Wirtschaftskrise bringt Manager um den Schlaf

3. Juni 2009, 17:43
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40 Prozent der Befragten sehen den Hauptgrund für ihren Schlafmangel im Zustand der Weltwirtschaft

Amsterdam, Niederlande - Eine neue Erhebung von TNS, die von Philips in Auftrag gegeben wurde, zeigt, dass der durchschnittliche Manager 19 Prozent weniger schläft als die empfohlenen acht Stunden pro Nacht. Laut der in fünf Ländern weltweit durchgeführten Studie sehen 40 Prozent der Befragten den Hauptgrund für ihren Schlafmangel im Zustand der Weltwirtschaft. 36 Prozent der Deutschen sagen, dass sie weniger schlafen, als noch vor einem Jahr.

Im internationalen Vergleich sind die Niederländer am ausgeschlafensten: mit 6 Stunden 38 Minuten schlafen sie im Schnitt 24 Minuten länger als jede andere befragte Nation und werden auch von der aktuellen Krise am wenigsten beeinflusst. Nur 22 Prozent geben an, dass Sie weniger schlafen, als noch vor 12 Monaten. Die große Mehrheit der Befragten (61 Prozent) gibt an, dass ihre Arbeit durch Schlafmangel negativ beeinflusst wird. Im Durchschnitt sind geschätzte 6,2 Tage pro Jahr durch unzureichenden Schlaf beeinträchtigt - was die Unternehmen weltweit Milliarden kostet.

Tabuthema Schlafstörungen

Neben den Erkenntnissen über Schlafmangel ergab die Erhebung außerdem, dass zwar 96 Prozent der Manager erkennen, dass Schlafmangel zu schwerwiegenden Gesundheitsproblemen führen kann, doch nur 29 Prozent sprechen über ihre problematischen Schlafmuster. Von diesen wiederum suchen nur 27 Prozent professionelle Hilfe bei einem Arzt, während die Mehrheit nur mit Familie oder Freunden über ihre Probleme spricht.

Obstruktive Schlafapnoe

In der Erhebung wurden auch Fragen zur Kenntnis einer relativ häufigen Schlafstörung gestellt - der Obstruktiven Schlafapnoe (OSA), die durch ein wiederholtes Aussetzen der Atmung während des Schlafes gekennzeichnet ist. Die Anzahl der Neuerkrankungen von OSA bei jungen Erwachsenen ist relativ hoch. Schätzungen zufolgen leiden in Deutschland circa fünf Prozent der Bevölkerung an mäßiger bis schwerer Obstruktiver Schlafapnoe, während jedoch nur bei einem Bruchteil davon die Diagnose gestellt wird.

Schnarchen als Hinweis für Störung

Obwohl Schnarchen ein Hauptsymptom von OSA sein kann, betrachten nur 35 Prozent der Befragten das Schnarchen als Problem für sie persönlich, und 65 Prozent beschrieben Schnarchen als geringfügige Unannehmlichkeit, die nicht weiter beachtet werden müsste. Dies unterstreicht ein zentrales Problem, mit dem sich die Mediziner konfrontiert sehen: Die Schlafapnoe und andere Schlafstörungen bleiben oft undiagnostiziert, weil die Menschen die Symptome nicht erkennen oder Schlafprobleme nicht ernst genug nehmen, um mit einem Arzt darüber zu sprechen. Aus der aktuellen Forschung haben sich Hinweise auf eine Verbindung zwischen OSA, Herzkrankheiten, Schlaganfall und Diabetes ergeben.

Die von Philips in Auftrag gegebene Studie wurde im März 2009 von TNS durchgeführt. Über eine Online-Befragung wurden 2.500 Manager - gleichmäßig verteilt über Großbritannien, Deutschland, die USA, Japan und die Niederlande - um Informationen zum Thema Schlaf gebeten. (red, derStandard.at)

Hintergrund: Der Schlaf

Wir verbringen 30 Prozent unseres Lebens schlafend. Ein Erwachsener benötigt durchschnittlich sieben bis acht Stunden Schlaf. Dabei gibt es keine Abkürzung - die Biochemie des Körpers benötigt die volle Zeit, und ungestörter Schlaf ist für eine optimale Erholung und Leistungsfähigkeit am nächsten Tag unabdingbar. Dieser Schlafbedarf besteht grundsätzlich und es gibt keine regionalen Unterschiede. Kleinkinder können jedoch bis zu 18 Stunden benötigen, und auch Kinder und Jugendliche haben meist einen höheren Schlafbedarf als Erwachsene.

Der ideale Schlaf besteht aus raschem Einschlafen, gefolgt von einer langen Tiefschlafphase und einer kurzen, erfrischenden Aufwachphase - doch die Realität sieht oft anders aus. Auch bei ungestörtem Schlaf wachen die meisten Menschen mehrmals pro Nacht auf, was mit den etwa fünf Schlafzyklen von jeweils etwa 90 Minuten im Zusammenhang steht.

Sowohl der Tiefschlaf (vorherrschend in der ersten Nachthälfte) als auch der Traumschlaf (vorherrschend in der zweiten Nachthälfte) sind für die Verarbeitung von Informationen und die Erholung wichtig und haben enorme Auswirkungen auf die Lernleistung und die Leistungsfähigkeit überhaupt.

Die moderne Gesellschaft hat die "aktive" Zeit jedoch verlängert und den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus verändert. Der Mensch steht unter dem Druck, in 24 Stunden mehr zu erledigen als früher: lernen, soziale Kontakte pflegen, neue Erfahrungen machen und so weiter. Diese Aktivitäten gehen oft auf Kosten des Schlafes.

Arbeit und Schlaf

Schlaf hat Auswirkungen darauf, wie eine Person im täglichen Leben aussieht, wie sie sich fühlt und was sie tut - er beeinflusst also unvermeidbar auch die Leistung und das Verhalten im Beruf. Guter Schlaf ermöglicht es den Menschen, während des Tages zu funktionieren, und Studien zufolge besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Schlafdauer und der allgemeinen Leistungsfähigkeit am nächsten Tag. Schlafmangel beeinträchtigt nicht nur die Konzentrationsfähigkeit, was eine geringere Produktivität im Tagesverlauf bedeutet, er hat auch Einfluss auf das Befinden und kann zu Stimmungsschwankungen führen. Die Folgen von Schlaflosigkeit sind Einnicken während des Tages und Konzentrationsschwierigkeiten im Beruf.

  • Laut der Studie grübeln viele Manager auch im Schlaf
    foto: philips

    Laut der Studie grübeln viele Manager auch im Schlaf

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