Bochn

3. Juni 2009, 16:58
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Die Idee mag ja einen gewissen Charme haben. Die Umsetzung hatte ihn nicht

Hanebüchen; hausbacken; witzig sein wollend mit gegenteiligem Ergebnis; oder einfach: daneben. All das und noch mehr umschreibt das unvergleichliche wienerische Adjektiv "bochn".

Wir geben zu, dass es hin wieder auch in unserer internen Blattkritik vorkommt. Wie oft, sagen wir nicht. Aber nachdem wir das einbekannt haben, erlauben wir uns, das ominöse Eigenschaftswort an jene Kolleginnen und Kollegen vom ORF weiterzureichen, die den Beitrag "Österreich ein Jahr nach dem Austritt aus der EU" für den Report am Dienstagabend gestaltet haben.

Die Idee mag ja einen gewissen Charme haben. Die Umsetzung hatte ihn nicht. Einmal abgesehen von der Irreführung aller Zuschauer, die später einstiegen und nicht durch ein Insert darauf aufmerksam gemacht wurden, was hier gespielt wurde (was für eine Informationssendung Pflicht gewesen wäre): Dass es an Österreichs Grenzen nach einem Austritt aus der EU wieder Kontrollen geben würde und dass ein Eurobetrag ungefähr das 14-Fache in Schilling ausmacht, kann man sich auch ohne solche Scherzproduktionen vorstellen.

Dafür wertvolle Sendezeit zu verplempern, statt kompetent und spannend über die Relevanz von EU-Wahlen zu berichten, ist, mit Verlaub: bochn. (Josef Kirchengast, DER STANDARD; Printausgabe, 4.6.2009)

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