Pakistanische Truppen wollen mindestens ein Jahr im Swat-Tal bleiben

3. Juni 2009, 14:51
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Militär: Tod der Taliban-Führer nötig für Sieg im Swat-Tal - Kaum Spuren von Leben in Mingora

Mingora - Die Offensive gegen die Taliban im Swat-Tal könnte nach Einschätzung der pakistanischen Streitkräfte noch zwei Monate andauern. Bis Ende Juni sollten fast 2.500 Polizisten nach in die größte Stadt Mingora zurückkehren, sagte General Ijaz Awan am Mittwoch vor Journalisten. Die Truppen blieben zudem vermutlich noch mindestens ein Jahr nach dem Einsatz dort stationiert, um eine neuerliche Machtübernahme durch die islamischen Fundamentalisten zu verhindern, wie Awan erklärte.

Der Sieg über die Aufständischen im Swat-Tal kann nach Ansicht der Armee nur dann als sicher gelten, wenn die dortige Taliban-Führung getötet wird. "Ihr Tod ist notwendig, um auch ihren Mythos zu töten", so Awan. Seit Beginn der Kämpfe Ende April sind nach Militärangaben mehr als 1.200 Extremisten und mehr als 90 Soldaten ums Leben gekommen. Die Anführer der radikal-islamischen Taliban konnten offensichtlich entkommen.

In der mittlerweile von der Armee kontrollierten Stadt Mingora bereiteten die Behörden unterdessen eine Rückkehr der Flüchtlinge vor. Am Mittwoch sollte auch der für die Krisenregion verantwortliche US-Gesandte Richard Holbrooke in Pakistan eintreffen, um die Lage zu beurteilen. Nach den Worten Awans befinden sich nur noch bis zu 40.000 der 350.000 Bewohner Mingoras in der Stadt. Ihm zufolge wird es zwei Wochen dauern, bis die Wasser- und Stromversorgung wiederhergestellt ist. Dann sei auch mit den ersten Rückkehrern zu rechnen, sagte Awan.

Bei einer von den Streitkräften organisierten Führung für Journalisten durch Mingora waren am Mittwoch an mehreren Orten Spuren heftiger Kämpfe erkennbar. Ein AP-Reporter sah in der ganzen Stadt zahlreiche Kontrollstellen der Truppen, von den verbliebenen Einwohnern war indes kaum etwas zu sehen.

Die Streitkräfte hatten den Einsatz im Swat-Tal Ende April begonnen, nachdem die Extremisten teilweise bis auf 100 Kilometer an die Hauptstadt Islamabad herangerückt waren. Der Rückhalt für die Offensive in der Bevölkerung könnte schwinden, wenn es eine hohe Zahl ziviler Opfer geben sollte und die Regierung keine Antwort auf das Flüchtlingsproblem findet. Die Kämpfe haben nach Regierungsangaben insgesamt bereits rund zwei Millionen Menschen in die Flucht getrieben.

Die Massenentführung vom Montag im an Afghanistan grenzenden Stammesgebiet Nord-Waziristan schien unterdessen entgegen anderslautender Mitteilungen der Behörden noch nicht beendet. 42 Schüler und drei Lehrer wurden nach Angaben eines Schulleiters noch vermisst.

Drei der Verschleppten hätten mit ihren Eltern telefonieren dürfen, sagte Javed Alam der Nachrichtenagentur AP. Sie wurden demnach gut behandelt, es gebe aber keine Hinweise darauf, wo oder von wem sie festgehalten wurden. Lösegeld sei bisher nicht gefordert worden. Schüler und Dozenten der Kadettenschule Razmak in Nord-Waziristan waren am Montag entführt worden, zur Zahl der Geiseln hatte es widersprüchliche Angaben gegeben. (APA/Reuters/AP)

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