In Hochsicherheits-Gefängnis Stein verlegt

3. Juni 2009, 12:35
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74-Jähriger will sofort zu arbeiten beginnen und seine Therapie antreten

Wien - Josef F. wird seine lebenslange Haft in der Vollzugsanstalt Stein verbringen. Karl Drexler, der Leiter der Vollzugsdirektion gab die entscheidung  bekannt. Der 74-Jährige wurde heute am Mittwoch bereits in die in Krems an der Donau gelegene Vollzugsanstalt Stein verlegt.

Die Verlegung von Josef F. von der Justizanstalt Wien-Mittersteig in die Vollzugsanstalt Stein, wo der im Inzest-Fall von Amstetten zu lebenslanger Haft verurteilte Täter seine Strafe verbüßen wird, ist äußerst kurzfristig abgewickelt worden. Der 74-Jährige selbst hat erst am Mittwoch nach dem Frühstück von seiner Überstellung erfahren. Diese ist völlig unproblematisch verlaufen. Seit einigen Stunden sitzt Josef F. nun in einer Einzelzelle und will in Stein möglichst bald zu arbeiten beginnen.

"Es ist auch wichtig, dass er eine Perspektive findet"

"Er macht einen gesunden, kooperativen, zukunftsorientierten Eindruck", berichtete Anstaltsleiter Christian Timm nach einem ersten längeren Gespräch mit Josef F. am Mittwochnachmittag. Gebrochen wirke der Mann nicht: "Es ist auch wichtig, dass er eine Perspektive findet."

Die medizinische Erstuntersuchung ergab bei Josef F. keine Hinweise auf körperliche Beschwerden. Mit dem Häftling wurden auch erste psychologische Tests durchgeführt. "Es fanden sich keine Anzeichen auf suizidale Tendenzen", erklärte Timm. Daher sei auch seinem Wunsch auf Unterbringung in einem Einzelhaftraum entsprochen worden.

Case-Manager

Der 74-Jährige bekam auch schon einen sogenannten Case-Manager - einen psychologisch geschulten Anstalts-Mitarbeiter - zugeteilt, der ihn zukünftig persönlich betreuen wird. "Herr F. hat konkrete Vorstellungen, was seine Zukunft betrifft. Er möchte arbeiten und sich integrieren. Für extreme körperliche Arbeiten wird man ihn nicht heranziehen können. Er selbst hat gesagt, schwere körperliche Arbeit geht nicht mehr. Aber in unseren 28 Werkstätten wird sich schon eine Möglichkeit finden", erklärte Timm.

Josef F. möchte sich auch einer Therapie gegen seine von einer Gerichtspsychiaterin festgestellten Persönlichkeitsstörung unterziehen. Den genauen Vollzugs- und Behandlungsplan wird eine anstaltsinterne Expertenkommission erarbeiten, die sich aus leitenden Justizwachebeamten, Sozialarbeitern und einem Psychologen bzw. Psychiater zusammensetzt.

Krankenabteilung hat Rolle gespielt

"In Stein gibt es eine eigene Krankenabteilung, was bei seinem Alter eine Rolle gespielt hat", so Drexler. Zusätzlich entspreche das Sicherheitskonzept in Stein eher der theoretischen Gefahr des Häftlings als jenes in der Vollzugsanstalt Garsten, die Josef F. bevorzugt hätte, weil sie näher an seinem Heimatsort Amstetten liegt. Zwar gebe es keine konkreten Hinweise, dass Mithäftlinge dem Mann Böses antun wollten, "aber es ist ja auch draußen bekannt, dass Sittlichkeitsverbrecher bei Mitinsassen auf eine gewisse Ablehnung stoßen", so der Vollzugsdirektor. Auch das sei bei der Entscheidung für Stein "präventiv mitbedacht" worden.

Feststeht auf jeden Fall, dass der 74-Jährige in der sogenannten Maßnahmeabteilung untergebracht wird. Die Abteilung ist auf maximal 44 Gefangene ausgerichtet, die als zurechnungsfähig gelten, aber gleichzeitig geistig abnormes Verhalten an den Tag gelegt haben.  Josef F. wurde eine solche  Persönlichkeitsstörung attestiert.

Das Gefängnis in Krems an der Donau ist die größte Strafvollzugsanstalt des Landes. In Stein sind ausschließlich Männer mit einer Haftdauer von 18 Monaten bis lebenslang untergebracht. Die Anstalt bietet Raum für 805 Insassen. (APA)

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