Europas Bildung soll näher zusammenrücken

3. Juni 2009, 15:27
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EU-Abgeordneter Karas will mehr Geld für Mobilitätsprogramme - Bildungsexperte Salcher hofft auf "Elite-Lehrer-Universität"

4000 Universitäten, 17 Millionen Studierende und 1,5 Millionen Lehrende. Kein Land der Welt kann dieses Ausmaß an Bildungspotenzial sein eigen nennen, dafür die 27 EU-Mitgliedsländern gemeinsam.

Um diese Ressourcen noch besser nutzen zu können und dem Bildungsbereich innerhalb der EU mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, möchte EU-Abgeordneter Othmar Karas (EVP-DE) die Handlungsmöglichkeiten auf europäischer Ebene ausweiten. "Die EU hat derzeit eindeutig zu wenig Kompetenzen im Bildungsbereich", sagt Karas. Gemeinsam mit dem Autor Andreas Salcher ("Der talentierte Schüler und seine Feinde") stellte er seine Ideen und Anliegen vor.

So soll es in Zukunft mehr Geld für die Mobilitätsprogramme (z.B.: ERASMUS) geben. Daneben sollen EU-weite Standards in den Bildungseinrichtungen etabliert werden. Eine Möglichkeit dies zu verwirklichen, könnte laut Salcher und Karas eine EU-weite Ausbildungsinstiution für Lehrer sein - eine "Elite-Lehrer-Universität", wie Salcher sie nennt. Eigene Qualifikationsmaßnahmen für Schul-Direktoren auf EU-Ebene können sich Karas und Salcher ebenfalls vorstellen.

"Politischer Umsetzungswille fehlt"

Salcher berichtet von einem österreichischen Lehrer, der nun an einer öffentlichen Schule in Oxford unterrichtet. Um Schuldirektor werden zu können, mache dieser nun einen MBA. "In Österreich würde ihm dieser zusätzliche Abschluss bei dem Vorhaben, Direktor zu werden, nichts bringen. Es ist schade, wenn wir solche qualifizierten Leute aufgrund der unterschiedlichen Standards verlieren."

Die Probleme im Bildungsbereich seien teilweise auf europäischer und  österreichischer Ebene dieselben, meint Salcher: "Die Experten sind sich quer über alle Lager einig über das, was getan werden muss. Es fehlt lediglich der politische Umsetzungswille." Ein Problem sei, dass das Qualitätsniveau an den Schulen sehr stark auseinanderklaffe. Für die gefährdeten Gruppen, wie etwa Schulabbrecher würde am wenigsten Geld aufgewendet werden. Dass die westlichen Industrienationen einen Bildungsvorsprung und dadurch Wettbewerbsvorteil hätten, sei mittlerweile ein Irrtum: "Auch in den Billiglohnländern gibt es viele Arbeitskräfte mit hoher Qualifikation." Die Länder, die in Studien das beste Bildungssystem hätten, würden sich von den anderen nicht etwa durch größere finanzielle Ausgaben unterscheiden, sondern dadurch, dass "die besten Schüler dazu motiviert werden später als Lehrer zu arbeiten."

Output statt Input messen

"In der EU müsste die Output-Messung in der Bildung verbessert werden. Derzeit wird vor allem der Input kontrolliert. In den USA ist das anders: hier gibt es Schul-Rankings, die - gemessen an den Ressourcen - zeigen, wie gut eine Schule ist." Für Österreich und die EU seien ähnliche Mess-Instrumente erstrebenswert - wenngleich man bei der Vergleichbarkeit der einzelnen Schulen aufpassen müsse. "Eine Hauptschule in Wien kann man natürlich nicht mit einer Hauptschule am Land vergleichen", sagt Salcher. Dass die PISA-Studie kein EU-Projekt, sondern ein OECD-Projekt sei, müsse Anreiz genug sein, hier auf EU-Ebene ähnliches zu etablieren, befand er. (edt/derStandard.at, 3.6.2009)

  • Eine "Europäisierung statt Nationalisierung" wünschen sich EU-Abgeordneter Karas und Autor Andreas Salcher bei Bildungsthemen.
    foto: zvg

    Eine "Europäisierung statt Nationalisierung" wünschen sich EU-Abgeordneter Karas und Autor Andreas Salcher bei Bildungsthemen.

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