"Signifikante Fehler" bei Luftangriffen

3. Juni 2009, 19:56
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Zivile Opfer wären zu vermeiden gewesen, wenn sich die Streitkräfte an die geltenden Regeln gehalten hätten

Washington  - Der künftige Kommandant der US- und NATO- Truppen in Afghanistan, Generalleutnant Stanley McChrystal, will mit einer neuen Strategie Zivilisten am Hindukusch besser vor den Kampfhandlungen schützen. Jedoch werde es zunächst mehr Gewalt und harte Kämpfe geben, je weiter US-Soldaten in Taliban-Gebiete vordringen, zitierte die "Washington Post" am Mittwoch McChrystal vor dem Streitkräfteausschuss des US-Senats.

Ziel seiner neuen "ganzheitlichen" Strategie sei es, das Leben von Zivilisten besser zu schützen. Dazu fasse er "extreme Schritte" ins Auge. Die Rettung afghanischer Zivilisten habe Vorrang vor dem Töten von Aufständischen, sagte McChrystal den Angaben zufolge. Die Zivilbevölkerung solle nur dann Risiken ausgesetzt werden, wenn es darum gehe, das Leben amerikanischer Soldaten zu retten.

Bei einer militärischen Untersuchung hat sich der "New York Times" zufolge herausgestellt, dass bei Luftangriffen in Afghanistan am 4. Mai mit Dutzenden toten Zivilisten als Folge "bedeutende Fehler" gemacht wurden. Die Zahl der zivilen Opfer wäre wahrscheinlich geringer gewesen, wenn amerikanische Flugbesatzungen und Streitkräfte am Boden den strikten Regeln zur Vermeidung eines solchen Blutvergießens gefolgt wären, zitierte die Zeitung am Mittwoch einen hochrangigen US-Militärvertreter mit Kenntnis der Untersuchungsergebnisse.

Demnach wären zumindest einige der Angriffsflüge auf mehrere Ziele in einem Zeitraum von sieben Stunden abgeblasen worden, hätte das betreffende Personal die Vorgaben befolgt. So sei beispielsweise einer Flugzeug-Besatzung grünes Licht für eine Attacke gegen Taliban-Kämpfer gegeben worden. Dann habe die Maschine aber erst einmal in der Luft kreisen müssen und sich die Crew vor dem Bombenabwurf nicht hinsichtlich des Zieles rückversichert.

McChrystal, ein Experte für Spezialoperationen, soll nach dem Willen von US-Präsident Barack Obama dem glücklosen Kommandanten David McKiernan als Chef der internationalen Schutztruppe ISAF nachfolgen. Er werde die Militäroperation in Afghanistan erst als Erfolg betrachten, wenn die Terrororganisation Al Kaida aus Afghanistan und Pakistan "komplett eliminiert ist", betonte der Generalleutnant in der Senatsanhörung.

Allerdings werde der Erfolg nicht an der Zahl der getöteten Feinde gemessen, sondern daran, wie viele Zivilisten vor Gewalt geschützt werden konnten. Um dieses Ziel zu erreichen, werde er alle Einsatzregeln überprüfen, Luftangriffe begrenzen und verstärkt kleine Kampfeinheiten am Boden einsetzen. (APA/dpa)

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    Afghanischer Bub vor den Überresten seines Wohnhauses

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