James Bond nach dem 11. September

3. Juni 2009, 14:13
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Internationaler Kongress in Saarbrücken - Wissenschafter beleuchten das Phänomen Bond aus verschiedenen Perspektiven

Saarbrücken - Als popkulturelles Phänomen von großer Breitenwirkung ist "James Bond" längst auch ein Thema für die Wissenschaft - siehe beispielsweise Metin Tolan & Joachim Stolzes Buch "Geschüttelt, nicht gerührt. James Bond und die Physik". "Mindestens die Hälfte der Weltbevölkerung hat schon einmal einen Bond-Film gesehen", sagt Joachim Frenk, Professor für Britische Literatur- und Kulturwissenschaft an der Universität des Saarlandes. "Bond ist die langlebigste globale Kultfigur, die es gibt." Am kommenden Freitag startet in Saarbrücken ein internationaler James-Bond-Kongress. Die Wissenschafter gehen dort Fragen nach wie: Ist James Bond ein Serienkiller? Wie schafft er es, immer zu überleben? Und wie hat Bond sich nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verändert?

Zu der dreitägigen Konferenz werden unter anderen Forscher aus den USA, Großbritannien und den Niederlanden erwartet. In den angekündigten 30 Vorträgen geht es aber nicht nur um die Filme, sondern auch um die Romane von Bond-Erfinder Ian Fleming und die Werbemaschinerie rund um das Phänomen Bond. Immerhin ist der Spion ihrer Majestät bereits seit mehr als 20 Jahren ein beliebter Forschungsgegenstand. Denn die Bond-Filme sind nicht nur erfundene Geschichten, sondern auch ein Kommentar zur Welt, in der wir leben, wie Frenk sagt: "Bond repräsentiert die Nachkriegsgeschichte der westlichen Kulturen. In den Filmen geht es um die Machtinteressen in der realen Welt."

Perspektiven

In den Vorträgen wird Bond aus den verschiedensten Perspektiven beleuchtet. Denn, sagt Hauptredner Christoph Lindner von der Universität Amsterdam: "Manche Dinge bleiben bei Bond immer gleich: Die Autos, die schönen Frauen, der Martini. Aber Bond erfindet sich auch immer neu." Früher sei Bond ein unverwundbarer Held gewesen. Heute hingegen sei er viel emotionaler und mache auch Fehler.

Wie Bonds Wandlung mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zusammenhängt, darüber wird Tobias Hochscherf sprechen, Filmwissenschaftler von der Northumbria University im englischen Newcastle. "Früher zeigten die Bond-Filme: Egal was passiert, man kann immer noch ein Gentleman sein", erklärt Hochscherf. "In den neueren Filmen ist das nicht mehr so. Die Bedrohung wird so akut, dass man die Regeln brechen muss. Fair play kommt in den neueren Bond-Filmen kaum noch vor." Vielmehr spiegele Bond die aktuelle politische und soziale Lage wider, es gehe um Verhörmethoden, Terrorabwehr und knapper werdende Ressourcen. "Der Bond von Roger Moore lebte eher in einer Fantasiewelt. Heute sind die Filme viel realistischer."

Anthony Metivier vom Fachbereich Kunstgeschichte an der Saar-Uni geht sogar noch einen Schritt weiter und fragt: Ist Bond ein Serienkiller? "Der neue Bond verhält sich häufig irrational und brutal. Viele Leute können sich nicht mehr so gut mit ihm identifizieren." Selbst die Klischees in den Filmen hätten sich verändert: "In den alten Filmen ließen sie den Zuschauer eher schmunzeln. In den neuen Filmen scheinen die Vergeltungstaktiken der Bush-Ära durch. Die Klischees geben dem Zuschauer ein Gefühl von Unbehagen." Warum Metivier den Begriff Serienkiller dennoch unpassend findet, und warum er findet, dass die Bond-Filme immer mehr an Komplexität verlieren, darüber wird er in Saarbrücken sprechen. (AP/red)

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    Trotz diverser Nachfolger immer noch die Bond-Ikone schlechthin: Mit Sean Connery begann der filmische Mythos.

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