Null Punkte, 11:129 Tore

4. Juni 2009, 10:10
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Dem Vorarlberger Regionalligisten Rot-Weiß Rankweil stand das Wasser bis zum Hals. Trotz sportlicher Talfahrt blickt man nun in eine rosige Zukunft

"Zusammenhalt und Spaß sollten immer im Vordergrund stehen", steht auf der Homepage des Regionalliga-West-Vereins Rot-Weiß Rankweil, der nach 28 von 30 Runden die Rote Laterne inne hat und diese vor Saisonschluss auch nicht mehr abgeben wird. Mit einer mageren Tordifferenz von 11:129 und einem noch weniger fetten Punktekonto von exakt null Zählern ist der Zug nach oben längst abgefahren.

Schulden

Doch von fußballerischer Tristesse fehlt in Rankweil jede Spur. Ullrich Bischoff, Obmann von RW Rankweil hat gemeinsam mit Obmann Mladen Galovic letztes Jahr die Notbremse betätigt, den Verein übernommen und damit gerettet. "Die Regionalliga ist eine teure Liga. Der Verein stand wegen hoher Schulden vor dem Aus. Es wurden keine neuen Schulden mehr gemacht, kein Geld mehr investiert", erklärt Bischoff die einschneidenden Maßnahmen. Auf teure, auswärtige Spieler, die früher aus Ex-Jugoslawien, der Türkei oder Deutschland kamen, musste verzichtet werden, die Vision von der zweiten Liga wurde zumindest vorläufig ad acta gelegt. Dafür bekam der eigene Nachwuchs eine Chance. Standen früher fast ausschließlich Legionäre auf dem Platz, so besteht die Mannschaft heute großteils aus 17 bis 19-Jährigen aus Rankweil und Umgebung.

Magnet

Dass sich in so einem Fall nicht von heute auf morgen der Erfolg einstellt, sollte nachvollziehbar sein, dass aber das Zuschauerinteresse im Ansteigen begriffen ist, überrascht doch ein wenig. Obmann Bischoff sieht in Rankweil eine Art "Magnet", die Bevölkerung und auch die Sponsoren stehen hinter der neuen Philosophie. Der neue Weg wird als der richtige betrachtet, die lokalen Sponsoren investieren lieber in Spieler aus der Umgebung, als in teure Legionäre, die dann ohnehin irgendwann wieder weg sind. Das belegen auch die Zahlen. Rund 30 neue Gönner und Sponsoren aus der Region haben sich in den letzten Monaten hinzugesellt.

Lösungen

"Wir haben einen guten Nachwuchs und man muss die wirklich Guten fördern", erklärt Bischoff, der selbst als Trainer der U11 fungiert und trotz der saisonalen Misserfolge voll und ganz hinter Trainer Jozsef Takacs steht. Der Ungar, der auch schon Dornbirn trainiert hat, wurde im Jänner verpflichtet und erhielt einen Zweieinhalb-Jahresvertrag. "Ziel ist es schon, wieder höher hinaus zu kommen, aber mit einem gesunden Verein", betont Bischoff.

Auch für Österreichs dahinsiechenden Kick hat er Lösungsansätze parat: "Nur mit Geld allein kann man das nicht richten. Man benötigt nicht nur Ausbildungszentren, sondern sollte sich nach dem Schweizer Modell orientieren, wo Talente auch regional zusammengezogen und gefördert werden. "Aber es tut sich ohnehin etwas und der Erfolg wird sich wieder einstellen", ist Bischoff überzeugt.

Auch für Rot-Weiß Rankweil sieht der Obmann der Vorarlberger zwei Runden vor Meisterschaftsende keineswegs schwarz: "Einen Punkt machen wir!" (Thomas Hirner, derStandard.at, 4. Juni 2009)

Link:

Rot-Weiß Rankweil

Tabelle:

Regionalliga West

Zum Verein:

Der FC Rot-Weiß Rankweil wurde am 10. Oktober 1920 im Gasthof Schneeberg gegründet. 1957 und 1959 stieg der Klub jeweils für eine Saison als Vorarlberger Landesmeister in die zweitklassige Arlbergliga auf - musste aber in beiden Fällen sofort wieder absteigen.
Auch nach der Einführung der neuen zweitklassigen Regionalliga West blieb der Klub vorerst eine Aufzugsmannschaft und konnte sich auch nach dem Aufstieg 1962 nur ein Jahr halten.

Erst nach dem gelungen Klassenerhalt 1964/65 begann sich der Klub bis 1971 insgesamt sechs Saisonen lang festzusetzen. Das beste Ergebnis waren zwei siebente Plätze. Seit dem Abstieg in die Vorarlberger Landesliga sollte aber keine Rückkehr mehr in die zweite Liga gelingen. Im Jahr 2002 schaffte die Mannschaft den Aufstieg in die drittklassige Regionalliga West.

  • Die Kampfmannschaft von Rot-Weiß Rankweil.
    foto: rankweil

    Die Kampfmannschaft von Rot-Weiß Rankweil.

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