Der Life Ball des 19. Jahrhunderts

2. Juni 2009, 19:59
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Ex-Dancingstar Barbara Rett wird beim Concordiaball am 5. Juni das Kommando "Alles Walzer" geben lassen

Wer heute mit einem Ball echtes Aufsehen erregen will, hat es schwer - zumindest während der Ballsaison. Denn aus all den Wiener Traditionsbällen stechen in Wirklichkeit nur drei heraus: Der Opernball hat Richard Lugner. Der Jägerball Gutsherren, Landesjäger und jungen Adel - und der Philharmonikerball echte Klasse. Der Rest ist Liebhaberei oder lebt vom persönlichen Bezug zum Motto.

Wer da aus der Reihe tanzen will, tut gut daran, sich anders zu positionieren. Zeitlich etwa. Deshalb wird Ex-Dancingstar Barbara Rett beim traditionsreichen Concordiaball beinahe schon im Sommer - am 5. Juni nämlich - das Kommando "Alles Walzer" geben lassen.

Das hat aber noch weitere Vorteile: Zum einen erspart man sich die Angst vor Schnee- matschrändern am Ballkleid. Zum anderen muss man nicht den ganzen Abend in stickigen Sälen rotieren - sondern kann auch im Freien (im Arkadenhof des Wiener Rathauses) tanzen. Wie am Life Ball, jedoch im "großen" Abendkleid oder im Frack.

Den Life-Ball-Vergleich bringen die Veranstalter selbst gern ins Spiel: Der Ball, sagen sie, habe zu seiner Gründungszeit durchaus jenen Ruf genossen, den die wilde Rathausparty heute hat. Denn vor 150 Jahren, als der Presseclub Concordia gegründet wurde, hatte vieles, was heute als "Tradition" oder "Hochkultur" gilt, noch Schockpotenzial. Auch wenn man das heute vergessen hat. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD - Printausgabe, 3. Juni 2009)

  • Moderiert den Presse-Ball: ORF-Tänzerin Rett.
    foto: concordia

    Moderiert den Presse-Ball: ORF-Tänzerin Rett.

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