Bombe als Machtbeweis für Armee und Partei

3. Juni 2009, 18:06
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Nordkoreas Führer wollte mit dem Atomtest seine Herrschaft sichern - Washingtons Politik der Anreize verpuffte

Wien - Zehn Tage nach dem Atombombentest sind die Motive der Führung in Pjöngjang vielleicht deutlicher geworden, doch der Westen und der Rest der internationalen Gemeinschaft, der sich betroffen fühlt, versucht noch zu verstehen, welcher Weg aus dieser neuen Krise mit Nordkorea führen kann. "Das alles ist ein völliges neues Spiel, und es geht sehr viel tiefer, es ist sehr viel dunkler und furchterregender" , zitierte Reuters in Washington einen US-Regierungsvertreter.

Dass Nordkoreas Führer Kim Jong-il aus machtinternen Überlegungen die Serie von Provokationen begann, scheint mittlerweile plausibel. Die Bestellung seines jüngsten Sohnes Jong-un zum Nachfolger muss der Armee, aber auch der Partei und der Bevölkerung aufgezwungen werden - eine Machtdemonstration wie der zweite Atombombentest am 25. Mai und die offenbar noch andauernden Raketentests sollen nach Innen zeigen, wie sicher sich Kim Jong-il fühlt. Kriegsdrohungen, die neuerliche Beschwörung äußerer Feinde, die Erwartung neuer UN-Sanktionen setzen gleichzeitig das System gewollt unter Spannung.

Der andere Erklärungsversuch für den Atomtest bleibt nicht weniger richtig: Nordkorea will den Amerikanern zeigen, dass sie nicht länger auf eine nukleare Abrüstung des Landes beharren sollen - Nordkorea ist eine Atommacht und will es bleiben. Doch was bedeutet das dann für die mit Unterbrechungen bald sechs Jahre dauernden Gespräche zwischen Nordkorea auf der einen und China, Russland, die USA, Japan und Südkorea auf der anderen Seite? Hatte Pjöngjang die Sechs-Parteien-Gespräche von Anfang an nur benutzt, um seine Atomtests vorzubereiten? Kann man mit Nordkorea überhaupt Verträge schließen?

Markus Kornprobst, neuer Professor für internationale Beziehungen an der Diplomatischen Akademie in Wien, sieht einen inneren Widerspruch bei der bisherigen Politik der Angebote an Pjöngjang. "Man führt Verhandlungen, doch die andere Seite - Nordkorea - weiß genau, dass der Partner am Tisch keine andere Wahl hat." Pjöngjang habe diese Situation sehr gut genutzt, meint Kornprobst, der über "positive Sanktionen" - Anreize für Wohlverhalten - am Beispiel Nordkoreas forscht.

Wenn von Anfang an klar gewesen wäre, dass es Alternativen zu den positiven Sanktionen wie Energielieferungen und Aufhebung von Handelsbeschränkungen gibt, wäre der Konflikt mit Nordkorea anders verlaufen, sagt der deutsche Politologe. Doch die Rolle der USA werde dabei überbewertet, meint Kornprobst. "China, Nordkoreas wichtigster Partner, ist der eigentliche Akteur." (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 4.6.2009)

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    Nordkoreanische Soldatin am Grenzfluss Yalu

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