Dänisches Design für die Ewigkeit

3. Juni 2009, 16:16
posten

Lange Production stellt exquisite Möbel aus den 60er-Jahren wieder her

Designmöbel seien eigentlich sein Hobby gewesen, sagt Henrik Lange, Chef von Lange Production. Schon als Student habe er in Antiquitätenläden gestöbert und auf Auktionen Möbel erstanden. Wirklich geschehen um ihn war es allerdings, als er auf einer Auktion bei Bruun Rasmussen zum ersten mal den Grasshopper Chair des dänischen Designerduos Preben Fabricius und Jörgen Kastholm sah.

Das exquisite Stück sollte wieder in Produktion gehen, beschloss Lange, der damals als selbstständiger Consulter für Daimler-Benz arbeitete. Er nahm sich eine Auszeit von drei Monaten, kontaktierte den Innenarchitekten Kastholm und konnte ihn mit seinem Enthusiasmus überzeugen. Lange bekam die die Lizenz zum Bau mehrerer Fabricius/Kastholm-Möbel.

Doch die Möbelbranche in Dänemark war skeptisch: "Niemand glaubte an das Projekt, man zweifelte am Business-Case" , so Lange. Er war kurz davor aufzugeben, als Kastholm vorschlug, es doch beim ehemaligen Hersteller der Möbel in Deutschland, Alfred Kill, zu probieren. "Er sprach kein Englisch, also musste ich in meinem Schuldeutsch erklären, was ich wollte." Was Lange offensichtlich gut machte. Er wurde nach Deutschland eingeladen, wo sich ihm die Türen zu den alten Produktionshallen öffneten.

Alter Stahl für neue Stühle

"Da standen noch alle Maschinen aus den 60ern, auf denen die Originale hergestellt worden waren. Sogar der Spezialstahl aus der Zeit war noch vorrätig," konnte Lange seinen Augen kaum trauen.

Man wurde schnell handelseins, Lange nahm Hypotheken auf sein Haus und seine Wohnung auf und verkaufte einen Großteil seiner beträchtlichen Designmöbelsammlung. "Gleichzeitig habe ich die Einkäufer der zehn größten dänischen Möbelhäuser zu mir eingeladen. Ich zeigte ihnen meine Fabricius/Kastholm-Stühle und Bilder der anderen Modelle. Alle haben zugesagt, sie würden die Möbel in ihr Programm aufnehmen."

Drei Monate später, im Frühjahr 2006, konnte Lange bereits liefern und begann mit der Expansion in den US-Privatmarkt und in das restliche Europa. Rund 1000 Stück der Stahlmöbel mit Lederbezug werden inzwischen - teilweise noch immer mit dem Originalstahl der 70er-Jahre - jährlich in Handarbeit hergestellt.

"Es geht mir um Qualität und um Nachhaltigkeit" , erklärt Lange, "Diese Möbel sollen ewig halten und in 50 Jahren auf Auktionen die gleichen Preise erzielen wie jene aus den 60er- und 70er-Jahren."

Heuer will das Kleinunternehmen den Umsatz von zuletzt rund einer Million Euro verdoppeln. Dabei helfen soll eine neue Partnerschaft mit dem österreichischen Büromöbelproduzenten Bene. (Gabriele Kolar, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 3.6.2009)

 

Share if you care.