EZB belässt Leitzins bei einem Prozent

4. Juni 2009, 15:05
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Zentralbank sieht heuer bis zu 5,1 Prozent BIP-Minus, leichtes Wachstum 2010 möglich

Frankfurt - Der Leitzins im Euro-Raum bleibt wie erwartet unverändert bei 1,0 Prozent. Das teilte die Europäische Zentralbank (EZB) nach ihrer Ratssitzung am Donnerstag in Frankfurt mit. Der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld war angesichts der Rezession in vielen Euro-Ländern in mehreren Schritten auf das aktuelle Rekordtief gesenkt worden.

Nach der jüngsten Lockerung der Geldpolitik im Mai hatte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet eine weitere Rücknahme des Zinssatzes zwar nicht ausgeschlossen. Er betonte aber, dass der EZB-Rat das aktuelle Zinsniveau für angemessen halte. Auch Volkswirte hatten für diesen Donnerstag nicht mit weiteren Zinsschritten gerechnet.

In der Pressekonferenz nach der EZB-Ratssitzung gab Trichet am Nachmittag die Juni-Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt und die Inflation in der Eurozone bekannt. "Jüngste Umfragedaten lassen darauf schließen, dass nach zwei Quartalen mit sehr negativen Wachstumsvorzeichen im weiteren Verlauf des Jahres die wirtschaftliche Aktivität nicht mehr so stark nachlassen wird. Positive Quartalswachstumsraten sind allerdings erst Mitte 2010 zu erwarten", so Trichet. Für 2009 geht der Zentralbank-Chef von einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 4,1 bis 5,1 Prozent aus - im März war noch vom einem um 2,2 bis 3,2 Prozent geringeren BIP die Rede. Die Prognose für 2010 lautete aktuell auf eine Bandbreite von minus ein Prozent bis plus 0,4 Prozent beim BIP (März: -0,7 - +0,7 Prozent). Die Inflationsprognose für 2009 ist aktuell bei 0,1 bis 0,5 Prozent nach 0,1 bis 0,7 Prozent im März. Für 2010 gehen die EZB-Volkswirte von einer Spanne zwischen 0,6 und 1,4 Prozent aus (März: 0,6 bis 1,4 Prozent).

 

Mit Spannung wurden weitere Informationen der EZB zum angekündigten Ankauf von Pfandbriefen ("Covered Bonds") erwartet: Im Mai hatte Trichet gesagt, die Notenbank wolle mit dem Kauf von Anleihen im Umfang von 60 Mrd. Euro der kriselnden Wirtschaft wieder Schwung verleihen. "Die Ankäufe von forderungsbesicherten Anleihen im Volumen von 60 Milliarden Euro werden über die gesamte Euro-Zone verteilt erfolgen - und zwar über Direktankäufe", sagte der Zentralbank-Chef bei der Pressekonferenz. Die Ankäufe würden im Juli 2009 beginnen und voraussichtlich bis spätestens Ende Juni 2010 vollkommen umgesetzt sein. Außerdem sollen die Ankäufe sowohl im Primär- als auch im Sekundärmarkt getätigt werden. "Ankauffähig sind unter diesem Programm covered bonds, die auch als Sicherheiten für Kreditmarktoperationen im Euro-System akzeptabel sind", so Trichet.

Auch die britische Notenbank ließ ihren Leitzins am Donnerstag wie erwartet unverändert. Der Leitzins liege weiterhin auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent, teilte der geldpolitische Ausschuss der Bank of England (BoE) in London mit. Niedrige Zinsen verbilligen Kredite für Unternehmen und Verbraucher und können so die Wirtschaft ankurbeln. Sparguthaben werden jedoch ebenfalls niedriger verzinst. (APA)

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