Magna steigt bei Opel aufs Gas

3. Juni 2009, 19:09
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Betriebsrat erwartet 100-Millionen-Euro-Bürgschaft aus Wien

Rüsselsheim/Wien - Opel-Betriebsratschef Klaus Franz sagt, es gebe von jenen Ländern, in denen heute Opel-Werke stehen, Zusagen für Bürgschaftsübernahmen für den deutschen Autohersteller, der vom Zulieferkonzern Magna und von der russischen Sberbank mehrheitlich übernommen werden soll. Neben der Region Flandern und Spanien gebe es auch aus Österreich ein Okay. Wien werde, zitiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung den obersten Belegschaftsvertreter Opels, "einen Beitrag in Höhe von 100 Millionen Euro leisten". Insgesamt wird Opel Kreditbürgschaften im Gegenwert von 4,5 Milliarden Euro brauchen, 1,4 Milliarden sollten nicht aus Deutschland (wo die Zentrale und die meisten Opel-Werke stehen) stammen.

"Es gibt keine Zusage", dementiert Harald Waiglein, Sprecher des österreichischen Finanzministers, auf Anfrage. Wie berichtet, kann sich Finanzminister Josef Pröll vorstellen, dass auf Basis des (voraussichtlich ab Juli geltenden) "Unternehmensliquiditätsstärkungsgesetzes" bis zu 300 Millionen Euro von der Kontrollbank garantiert werden könnten. Dass es vor Inkrafttreten des Gesetzes bereits Vorgespräche mit dem voraussichtlichen Neo-Opel-Kontrollor Magna gegeben habe, wird bestritten. Laut Standard-Informationen hat aber dieser Tage ein Treffen zwischen Magna-Co-CEO Siegfried Wolf und Pröll stattgefunden.

Wolf steigt bei der Opel-Übernahme aufs Gas. Er will in den nächsten vier bis fünf Wochen bereits seine Unterschrift unter den Kaufvertrag setzen. Mit einem Abschluss sei bis spätestens Ende September zu rechnen. Geleitet werden soll die Umstrukturierung zum neuen Opel-Unternehmen vom bisherigen GM-Europa-Chef, Carl-Peter Forster.

Magna-Chairman Frank Stronach sagte, er rechne damit, dass Opel in vier Jahren wieder in den schwarzen Zahlen sei. Er bestätigte auch, dass es Opel laut einer Vereinbarung mit GM untersagt sei, in den USA und in China Autos zu vertreiben.

Wolf hat den Opel-Beschäftigten am Mittwoch auf dem hessischen Stammsitz die Übernahmepläne vorgestellt. Der kanadische Zulieferer will mit Sberbank und dem Autohersteller GAS sowie den Mitarbeitern und Händlern die Mehrheit übernehmen. General Motors, von 1929 bis 2009 Eigner, soll einen Anteil behalten. Mit Magna gibt es bisher lediglich einen Vorvertrag; sollte der Deal scheitern, scheinen Fiat sowie der chinesische Autobauer BAIC bereit für weitere Verhandlungen zu sein, heißt es in Berlin. Bis zum endgültigen Closing will sich Opel mit einem staatlich verbürgten Überbrückungskredit von 1,5 Mrd. Euro über Wasser halten.

Chinesischer Hummer 

GM könnte den Geländewagenhersteller Hummer an das chinesische Unternehmen Sichuan Tengzhong Heavy Industrial Machinery verkaufen. Für die schwedische GM-Marke Saab gelten der Ängelholmer Sportwagenbauer Koenigsegg und die Renco Group des US-Investors Ira Rennert als Favoriten. (szem, Reuters, dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.6.2009)

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