Inländer kauften, Ausländer verkauften

3. Juni 2009, 13:32
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Wertpapierbesitzer brauchten eine dicke Haut. Ob es sich um eine Redimensionierung auf tieferem Niveau oder um eine Wachstumspause handelt, werden die nächsten Monate zeigen

Wien - Nach den sehr kräftigen Kursrückgängen der vergangenen sieben Quartale (bis März dieses Jahres), sind die ohnehin vorsichtigen Notenbanker in ihren Prognosen noch vorsichtiger geworden: "Wir geben keinen Ausblick" , sagt Aurel Schubert, Chef-Statistiker in der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) - Nachsatz: "Sonst würden wir nicht hier sitzen." Die kommenden Monate würden zeigen, ob es sich bei den Kursrückgängen um eine Redimensionierung gehandelt hat oder lediglich um eine Wachstumspause, so Schubert.

Die Entwicklung der Finanzmärkte war zuletzt schon dramatisch: Nach jahrelangem Wachstum (seit 2001) ging die Marktkapitalisierung der heimischen börsennotierten Gesellschaften im Vorjahr dramatisch um 64 Prozent auf 60 Milliarden Euro zurück und fiel damit unter den Wert des Jahres 2004. Hauptverantwortlich dafür waren die Kurseinbrüche nach den extremen Kursgewinnen der Vorjahre. Dazu kamen Börsenabgänge von Bank Austria und Böhler. Abgesehen von der Vienna Insurance Group (vormals Wiener Städtische) gab es auch keine nennenswerten großen Börsengänge, analysierte Schubert am Mittwoch vor Journalisten.

Entwicklung bei Immobilien-AGs

Einprägsam auch die Entwicklung der börsenotierten Immobilien-AGs: Ende 2006 hatten diese noch einen Börsenwert von 18,5 Milliarden Euro. Ende des Vorjahres waren es nur mehr lediglich 1,7 Mrd. Euro. Ein Rückgang um 90 Prozent. Zum Vergleich: Im Euroraum ging der Marktwert der börsennotierten Aktiengesellschaften im Vorjahr um 46 Prozent zurück.

Die Inländer ließen sich aber offenbar von den massiven Kursverlusten nicht abschrecken und kauften speziell im vierten Quartal 2008 um rund eine Milliarde Euro zu. Ausländer waren mehr auf der Verkäuferseite. Sie trennten sich von Aktienbeständen im Volumen von 2,5 Mrd. Euro. Diese Entwicklung setzte sich im ersten Quartal 2009 fort. Ausländische Investoren verkauften, Inländer kauften.

"Die inländischen privaten Haushalte haben sich in den letzten schwierigen Quartalen als bedeutende Schnäppchenjäger börsennotierter Aktien von heimischen Emittenten erwiesen" , betonte OeNB-Statistiker Schubert. Dieser Trend hielt auch im ersten Quartal 2009 an und dürfte sich auch bezahlt machen, denn seit den Tiefstständen im März (ATX mit 1412 Punkten) hat sich der Wiener Leitindex ATX bereits wieder um rund 50 Prozent erholt.

Bundesschatzscheine

Im vierten Quartal boomte aber auch der "sichere Hafen" bundesschatz.at, die Einlagen verdoppelten sich von einer auf zwei Milliarden Euro. In den ersten Monaten 2009 - speziell im April - zogen einige Anleger allerdings in Summe wieder 300 Millionen Euro ab.

In Summe hat die Finanzkrise laut OeNB seit Mitte 2007 bis März 2009 den Marktwert der umlaufenden Wertpapiere - Anleihen, Aktien, Investmentfonds und Geldmarktpapiere - um 126 Milliarden Euro oder 16 Prozent auf 667 Milliarden Euro verringert. Das Volumen hatte sich in den letzten 8,5 Jahren verdoppelt.

Die relative Bedeutung des Wertpapiermarktes ging wieder zurück, der Anteil an den Gesamtverbindlichkeiten fiel von 35 auf 29 Prozent. Investmentfondsgesellschaften mussten weit mehr Anteile zurücknehmen als sie ausgeben konnten. (cr, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.6.2009)

 

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