der Standard berichtete).

Datenaustausch über Hooligans

Bewährt hat sich aus Sicht der österreichischen Polizei und des internationalen Evaluierungs-Teams der Datenaustausch über Hooligans. Alleine in Deutschland seien im Vorfeld „400 Ausreisebeschränkungen" durchgeführt worden, sagte Jürgen Mathies von der deutschen Polizei. Was bedeutet: Bekannten Gewalttätern wurde schon im Heimatland der Pass abgenommen oder es wurden Meldepflichten auferlegt.

Grenzkontrollen

Die Möglichkeit der Grenzkontrollen, die durch die temporäre Aussetzung der Schengener Reisefreiheit möglich geworden ist, hat weitere 214 Verdächtige auffliegen lassen. Im Hinblick auf die Gesamtkriminalität hat des temporäre Schengen-Ende dagegen weniger gebracht: 138 europaweit gesuchte Verdächtige wurden erwischt. (DER STANDARD Printausgabe 4.6.2009)

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    Massive Polizeipräsenz - wie hier in Wien-Ottakring nach dem Match Türkei/Kroatien - habe Schlimmeres verhindert, sagt das Innenministerium. Gestiegen ist die Kriminalität während der EURO trotzdem

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