"Terminator – Die Erlösung": Durchhalteparolen aus einer metallenen Zukunft

3. Juni 2009, 18:28
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Mit "Terminator – Die Erlösung" tritt die Serie um die Maschinenwesen in ihre epische Phase, der Reiz des Unternehmens geht im Kriegsgetümmel verloren

Wien - Was die Logik der Zeitenfolge anbelangt, war die Terminator-Saga bisher recht verwickelt. Ein Cyborg kehrt in die Vergangenheit zurück, um die Mutter des späteren Widerstandskämpfers John Connor zu töten - und der schickt einen Soldaten, der ihn überhaupt erst zeugen wird. Dann kommt das Nachfolgemodell, das wiederum vom Vorgängermodell bekämpft wird. Zuletzt, in Terminator 3, gab es sogar eine weibliche Cyborg-Variante. Und all das nützte nichts, den "Tag der Abrechnung", den Vernichtungsschlag des Netzwerks Skynet abzuwenden.

Terminator - Die Erlösung, Teil vier der längst zur Franchise erweiterten Erfolgsgeschichte, ist nun tatsächlich in der Zukunft angekommen: im Jahr 2018, auf einer verwüsteten Erde, wo der unerbittliche Krieg der Maschinen gegen eine Minderheit von Menschen tobt. Keine Zeitreisen mehr und keine überraschenden Liaisons, sondern bloß ein Duell der nicht ganz ausgewogenen Verhältnisse vor Ruinen. Regisseur McG, der den Relaunch der Charlie's Angels-Reihe verantwortet hat, tunkt das Geschehen in metallen-ausgeblichene Farben, entsprechend martialisch - und ironiefrei - sind auch die ersten Minuten des Films: ein postakokalyptisches Kriegsgetümmel, in dem sich keine der beiden Parteien etwas zu schenken hat.

Wie aus den Archiven vergangener Kriege entlehnt wirkt auch der zentrale Plot eines Sabotageakts, mit dem John Connor die Vorherrschaft der Maschinen durchbrechen will: Ein Signal soll das Netzwerk lahmlegen und den Gegenangriff ermöglichen. Noch existiert allerdings kein global organisierter Untergrund. Noch ist Connor, den Christian Bale ähnlich überanstrengt verkörpert wie schon Batman, nicht der Anführer, der er (in den nächsten Teilen) sein wird.

Der Film folgt eindeutig der Logik eines Prequels. Die Rollen sind zwar schon klar auszumachen, aber der Spaß besteht darin, den Figuren bei ihrer Entwicklung zuzusehen. Der spannendere Protagonist ist dennoch ein Neuzugang, der zum Tode verurteilte Marcus Wright (Sam Worthington), der seine Organe für die Forschung zur Verfügung stellt. Etliche Jahre später kehrt der Tote zurück. Er möchte etwas mehr über sich selbst herausfinden - ein Weg, der ihn ins Herz von Skynet führen wird und zum problematischen Verbündeten macht. Marcus ficht ein aus Philip-K.-Dick-Romanen geläufiges Dilemma aus, er muss erst seine Menschlichkeit überprüfen. Als neuer Typus in der Terminatorenreihe ist er eine der ganz wenigen Innovationen dieses Films.

Befehle und Akzente

Zugleich macht er aber auch das Grundproblem dieses vierten Teils anschaulich, der für sich selbst zu wenig Rechtfertigungen findet. Die Action-Setpieces sind zwar effizient gestaltet, und sie mögen die zunehmend monotone Welt grimmiger Männer, die sich Befehle zubellen, mit ein paar visuellen Sensationen durchkreuzen. Der eigentliche Reiz der Terminator-Serie bestand jedoch darin, dass der Cyborg stets zu uns in die Gegenwart kam; dass er mit einem seltsamen Akzent zu uns sprach, und dass es mit ihm eine besonders harte Nuss zu knacken galt.

Aber all das Grau dieser trostlosen Zukunft? Geschenkt. (Dominik Kamalzadeh / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.6.2009)

 

  • Obacht, ein Terminator lauert kampfbereit im Hintergrund! John Connor (Christian Bale) und sein jugendlicher Vater Kyle Reese (Anton Yelchin) in "Terminator - Die Erlösung" von McG.
    foto: sony

    Obacht, ein Terminator lauert kampfbereit im Hintergrund! John Connor (Christian Bale) und sein jugendlicher Vater Kyle Reese (Anton Yelchin) in "Terminator - Die Erlösung" von McG.

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