Osama begrüßt Obama

3. Juni 2009, 18:59
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Neue Botschaft des Al-Kaida-Führers - US-Präsident bemüht sich in der arabischen Welt um Verbesserung der Beziehungen

Zeitgleich mit der Landung Barack Obamas in Riad wurde eine neue Hassbotschaft Osama Bin Ladens bekannt. Der US-Präsident bemüht sich in der arabischen Welt um eine Verbesserung der Beziehungen. 

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Riad/Wien - Zum Empfang gab es eine Osama Bin Laden zugeschriebene Erklärung: US-Präsident Barack Obama habe "die Saat von Hass und Rachegefühlen gegen Amerika" gesät, hieß es in einer Aussendung von Al-Kaida in der arabischen TV-Station Al-Jazeera. Obama war da soeben auf der ersten Station seiner Nahostreise am Mittwochnachmittag in der saudiarabischen Hauptstadt Riad eingetroffen. Am Donnerstag wird er in Kairo seine vielerwartete Rede halten, mit der er die Beziehungen zwischen USA und der islamischen Welt reparieren will.

In Saudi-Arabien ist Obama bei einem langjährigen strategischen Partner zu Besuch - zu dem die Beziehungen während der Amtszeit von Obamas Vorgänger George W. Bush immer angespannter wurden. Die Liste der mit König Abdullah zu besprechenden Themen war am Mittwoch dementsprechend lang: am wichtigsten wohl der israelisch-palästinensische und der israelisch-arabische Friedensprozess, gemeinsame Strategien gegen das iranische Atomprogramm und nicht zuletzt das Öl, wie Obama selbst vor seiner Abreise angekündigt hatte.

Die USA sind besorgt über die saudi-arabischen Überlegungen, den Ölpreis auf 80 Dollar pro Barrel bringen und halten zu wollen. Ein zu hoher Ölpreis könnte einer eventuellen Wirtschaftserholung gleich wieder den Garaus machen, befürchtet man in Washington. Andererseits ist auch Riad nicht erfreut über Obamas Ankündigung, mehr auf die Entwicklung anderer Energiequellen setzen zu wollen. Sie wollen Absatzsicherheit.

Gespräche auf der Königsfarm

Trotz des zeremoniellen Pomps beim Empfang am Flughafen in Riad wurde der Besuch eher privat gehalten: Obama fuhr mit dem König auf dessen "Farm" (für die das Wort Palast besser passen würde). Die Begrüßung war betont herzlich. Das Verhältnis zwischen Bush und Abdullah - damals noch Regent neben dem regierungsunfähigen König Fahd, der 2005 starb - hatte jedoch ähnlich warm begonnen, wobei die Bush-Familie noch dazu enge Geschäftsverbindungen nach Saudi-Arabien pflegte.

Mit den Attentaten des 11. September 2001 wurde der ungeschriebene Pakt zwischen den Ländern schwer beschädigt, der da lautete: Ölsicherheit für die USA und strategische Partnerschaft für Saudi-Arabien, bei völliger US-Nichteinmischung in innere Angelegenheiten, so lange die Saudis den USA ihre Extremisten vom Halse hielten. Die meisten 9/11-Täter waren saudi-arabischen Ursprungs, wenn auch Dissidenten, wie ja auch Osama Bin Laden selbst. In der Folge fürchtete Washington um die Stabilität Saudi-Arabiens und die eigene Energiesicherheit - einer der Gründe für die Irak-Intervention 2003, die jedoch wiederum den Aufstieg des Iran brachte. Demokratieforderungen an die Araber ließ Bush bald wieder sein.

Die größten Spannungen brachte jedoch Bushs bedingungslose Unterstützung der israelischen Politik - die Israel der Sorge erhob, sich ernsthaft mit dem von Saudi-Arabien initiierten Friedensangebot der Arabischen Liga von 2002 auseinandersetzen zu müssen. Obama diskutiert in Riad und Kairo seine eigenen Pläne, die er in Kürze vorlegen will, wobei es ihm in der arabischen Welt positiv angerechnet wird, dass er die Meinung der Araber vorher hört. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 4.6.2009)

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    Ankunft des US-Präsidenten am Flughafen der saudi-arabischen Hauptstadt Riad: Barack Obama wurde von König Abdullah auf dessen Farm eingeladen.

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