Hoch qualifizierte Migranten - Österreich an letzter Stelle

3. Juni 2009, 14:38
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Autoren raten: Zuwanderung nach Ausbildungskriterien forcieren - Mangel an Absolventen in Naturwissenschaften und Technik in Österreich

Wien - Der Forschungs- und Technologiebericht 2009 ortet "Spezifische Probleme" beim Qualifikationsniveau von Migranten in Österreich. In der Gruppe der Hochqualifizierten sei man das OECD-Land "mit dem geringsten Anteil" von Akademikern unter den im Ausland geborenen Personen.

Österreich liegt mit 11,3 Prozent nach Polen an letzter Stelle. Gleichzeitig gebe es mit 11,5 Prozent überdurchschnittlich viele Auslandsstudierende. Hier belegt Österreich Platz vier. "Österreich kann als Land bezeichnet werden, in dem zwar viele Ausländer studieren, aber nur wenige hoch qualifizierte Migranten leben", so die Autoren des im Auftrag des Wissenschafts-, Infrastruktur- und Wirtschaftsministeriums erstellten, Berichts.

Bildungs-Verteilung

Es zeige sich, dass im Vergleich zur österreichischen Bevölkerung die im Ausland geborene Bevölkerung hierzulande "nach wie vor stark an den beiden Extremen der Bildungsverteilung angesiedelt ist". Es gebe nur unterdurchschnittliche "Anteile im mittleren Qualifikationssegment", so die Autoren.

Jobs unter Qualifikationsniveau

Trotz erster Bemühungen der Migrationspolitik, hoch qualifizierte Arbeitskräfte anzuziehen sind im Ausland geborene Hochqualifizierte "deutlich öfter" als ihre im Inland geborenen Kollegen beschäftigungslos. Mit 47 Prozent würden ausländische Akademiker zudem häufiger in Jobs stecken, die unter ihrem Qualifikationsniveau liegen, als österreichische Akademiker (29 Prozent).

Zuwanderung nach Ausbildungskriterien forcieren

Die Autoren empfehlen, den Standort Österreich für hoch qualifizierte Arbeitskräfte attraktiver zu machen und mittels "migrationspolitischer Interventionen" die Zuwanderung nach Ausbildungskriterien stärker zu forcieren. Zudem müsse die Anerkennung von im Ausland erworbenen Bildungsabschlüssen erleichtert werden. "Abgesehen von der sprachlichen Integration scheinen dabei einige institutionelle Besonderheiten des österreichischen Arbeitsmarktes eine wichtige Barriere darzustellen", heißt es.

Öffentliche Finanzierung von Bildung

Der Bericht unterstreicht zudem einmal mehr die Bedeutung der öffentlichen Finanzierung, um "die Forschungsausbildung von Universitätsabsolventen zu unterstützen". Vor allem im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich orten die Autoren einen Mangel an Absolventen, der sich "in naher Zukunft noch verschärfen wird". Es sei aber notwendig, "das Humankapital einer Gesellschaft ständig zu erweitern, anzupassen und zu erneuern". Versäumnisse seien hier "in kurzer und mittlerer Frist nicht zu kompensieren".

Geringe Frauenquote

Die Beschäftigung (als Kopfzahl) im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E) ist laut Bericht grundsätzlich zwischen 2002 und 2006 um 28 Prozent gestiegen, zuletzt waren 84.000 Personen beschäftigt. Dabei wurden vor allem mehr Leute im Unternehmens- und Hochschulbereich beschäftigt. Im Jahr 2006 arbeiteten rund 45.300 Personen in der unternehmerischen Forschung und 32.700 Personen an einer Hochschule. Grundsätzlich weise Österreich eine sehr geringe Frauenquote im F&E-Bereich auf: Im Vergleich mit 20 OECD-Ländern gebe es hierzulande den viertkleinsten Frauenanteil, "nur vor Deutschland, den Niederlanden und Japan".(APA)

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