Erdrutschsieg der linken Opposition in Grönland

3. Juni 2009, 17:46
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Die seit 30 Jahren regierenden Sozialisten musste Wahlschlappe hinnehmen - Wechsel könnte schneller in die Unabhängigkeit führen

Nuuk/Helsinki - Die seit Beginn der Autonomie von Dänemark vor 30 Jahren währende Dominanz der sozialdemokratischen Siumut-Partei wurde in Grönland am Dienstag beendet. Umfragen hatten den erdrutschartigen Sieg der linksorientierten Inuit Ataqatigiit (IA) bereits vorausgesagt. Die IA konnte ihren Stimmenanteil im Vergleich zu 2005 von 22 auf knapp 44 Prozent der Stimmen verdoppeln und erreichte mit 14 von 31 Sitzen im Autonomieparlament (Landsting) beinahe die absolute Mehrheit.

Vermutlich wird die in ihren Anfängen kommunistische Partei unter ihrem Chef Kuupik Kleist (51) Grönland mit Hilfe einer kleineren Partei bereits regieren, wenn in etwas mehr als zwei Wochen Königin Margrethe II. von Dänemark ihre ehemalige Kolonie in die zweite, erweiterte Phase der Autonomie entlässt. Nach dem neuen Statut erhält Grönland die weitgehende Kontrolle über seine Bodenschätze. Im Gegenzug werden die Hilfszahlungen aus Kopenhagen, die die Wirtschaft bisher gestützt haben, stufenweise verringert.

Skandale und Missstände

Wahlsieger und IA-Vorsitzender Kleist will keinesfalls mit den geschlagenen Sozialdemokraten regieren. Der bisherige Ministerpräsident Hans Enoksen erklärte sich zum Rücktritt bereit. Die Sozialdemokraten fielen von 30,4 auf 26,5 Prozent zurück und sind mit acht Sitzen nur noch die zweitgrößte Partei im Landsting. Als Gründe für den Machtwechsel gelten die zuletzt gehäuften Skandale von Siumut-Politikern sowie die anhaltenden Missstände im Sozialwesen Grönlands.

Ende November vergangenen Jahres hatten die 40.000 Wahlberechtigten der knapp 57.000 Einwohner der Polarinsel für die neue, erweiterte Autonomieregelung gestimmt. Die IA sieht sich stärker als andere Parteien als Vertreterin der mehrheitlichen Urbevölkerung, den früher als Eskimos bezeichneten Inuit. Die Partei tritt auch für eine vollständige Souveränität Grönlands ein. Die Unabhängigkeit von Dänemark ist im neuen Statut zumindest theoretisch bereits programmiert. Der Wahlsieg der Linken könnte nun die Bestrebungen Grönlands, ein vollkommen unabhängiger Staat zu werden, beschleunigen. (APA, red/DER STANDARD, Printausgabe, 4.6.2009)

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    Der Wahlsieger Kuupik Kleist, Chef der linken Partei Inuit Ataqatigii, bedankt sich bei seinen Wählern.

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