Kunstunis "am Scheideweg"

3. Juni 2009, 15:44
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Mehr Orientierung an internationalen Entwicklungen bei Berücksichtigung der Tradition - Kooperationen verstärken und Forschung vorantreiben

Wien - Mut zu Innovation, Orientierung an Entwicklungen in der internationalen Kunstausbildung, mehr Kooperationen mit anderen Unis sowie den Creative Industries und weitere Fokussierung auf die Forschung - das sind die wesentlichen Empfehlungen des Österreichischen Wissenschaftsrats an die sechs Kunstuniversitäten, die Ratspräsident Jürgen Mittelstraß am Mittwoch bei einer Pressekonferenz präsentiert hat. Derzeit stünden die Kunstunis "in mancherlei Hinsicht an einem Scheideweg", so Dame Janet Ritterman, Leiterin der Arbeitsgruppe zu den Kunstunis im Rat. Dabei würden sie Unterstützung der Wissenschaftspolitik benötigen, vor allem über den Ausbau von Förderungen und etwa den Aufbau einer nationalen Stiftung zur Unterstützung junger Künstler.

Bisher seien an den Kunstunis nicht alle Voraussetzungen so gestaltet, dass sie die Arbeitsweise und Prioritäten der jeweiligen Einrichtung berücksichtigen, so Ritterman. Die Kunstunis müssten etwa den Ausländeranteil berücksichtigen, der bei ihnen doppelt so hoch wie an wissenschaftlichen Unis sei. "Um ihren internationalen Ruf zu bewahren und zu stärken, den sie in den vergangenen 30 bis 40 Jahren gewonnen haben", müssten die Kunstunis die Entwicklungen der Kunstausbildung außerhalb Österreichs nachvollziehen. Mittelstraß warnte jedoch davor, diese Aufforderung als Abkehr von der heimischen Geschichte und Tradition misszuverstehen. Es müsse eine Balance gefunden werden.

Erhalt aller sechs Unis

Auch das Studienangebot müsse ausbalanciert sein: So legt der Wissenschaftsrat in seinem Papier etwa dem Mozarteum Salzburg nahe, sich von seinen kleineren Sparten der Lehrerausbildung zu trennen und sich auf seine Stärken zu konzentrieren. Prinzipiell spricht sich der Rat aber für einen Erhalt aller sechs Kunstunis aus, eventuelle Zusammenlegungen würden laut Mittelstraß zu Lasten von Lehrenden und Studenten gehen. Allerdings forderte er mehr Kooperation bei der Lehre; auch der Kontakt nach Außen, etwa zu den Creative Industries, müsse verstärkt werden.

Beim Ausländeranteil stellt sich für Ritterman die Frage: "Wie viel ist zu viel?" Unter den Klavierstudenten gebe es etwa nur 13 Prozent Österreicher. Mit ein Grund dafür sei, dass ausländische Studenten oft schon mit einer abgeschlossenen Ausbildung nach Österreich kämen. Die Ausbildung an Musikschulen in Österreich und die Verschränkung von höheren Schulen und Musikunis sei "in vieler Hinsicht optimierbar", so Mittelstraß.

Forschung an Kunstunis neu

Ritterman nannte als internationale Herausforderungen die Bolognareform, die nicht nur eine Veränderung der Struktur, sondern auch der gesamten Kultur des Lehrens und Lernens bedeute. Bei den Doktoratsprogrammen müssten Österreichs Kunstunis versuchen, "die klügsten Köpfe auf Dauer zu halten". Mittelstraß wies jedoch darauf hin, dass der Forschungsbegriff der wissenschaftlichen Unis für die Kunstunis noch relativ neu sei und die Fokussierung auf Entwicklung und Erschließung der Künste "bisher vielleicht nicht diese entscheidende Rolle spielte". (APA)

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