Neues Filmfördermodell nach deutschem Vorbild

3. Juni 2009, 15:29
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Parteienübergreifender Konsens über Umsetzung eines zusätzlichen Finanzierungspfeilers bis Jahresende

Wien - Seit mehreren Jahren kämpfen die österreichischen Produzenten dafür, den Film nicht nur als kulturellen, sondern auch als wirtschaftlichen Faktor ernst zu nehmen. Der Hintergrund: Gerade bei internationalen Festivals erfolgreiche heimische Filme entstehen oft unter sehr improvisierten, kaum kommunizierbaren Bedingungen - und das in Zeiten, in denen sich eine mündige Zuseherschaft längst für Produktionshintergründe interessiert. Eine gemeinsame Veranstaltung der Produzentenverbände AAFP, Film Austria und Fachverband der Film- und Musikindustrie könnte nun einen Durchbruch in Richtung Professionalisierung bewirkt haben.

Die Pläne für einen neuen österreichischen Filmförderfonds nach deutschem Vorbild werden konkreter. Nachdem ÖVP-Klubchef Karlheinz Kopf am Dienstagabend angekündigt hatte, das deutsche Modell einer Filmförderung von Wirtschaftsseite für Österreich bis Jahresende implementieren zu wollen, bekräftigte Vizekanzler Josef Pröll am Mittwoch "die volle Unterstützung" des Finanzministeriums. Sowohl in der Branche als auch seitens der Grünen und der Stadt Wien wurde die Ankündigung sehr positiv aufgenommen.

Dienstags stellte der deutsche Kulturstaatsminister Bernd Neumann auf Einladung von Ex-Kulturminister Rudolf Scholten, nunmehr Aufsichtsratsvorsitzender des Österreichischen Filminstituts (ÖFI), in der Kontrollbank das deutsche Filmfördermodell vor, das seit Anfang 2007 große Erfolge zeitigt. Und er fand nicht nur in SP-Kulturministerin Claudia Schmied Fürsprecher, sondern erstmals auch auf ÖVP-Seite. "Wir sollten das auch so machen", zeigte sich  Kopf im Anschluss an die Ausführungen mehr als nur gesprächsbereit. "Und wir sollten uns nicht länger als bis Jahresende dafür Zeit nehmen." Mit dem Wirtschafts- und dem Finanzminister habe er sich schon unterhalten, nun sollen schnell Gespräche mit Schmied geführt werden, so Kopf.

"Hebelwirkung beeindruckend"

Das deutsche Filmfördermodell ist ein Produktionskostenerstattungsmodell, bei dem (zusätzlich zum klassischen Instrument der Filmförderung aus den Kulturbudgets - und somit als dritter Pfeiler zur Box-Office) maximal 20 Prozent der nationalen Herstellungskosten durch einen Filmförderfonds erstattet werden können, soferne mindestens 25 Prozent der Herstellung im Land erfolgt, ein Kinoverleih gesichert und eine EU-konforme Einstufung als Kulturgut gegeben ist. Zur Höhe: Die Förderung aus dem Fonds entspricht in etwa einer Rückerstattung der Umsatzsteuer. Eine Zwischenbilanz: Die auf zwei Jahre gerechneten Förderausgaben von rund 120 Mio. Euro lösten in dieser Zeit in Deutschland das Sechsfache an Investitionen aus - und entsprechende Rückflüsse in das Staatsbudget.

Diese "Hebelwirkung" zwischen Förderausgaben und Investitionen sei "beeindruckend", gab Kopf zu. Und ebenso wie Schmied ließ er sich von Neumanns Worten offenbar gerne überzeugen, dass zur Ergänzung einer kulturellen Filmförderung eine wirtschaftliche Filmförderung "einfach dazu gehört". In Deutschland habe man mittlerweile einen Rekordanteil deutscher Filme in den Kinos (von 18 auf 27 Prozent gesteigert) und mit dem Filmförderfonds auch den Produktionsstandort attraktiver gemacht, so Neumann, der die filmische Zukunft in Koproduktionen und damit nicht im nationalen, sondern im europäischen Film sieht.

"Frau Kollegin, Sie haben allen Grund, auf ihre Filmleute stolz zu sein", gratulierte der Kulturstaatsminister Schmied eingangs zur Goldenen Palme für Michael Haneke, zum Oscar für Stefan Ruzowitzky und zu den Darstellerpreisen für Birgit Minichmayr in Berlin und Christoph Waltz in Cannes. An der Croisette habe zwar kein deutscher Film gewonnen, aber mit Hanekes Film "Das weiße Band" sowie "Inglourious Basterds" (Tarantino) und "Antichrist" (von Trier) zumindest der Produktionsstandort Deutschland. Schmied bedankte sich für die "Amtshilfe" und plädierte stark für eine Wirtschafts- und Standortförderung in Österreich. Diese könnte nach den Worten Kopfs schnell kommen: Das Modell sei "gut durchgedacht" und "gut planbar", lobte der VP-Klubchef, halte zudem inländische Produzenten im Land und locke gleichzeitig ausländische Produzenten an.

