Wie ein Gefangenenlager zur Wohngegend wurde

3. Juni 2009, 14:36
6 Postings

Ausstellung "Geschlossene Gesellschaft?" in Knittelfeld

Graz - Im obersteirischen Knittelfeld wurde im Ersten Weltkrieg ein Gefangenenlager errichtet, das nach Kriegsende zahlreichen Menschen Platz zum Wohnen bot. Die Ausstellung "Geschlossene Gesellschaft?" des "Büros der Erinnerungen" am Landesmuseum Joanneum zeigt nun die Entwicklung von Lager zur Wohngegend. Kuratiert wird die Schau von Gerhard Dienes.

1915 entstand das Gefangenenlager in Knittelfeld, in dem über 30.000 Gefangene untergebracht waren. Das Lager erhielt auch ein Spital für die Verwundeten der k.u.k. Armee, das über 5.000 Soldaten aufnehmen konnte. Als nach dem Krieg viele Menschen ohne Wohnung waren, wurden die Baracken des Lagers von vielen als Unterschlupf genutzt. Auf diese Weise entstand ein neuer Stadtteil, der "Knittelfeld-Neustadt" genannt wurde. Ab den 60er Jahren wurden die Baracken durch Wohnhäuser ersetzt und immer mehr neuer Wohnraum in diesem Viertel geschaffen.

Die Entwicklung dieses Stadtteils sowie die Rahmenbedingungen dazu werden in der Ausstellung "Geschlossene Gesellschaft?" gezeigt. Kernstück der Schau ist das Pumpenhaus des früheren Lagers, in dem die Metamorphose der Neustadt vom Gefangenenlager und Militärspital bis zur Neugestaltung dargestellt wird. Kurator Gerhard Dienes hat zur Ausstellung zusammen mit Gundi Jungmeier einen Begleitband herausgegeben, der bei der Eröffnung präsentiert wird. Darin haben sich mehrere Autoren auf die Spurensuche nach der Vergangenheit in der Neustadt begeben. (APA)

"Geschlossene Gesellschaft?". Ausstellung des Büros der Erinnerungen am Landesmuseum Joanneum in Spielberg bei Knittelfeld. Von 5. Juni bis 3. Oktober 2009. Geöffnet am Donnerstag von 9.00 bis 15.00 Uhr, Freitag bis Sonntag und an Feiertagen von 13.00 bis 19.00 Uhr.

Share if you care.