Neue ÖGB-Frauenchefin heißt Brigitte Ruprecht

3. Juni 2009, 16:42
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Einkommensschere und "verteufelte Teilzeit": GewerkschafterInnen suchen neue Antworten für altes Dilemma

Wien - Brigitte Ruprecht von der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG) ist am Mittwoch zur neuen Frauenchefin des ÖGB gewählt worden. Bei der Wahl im Rahmen des ÖGB-Bundesfrauenkongresses in Wien erhielt sie 81,68 Prozent der Stimmen, hieß es in einer Aussendung. Die bisherige oberösterreichische Landesfrauensekretärin löst damit Renate Csörgits an der Spitze der ÖGB-Frauen ab.

Zu Ruprechts Stellvertreterinnen wurden Renate Anderl (Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung), Ilse Fetik (gpa-djp), Monika Gabriel (GÖD), Christa Hörmann (Gewerkschaft der Gemeindebediensteten), Verena Mayr-Wiesner (Postgewerkschaft) und Elisabeth Vondrasek (vida) gewählt. 

Nationaler Aktionsplan bis Ende 2009

Neben der Wahl standen beim Kongress das Thema Gleichstellung von Frauen am Arbeitsmarkt am Programm. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek pochte auf den Nationalen Aktionsplan, der "nicht nur Papier bleiben" dürfe. Der Maßnahmenkatalog, der bis Ende des Jahres ausgearbeitet wird, sehe unter anderem mehr Frauen in Führungspositionen und den Schwerpunkt Bildung vor. Um Gleichstellung am Arbeitsmarkt zu erreichen, müssten "starre, veraltete Rollenbilder durchbrochen werden - sowohl in den Familien, als auch in den Bildungsanstalten", so Heinisch-Hosek. Man müsse die Jugend auf die "großen Chancen" in technischen Berufen aufmerksam machen. Ein weiteres Ziel sei es, mehr Frauen in die Vollzeitbeschäftigung zu bringen.

ÖGB-Präsident Erich Foglar betonte in seiner Rede, dass es in Sachen Gleichstellung "noch genug zu tun" gebe. Er versprach auch, man werde beim ÖGB-Bundeskongress, der vom 30. Juni bis 2. Juli in Wien stattfindet, "das Verhältnis im ÖGB-Vorstand zugunsten der Frauen noch verbessern".

Familienstaatssekretärin Christine Marek kritisierte, dass es noch immer zu wenige Frauen in der Wirtschaft gebe. Auch der ÖGB habe in Zusammenhang mit Frauen in Führungspositionen "durchaus Nachholbedarf". 

Gesucht: Neue Antworten

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer thematisierte in ihrer Rede vor allem auf die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen ein. Diese sei "vollkommen inakzeptabel". Die Erklärung sei laut Prammer einfach: "Diese verteufelte Teilzeit". "Darauf brauchen wir andere Antworten als bisher. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie darf kein Schlagwort sein, Frauen müssen auch mit Kindern und auch mit kleinen Kindern Vollzeit arbeiten können." Um die Einkommensschere effizient zu schließen, müsse erkannt werden, dass Teilzeitarbeit für Frauen das "Raus aus dem erlerntem Beruf und rein in schlechter bezahlte Arbeit" sei - "darauf brauchen neue Antworten."

Keine echte Wahlfreiheit

Tumpel kritisierte das Fehlen von "echter Wahlfreiheit für Männer und Frauen, ob sie Teilzeit arbeiten wollen oder nicht."Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel übte ebenfalls Kritik an der Gehaltsschere und forderte entsprechende Maßnahmen. Neben Teilzeitarbeit seien auch die Bildungsmöglichkeiten und die Berufswahl Schuld an bestehenden Einkommensunterschieden. "Wir brauchen Maßnahmen für eine gerechtere Gesellschaft für Frauen und Männer, und brauchen daher den Mut, uns mit scheinbar unverrückbaren gesellschaftlichen Gegebenheiten immer wieder auseinander zu setzen und zum Programm und Thema zu machen." (APA/red)

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