Weiter Musical-Streit in Oberwaltersdorf

10. Juni 2009, 18:02
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Nach der Absage von "KFJ - Kaiser Franz Joseph": Bürgermeister ortet Rufschädigung und Menschenverachtung

Baden/Wien  - Nach der Absage von "KFJ - Kaiser Franz Joseph - Das Musical" in der Bettfedernfabrik Oberwaltersdorf (Bezirk Baden) gehen die Wogen weiter hoch: Bürgermeister Helmut Wodtawa wehrte sich am Mittwoch in einer Pressekonferenz gegen Vorwürfe, dass Oberwaltersdorf das "Tschernobyl der Thermenregion" sei, wie Regisseur Gerhard Ernst bei einer Pressekonferenz in der Vorwoche gesagt hatte.

"Es ist bedauerlich, dass das Musical nicht in der Bettfedernfabrik stattfindet. Für mich ist der Vergleich mit Tschernobyl aber ein Wahnsinn! Das ist rufschädigend", so Wodtawa. Dieser Vergleich zeuge von Zynismus und Menschenverachtung.

Betont wurde weiters, dass die Gemeinde mit der Sache nichts zu tun habe, da der Veranstalter "Kultur Kreis Oberwaltersdorf" (kk-owd.at) ein privater Verein sei. Das Projekt sei zwar mit 25.000 Euro gefördert worden, da die Unterstützung vom Gemeinderat aber zweckgebunden für die Saalmiete - und nicht für Künstler oder Agenturen - beschlossen wurde, entstünde der Bettfedernfabrik auch kein finanzieller Schaden.

Das neue Sommerfestival in dem Kultur- und Eventzentrum hätte am 4. Juni starten sollen, wurde aber einen Tag davor abgesagt. Nach "KFJ" sollte 2010 das Leben von Romy Schneider, für 2011 von Kaiserin Maria Theresia aufbereitet werden. Die Musical-Reihe sei auf zehn Jahre konzipiert.

Die Vorgeschichte

Man wolle "über Jahre hinaus Uraufführungen von Musicals bringen, welche sich inhaltlich mit der Geschichte Österreichs, vor allem aber mit historischen Persönlichkeiten Österreichs befassen", hatte Anfang März  der damalige Intendant Tony Bieber erklärt. Bieber habe Ende April seinen Rücktritt als Intendant verkündet, berichtete Rene Rumpold, der diese Funktion daraufhin übernommen hatte, außerdem Autor des "KFJ"-Musicals ist und die Hauptrolle gespielt hätte, in dm Pressegespräch vegangene Woche. Einige Versprechungen seien nicht Realität geworden.

Die endgültige Absage sei am 28. Mai erfolgt. Helene Auer, Landtagsabgeordnete a.D. und Bürgermeisterin a.D., laut Homepage vertretungsberechtigte Vorsitzende des "Kultur Kreises Oberwaltersdorf", habe unmittelbar vor einer Probe mitgeteilt, dass Sponsoren plötzlich abgesprungen seien. "Ergebnis", so Rumpold: "Kein Geld, kein Engagement." Den Schaden nur für das darstellende Ensemble bezifferte er mit etwa 230.000 Euro. Vertragspartner sei der "Kultur Kreis Oberwaltersdorf". Es werde um Regress gehen. Ein Gewerkschaftsanwalt sei eingeschaltet.

Markige Worte zum Platzen des Projektes fand dann Regisseur Gerhard Ernst. Der Veranstaltungsort Oberwaltersdorf sei das "Tschernobyl der Thermenregion". Das müsse "bis in den hintersten Theaterwinkel publik werden". Die Produktion "KFJ" wäre laut Ernst "fertig". Komponist Frizz Fischer merkte an, dass er sich "aufs Glatteis geführt" fühle. Außerdem sprach er von einer "Falle, in die wir hineingelockt worden sind" und von einer "Produktion, die im Regen stehen gelassen worden ist".

Über die Absage informiert auch der "Kultur Kreis Oberwaltersdorf" auf seiner Homepage. "Ursache für diesen bedauerlichen Schritt ist, dass die ursprünglich vorgesehene Finanzierung nicht zustandegekommen ist". Die Akquisition von Sponsorgeldern hätte demnach durch den ursprünglichen Intendanten Bieber und eine von ihm beauftragte Agentur erfolgen sollen. Der "Kultur Kreis" habe einige Sponsoren gewinnen können. Bieber habe "so gut wie keine seiner Zusagen" erfüllt, nach seinem Rücktritt und der Übernahme der Intendanz durch Rumpold sei "kurzfristig keine alternative Finanzierung des Musicals gefunden" worden, so der "Kultur Kreis". (APA)

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