AUA-Sparpaket reicht nicht, nun Kündigungen

3. Juni 2009, 17:37
232 Postings

Vorstand Bierwirth im STANDARD-Gespräch: Jobs werden in der Verwaltung abgebaut

Der Austrian Airlines stehen weitere finanzielle Einschnitte bevor. Das im Frühjahr geschnürte Sparpaket in Höhe von 225 Millionen Euro werde nicht ausreichen, sagte AUA-Vorstand Andreas Bierwirth in einem Exklusivgespräch mit dem STANDARD in Moskau. In der Verwaltung sollen Jobs abgebaut werden. Wie viele Arbeitsplätze gefährdet seien, wollte Bierwirth nicht beziffern. Er möchte den Gesprächen mit dem Betriebsrat nicht vorgreifen.

Die Sparmaßnahmen haben laut Bierwirth nichts mit der angemeldeten Übernahme der AUA durch die deutsche Lufthansa zu tun, sondern mit den krisenbedingt sinkenden Durchschnittspreisen. Dementsprechend müsse die Kostenstruktur angepasst werden. 


***

Moskau - Bei Austrian Airlines (AUA) bahnt sich das nächste Sparpaket an. Die im Frühjahr dieses Jahres eingeleiteten Einsparungsmaßnahme seien nicht ausreichend, sagte AUA-Vorstand Andreas Bierwirth am Rande der Feier zum 50. Jahrestag des Erstfluges der AUAnach Russland in Moskau.

Zwar sei das für heuer anvisierte Einsparungsziel von 225 Millionen Euro bereits erfüllt worden. Da das Sparprogramm allerdings auf der Annahme eines Umsatzrückganges von 15 Prozent beruht, sind zusätzliche Kostenoptimierungen notwendig. Im ersten Quartal 2009 ist der Umsatz der AUA um 16,5 Prozent auf 438,8 Millionen Euro eingebrochen.

Im administrativen Bereich seien auch Kündigungen möglich. Wie viele Arbeitsplätze gefährdet sind, wollte Bierwirth nicht beziffern. Zuerst soll die Belegschaft informiert werden. Die Kurzarbeit, die für die Mitarbeiter im produktiven Bereich, etwa für Flugbegleiter und Call-Center-Mitarbeiter, eingeführt wurde, habe kurzfristig dazu beigetragen, Geld zu sparen und die Existenz der Fluglinie zu sichern. Die Kurzarbeit läuft noch bis April 2010, danach ist eine Verlängerung um ein Jahr möglich.

Längerfristig will die AUA eine Rendite von fünf bis sechs Prozent erreichen. "Für dieses Jahr haben wir uns vorgenommen, dass wir liquiditätsseitig kein Geld mehr verlieren" , sagte Bierwirth. Ab 2011 sollen die Früchte der Anstrengungen geerntet werden können.

Die AUA kämpft derzeit wie alle Fluglinien mit einem Verfall der Durchschnittspreise. Während sich der krisenbedingte Nachfragerückgang stabilisierte, sind die Kunden nicht mehr bereit, ähnlich hohe Preise wie vor der Krise zu zahlen. "Wir haben es mit einer Veränderung in der Nachfragestruktur zu tun" , sagte der AUA-Vorstand.

Ost-Strategie bleibt erhalten

Auch nach der Übernahme durch die deutsche Airline Lufthansa will sich die AUAauf ihr Netzwerk im Osten konzentrieren. "Wir werden weiter in die Oststrategie investieren" , sagte Bierwirth. In Russland sollen alle sechs Destinationen erhalten bleiben. Zwischen Russland und Österreich beträgt der Passagierrückgang nur fünf Prozent. Die AUAprüft derzeit sogar, ob in Moskau außer Domodedowo nicht auch ein zweiter Flughafen angeflogen werden sollte. Es kann aber sein, dass Austrian Airlines und Lufthansa ihre Flugpläne besser aufeinander abstimmen werden, sagte Bierwirth.

Bedenken, dass die AUA nach der Übernahme ihre Unabhängigkeit verliere, zerstreute der AUA-Vorstand: "Wir sind mit der Lufthansa als Eigentümer unabhängiger als mit dem Staat." Bei der Lufthansa seien schließlich Experten am Werk. Er betonte, dass das Zentrum aller Entscheidungen in Wien bleiben werde. Es sei nicht möglich, die AUA von Frankfurt aus zu führen.

Die EU-Kommission prüft derzeit die Übernahme der AUA durch die Lufthansa, sowie die Gewährung eines staatlichen 500 Millionen Euro-Zuschusses. Eine Entscheidung soll Anfang Juli fallen. (Verena Diethelm, Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.6.2009)

  • Die AUA feierte dieser Tage den 50. Jahrestag ihres Erstfluges nach Moskau. Derzeit fliegt sie jährlich 300.000 Russen nach Österreich.
    foto: aua

    Die AUA feierte dieser Tage den 50. Jahrestag ihres Erstfluges nach Moskau. Derzeit fliegt sie jährlich 300.000 Russen nach Österreich.

Share if you care.