"Würde nicht zu Red Bull Rapid gehen"

3. Juni 2009, 13:49
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Dietmar Hoscher von Ligasponsor tipp3 fand bei der Club2x11-Diskussion auf der Suche nach dem "idealen Fan" klare Worte

Wien - Ultras, Kutten, Sitzplatzdrücker. Das Spektrum des gemeinen Fußball-Fans ist ausschweifend und das Attribut "ideal" eine Standpunkt-Frage. Stimmgewaltig steht im Anforderungsprofil der meisten Vereine an ihre Fans sehr weit oben, Hingabe und Leidenschaft dürfen nicht fehlen, Gewaltbereitschaft hingegen wird als fremdartiger Störfaktor registriert - die Bekämpfung des Problems unterschiedlich gehandhabt: Der Interventionskatalog reicht dabei von Stadionverboten über Polizeiaufgebote bis Fanarbeit. Auch der Faktor Konsum stellt trotz aller Anti-Kommerz-Bemühungen bei sämtlichen Vereinen eine Frage des Überlebens dar.

"Austria auf der Überholspur"

"Ich muss jetzt erstmal mein Leben um den neuen Spielplan gestalten", stellt Jennifer Töpperwein, Ultra von Drittliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf fest. Sie lebt als Fan sieben Tage die Woche für ihren Verein, "Abseits der Spiele müssen Choreos vorbereitet, die Spiele rückblickend besprochen und Internet-Foren betreut werden. Es ist eine Subkultur, die täglich gelebt wird", so Töpperwein.

"Den idealen Fan gibt es nicht, wie es auch nicht den idealen Menschen gibt", erklärt Austria-Fanbetreuer Martin Schwarzlantner, "Wir haben eine Vielfalt auf den Tribünen, die vom Vorsänger bis zum spontanen englischen Supporter reicht." Auch beim Stadtrivalen tut sich Klubservice-Leiter Andy Marek schwer ein Ideal-Bild zu beschreiben: "Für mich ist nicht derjenige, der das meiste Geld beim Verein lässt automatisch ideal. Es ist ein Geben und Nehmen zwischen Verein und Fans." Bei der Wiener Austria gäbe es nach dem Ausstieg Frank Stronachs und der Auflösung des Betriebesführervertrags mit Magna wieder mehr Möglichkeiten für den eigenen Anhang etwas zu tun. Die neue Osttribüne im Horr-Stadion, verfügt neben Pub, Fanshop und Museum auch über ein Fanzentrum und damit „eine tägliche Ansprechstelle für Fananliegen", so Fußball-Sozialarbeiter Schwarzlantner.
"Die Austria ist derzeit, was Fan-Anliegen betrifft, auf der Überholspur, weil sie Geld bekommen hat. Auf das neue Museum sind wir schon neidisch, aber in eineinhalb Jahren haben wir auch eines", sagt Rapid-Klubservice-Leiter Marek.

"Würde nicht zu Red Bull Rapid gehen"

"Wir sind der Verein", so Töpperwein über Fortuna Düsseldorf, "Nicht irgendwelche Spieler, Trainer und schon gar nicht Sponsoren." Die Fans des Zweitligisten sprechen bei ihrem Klub mit, so haben sie es geschafft, dass eine Namensänderung laut Vereinsstatuten nur mehr per 4/5-Mehrheit vollzogen werden kann. „Dort würde ich auch nicht mehr hingehen, das wäre nicht mehr mein Verein", sagt Töpperwein über Namensänderungen. In Innsbruck fochten die Fans einen zähen Streit um den Klubnamen aus. Das Ergebnis war ein Mitgliederverein, bei welchem die Fans "Mitbestimmung bis tief in die Vereinswurzeln hinein haben", erklärt Martin Weberberger von der Innsbrucker Faninitiative und Vorstandsmitglied des FC Wacker.

"Ich verstehe Fans, die in ihrem Klubnamen keinen Sponsor sehen wollen", sagt Dietmar Hoscher, Vorstandsvorsitzender bei Ligasponsor tipp3. Sponsoring mache nur Sinn, wenn die Stadien voll, die Stimmung und die Atmosphäre gut seien. Gegen Fans etwas durchzusetzen sei hingegen widersinnig. "Ich denke ein Sponsoring wie das Salzburg-Projekt, ist bisher immer schief gegangen. Ich würde als Fan auch nicht zu Red Bull Rapid gehen", so Hoscher.

"Ohne Sponsoren geht's aber auch nicht", glaubt Marek zu wissen, "Nur mir dreht es regelmäßig den Magen um, wenn ich in Stadien komme, wo jeder Corner, Einwurf und Abstoß gesponsert wird." Für den Innsbrucker Weberberger dürfen sich die Vereine nicht zu billig verkaufen: "Die Sponsoren schenken den Vereinen ja kein Geld, sie bekommen gute Gegenleistungen dafür." Eine österreichische Eigenheit ist das geringe Fernsehgeld, dass im Vergleich mit anderen Ligen eher bescheiden ausfällt. "Die TV-Gelder sind bei uns nur Heidelbeeren. Wir brauchen Sponsoren, müssen aber darauf achten, dass wir nicht dort landen, wo Red Bull jetzt ist", so Marek. (sh, deStandard.at, 2. Juni 2009)

  • Jennifer Töpperwein von den Ultras Düsseldorf: "Wir sind der Verein".
    foto: ballesterer fm
    Foto: Ballesterer/Bernhard Stadlbauer

    Jennifer Töpperwein von den Ultras Düsseldorf: "Wir sind der Verein".

  • Martin Weberberger, Vorstand der Innsbrucker Faninitiative und Vorstandsmitglied des FC Wacker gab Einblicke in den Innsbrucker Mitgliederverein.
    foto: ballesterer fm
    Foto: Ballesterer/Bernhard Stadlbauer

    Martin Weberberger, Vorstand der Innsbrucker Faninitiative und Vorstandsmitglied des FC Wacker gab Einblicke in den Innsbrucker Mitgliederverein.

  • Rapids Klubservice-Leiter Andy Marek: "Wir müssen darauf achten, dass wir nicht dort landen, wo Red Bull jetzt ist"
    foto: ballesterer fm
    Foto: Ballesterer/Bernhard Stadlbauer

    Rapids Klubservice-Leiter Andy Marek: "Wir müssen darauf achten, dass wir nicht dort landen, wo Red Bull jetzt ist"

  • Dietmar Hoscher, Vorstand Casinos Austria und Vorstandsvorsitzender tipp3, in Mitten von Martin Schwarzlantner, Fanbetreuer Austria Wien (links) und Reinhard Krennhuber, Chefredakteur des Ballesterer fm und Moderator der Diskussion.
    foto: ballesterer fm
    Foto: Ballesterer/Bernhard Stadlbauer

    Dietmar Hoscher, Vorstand Casinos Austria und Vorstandsvorsitzender tipp3, in Mitten von Martin Schwarzlantner, Fanbetreuer Austria Wien (links) und Reinhard Krennhuber, Chefredakteur des Ballesterer fm und Moderator der Diskussion.

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