Der Lokalmatador fordert Federer

3. Juni 2009, 14:41
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Der Schweizer führt im Head-to-head mit Gael Monfils 4:0 - das ist heute keine Garantie für den Erfolg

Paris - Jener Mann, der sich wohl am sehnlichsten den French-Open-Titel wünscht, heißt Roger Federer. Der 13-fache Grand-Slam-Sieger ist nach dem Ausscheiden des Topfavoriten Rafael Nadal sowie dem Aus von Novak Djokovic aussichtsreichster Anwärter auf den Titel in Roland Garros. Schließlich hat Federer seit 2005 zunächst im Halbfinale und dann drei Mal im Finale jeweils erst gegen Rafael Nadal verloren. Oder anders ausgedrückt: Seine Paris-Bilanz gegen Nadal lautet 0:4, jene gegen alle anderen seither 27:0.

Drei Siege zur Glückseligkeit

Drei Siege fehlen Federer auf dem Weg zur Glückseligkeit noch: Dann hätte er nicht nur endlich auch mit Allzeit-Rekordhalter Pete Sampras (14 Titel) gleichgezogen, sondern er wäre auch der erste Spieler seit Andre Agassi, der den "Karriere-Grand-Slam" schaffen würde. Der Schweizer spielt zum elften Mal in seiner Karriere bei den French Open und möchte als sechster Spieler alle vier Grand-Slam-Titel in seiner Karriere gewinnen. 1999 war Agassi der bisher letzte, davor gelang dies Don Budge, Fred Perry, Roy Emerson und Rod Laver.

Aus Federers Sicht, dessen Projekt Paris-Titel in den vergangenen Jahren immer mehr zur "mission impossible" zu geraten schien, haben sich die Ereignisse diesbezüglich in den vergangenen zwei Wochen überschlagen. Doch der Final-Sieg über Sandplatz-König Nadal in Madrid war vielleicht der erste Stein, der die Lawine ins Rollen gebracht hat. Und dann musste sich Nadal dem Schweden Robin Söderling im Achtelfinale geschlagen geben. Für Federer, der seinerseits gegen Tommy Haas in der gleichen Runde vor dem Aus stand, könnte Paris 2009 die größte Chance zum Titel sein. Denn einerseits wird er nicht jünger, andererseits wird auch die Konkurrenz immer stärker.

"Wir sind noch nicht so weit"

Inwieferne sich seine Ausgangslage geändert habe? Bis zum eventuellen Finale nicht sehr, denn bis dahin wäre er ohnehin nicht auf Nadal getroffen, da er in der unteren Tableau-Hälfte ist. "Denkt man ans Finale, ist es ein unterschiedliches Szenario. Denn, egal gegen wen ich spielen würde, ich hätte wohl ein ganz gutes Head-to-Head. Das würde einiges ändern, aber wir sind noch nicht so weit und daher, ehrlich, hat sich für mich nicht viel geändert", sagte der Schweizer.

Die erste Hürde auf dem Weg zum 14. Major-Siegerscheck, der sich übrigens auf 1,06 Millionen Euro belaufen wird, stellt sich am Mittwoch in den Weg des Weltranglisten-Zweiten: Gael Monfils, der nach dem Viersatz-Sieg über Jürgen Melzer in Runde 3 im Achtelfinale mit Andy Roddick noch weniger Mühe hatte. Der Vorjahres-Halbfinalist ist nach dem Aus von Jo-Wilfried Tsonga letzter Franzose im Bewerb und darf sich trotz der Beliebtheit Federers wohl wieder voller Unterstützung des teilweise auch sehr unangenehmen Publikums erfreuen.

Deutliche Bilanz

Gegen Monfils weist Federer eine 4:0-Bilanz auf, zuletzt musste er im erwähnten Halbfinale 2008 beim 6:2,5:7,6:3,7:5 erstmals einen Satz abgeben. Entscheidend wird sein, wie Federer mit dem Druck umgeht, der freilich nun zugenommen hat. Und er wird sich, wie sonst bei ihm üblich, im Turnier-Rest weiter steigern müssen. Natürlich ist Federer gegen den Weltranglisten-Zehnten Favorit, er könnte sein bereits 20. Major-Halbfinale in Folge erreichen. Dort würde der Sieger aus Juan Martin del Potro (ARG) und Tommy Robredo warten. Letzterer, und das hatte wohl vorher kaum jemand erwartet, ist im Viertelfinale letzter verbliebener Spanier bei den Herren.

Eine interessante Parallele dürfte den Statistik-Fan Roger Federer vielleicht Auftrieb geben: Auch Andre Agassi hat seinen ersten und auch historischen Titel bei den French Open erst im elften Versuch geschafft. Die ersten Halbfinalisten wurden schon Dienstagnachmittag ermittelt: Nadal-Bezwinger Söderling traf auf Nikolaj Dawydenko und Mit-Favorit Andy Murray bekam es mit dem chilenischen Top-Mann Fernando Gonzalez zu tun. (APA)

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    Gefährlicher Gegner mit Publikum im Rücken: Gael Monfils.

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