Dem schloss sich auch Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky an, betonte aber auch, dass "die Basis eine gesunde nationale Produktionslandschaft" sein müsse und man sich nicht nur auf "vagabundierendes Hollywood-Kapital" verlassen dürfe. Als Startkapital eines entsprechenden österreichischen Filmförderfonds wurden von den Produzenten rund 20 Millionen Euro errechnet. Diese Summe soll nun vom Finanz- und Wirtschaftsministerium bereitgestellt werden. Aufgrund der hohen Umwegrentabilität (bessere Beschäftigungslage, höhere Steuereinnahmen, Imagegewinn) wird auch für Österreich von einem fünf- bis sechsfachen Investitionsanstieg ausgegangen.

Breiter Zuspruch, ORF gefordert

Die Ankündigung, in Österreich bis Ende des Jahres ein wirtschaftliches Filmfördermodell nach deutschem Vorbild einführen zu wollen, ist am Dienstag auf breite Zustimmung gestoßen. Sowohl vonseiten der Grünen als auch der Stadt Wien wurde die Einrichtung eines österreichischen Filmförderfonds' begrüßt. Schon direkt am Dienstagabend hatte bereits die Branche sehr erfreut auf die Signale von VP-Klubobmann Kopf in Richtung einer schnellen Umsetzung reagiert.

"Die Grünen können sich mit dem Modell durchaus anfreunden", erklärte Kultursprecher Wolfgang Zinggl in einer Aussendung. Es gehe nun darum, dieses zügig umzusetzen, denn in Zeiten der Krise und der Rezession seien "Investitionen in zukunftsträchtige Wirtschaftsbereiche von zentraler Bedeutung". Wenn Finanz- und Wirtschaftsministerium die Dotierung des Fonds übernähmen und dadurch die ökonomische Komponente des Films betont werde, stehe "weiteren erfreulichen Entwicklungen im österreichischen Filmschaffen nichts im Wege".

Ähnlich reagierte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny , der aber gleichzeitig auch auf die Verantwortung der Bundesländer und des ORF verwies. Wien habe mit dem "Filmpaket" einen ersten Schritt gesetzt, auch die Ankündigung der ÖVP wurde als "besonders positiv" erachtet - wenn nun der ORF jedoch das Film/Fernsehabkommen aufkündige, "würden mit einem Schlag alle bisherigen Bemühungen seitens der Stadt und des Bundes zunichtegemacht". Schon am Vorabend hatten Kopf und Kulturministerin Schmied darauf hingewiesen, dass sich der ORF nicht aus seiner Verantwortung stehlen dürfe und das Film/Fernsehabkommen möglicherweise gesetzlich festgeschrieben werden müsse.  Und SP-Medienstaatssekretär Josef Ostermayer ergänzte via Aussendung, dass eine Teilrefundierung der ORF-Gebühren "eine klare Grundlage für die Fortführung des Abkommens" bedeuten würden.

Rückhalt aus dem Finanzministerium

Rückhalt für die Pläne hat es am Mittwoch auch aus dem Finanzministerium gegeben. Kopf habe "die volle Unterstützung vom Vizekanzler", sagte ein Sprecher von VP-Finanzminister Josef Pröll auf Anfrage. Die kulturelle Filmförderung sei bereits aufgestockt worden, man habe aber auch "großes Interesse, auch die wirtschaftliche Seite der Filmbranche entsprechend zu unterstützen". Der weitere Fahrplan konnte noch nicht näher erläutert werden, die Agenda liege in Kopfs Händen. Mit "gutem Willen" könne es aber gelingen, ein ähnliches Modell wie in Deutschland bis Ende 2009 umzusetzen, so der Pröll-Sprecher. Wesentlich sei jedenfalls, dass das Wirtschaftsministerium genauso eingebunden sei wie das Finanzministerium. In einem Gespräch für die ORF-"ZiB 2" am Mittwochabend legte der Finanzminister nach und bekräftigte, dass es "wichtig" sei, "noch heuer einen Akzent zu setzen".

Freude herrschte unterdessen auch beim Fachverband der Audiovisions- und Filmindustrie, der die Präsentation  gemeinsam mit den Produzentenverbänden veranstaltet hatte. Die Einführung des Modells sei nach Meinung von Filmexperten "innerhalb einiger Monate zu schaffen", so der Fachverband in einer Aussendung am Dienstag. Die kurzfristige Umsetzung des Modells werde für Österreich auf jeden Fall "rasch Erfolge zeigen" und sei "eine angemessene Antwort auf die herausragenden internationalen Erfolge des österreichischen Films". (APA/red)

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