Springer-Verlag will polnische Qualitätszeitung einstellen

3. Juni 2009, 18:17
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"Dziennik" soll in Zukunft mit dem Wirtschaftszeitung "Gazeta Prawna" verschmolzen werden - Experten sehen stark sinkende Auflage als Grund

Der deutsche Medienkonzern Axel Springer wird im Herbst gemeinsam mit dem polnischen Verlag Infor Biznes eine neues Tageszeitungs-Projekt starten: Es soll aus der Springer-Zeitung "Dziennik" und der Wirtschaftszeitung "Gazeta Prawna" hervorgehen, die zu Infor gehört. Die Redaktionen der beiden Blätter sollen komplett übernommen werden, teilte die beiden Verlage mit.

Springer werde 49 Prozent an Infor übernehmen und als Gegenleistung den Titel "Dziennik" einbringen. Geldleistungen seien nicht vorgesehen, sagte Springer-Pressesprecher Christian Garrels gegenüber der Zeitung "Gazeta Wyborcza". "Wir wollen die größte tägliche Wirtschaftszeitung in Polen gründen", erklärte der Chef des Infor-Verlages, Ryszard Pienkowski. Die Verbindung mit "Dziennik" eröffne weitere Leserschichten, so Pienkowski.

"Dziennik" kam im April 2006 auf den Markt und sollte bei den Qualitätszeitungen dem Marktführer "Gazeta Wyborcza" den Rang ablaufen. Die verkaufte Auflage sank in den vergangenen Monaten jedoch. Im März lag sie mit durchschnittlich 83.000 Exemplaren knapp 40 Prozent unter dem Wert im gleichen Monat des Vorjahres, gab Verband zur Aufgabenkontrolle Zwiazek Kontroli Dystrybucji Prasy bekannt. Zum Vergleich: Der Verkauf der "Gazeta Wyborcza" fiel im gleichen Zeitraum um 11 Prozent auf 370.000 Exemplare.

Alle Redakteure sollen übernommen werden

"Die Schließung der Zeitung wäre ein Schlag für Springer, deshalb entschied sich der Verlag für die Suche nach einem Partner", begründete der Analyst der ING-Bank Andrzej Knigawka gegenüber der "Gazeta Wyborcza" die Entscheidung des deutschen Konzerns. Eine "elegante Art, sich von 'Dziennik' zu trennen", nannte Rafal Oracz von der Beratungsfirma CR Media Consulting den Schritt.

Informationen zu Titel und Format der neuen Zeitung gibt es noch nicht. Allerdings sollen alle Redakteure übernommen werden, erklärte die Sprecherin von Springer in Polen, Anna Gancarz-Lubon, gegenüber Journalisten. Nach nicht offiziellen Informationen sollen der Chefredakteur von "Dziennik", Robert Krasowski, und weitere leitende Redakteure aber schon am Dienstag, nach Bekanntwerden der Zeitungsfusion, ihre Kündigung eingereicht haben.

Axel Springer gibt in Polen die Boulevardzeitung "Fakt" sowie zahlreiche Zeitschriftentitel heraus, darunter das Politmagazin "Newsweek Polska" und die Sportzeitschrift "Przeglad Sportowy". Lange war der Verlag für die Privatisierung der noch halbstaatlichen Qualitäts-Zeitung "Rzeczpospolita" im Gespräch, zog sich von diesem Vorhaben jedoch im März zurück. (APA)

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