Audiobotschaft von Bin Laden anlässlich Obamas Nahost-Reise

3. Juni 2009, 17:15
58 Postings

Al Jazeera strahlte Tonaufnahme aus - US-Präsident reist nach Saudi-Arabien und Ägypten

Dubai - Mit dem Beginn der Nahost-Reise von US-Präsident Barack Obama meldet sich der islamische Extremistenführer Osama bin Laden in einer Botschaft zu Wort. Der arabische Nachrichtensender Al Jazeera strahlte am Mittwoch eine Tonaufnahme, in der angeblich Bin Laden die Politik des US-Präsidenten gegenüber der islamischen Welt kritisiert und damit droht, die Amerikaner sollten sich darauf vorbereiten, die Konsequenzen der Politik des Weißen Hauses zu tragen.

Obama und seine Regierung hätten "die Samen für Hass und Rache gegen Amerika gesät" und die Politik von Bush fortgeführt, hieß es darin. Die Amerikaner müssten sich darauf einstellen, die Konsequenzen dafür zu tragen. Ob die Audiobotschaft tatsächlich authentisch ist, müssten amerikanische Experten noch bestätigen, meldete der US-Fernsehsender CNN.

*****

Hussein Onyango Obama - dieser Name dürfte diese Woche noch eine Rolle spielen. Sein Enkel, Barack Hussein Obama, seit Januar US-Präsident, fliegt in den Nahen Osten. Heute, Mittwoch, ist er in Riad gelandet, Donnerstag ist eine große Rede in Kairo geplant, eine philosophische Rede, gerichtet an die islamische Welt. Zwar weiß es kein Außenstehender genau, weil das Weiße Haus den Inhalt der Ansprache hütet wie ein Staatsgeheimnis, aber es gilt doch als sicher, dass der Opa aus Kenia darin vorkommen wird, und zwar prominent.

Dass dieser sich zum Islam bekannte, passt seinem Enkel gut ins Konzept. Vielleicht hilft es ein wenig, um den Muslimen der Welt das Signal zu geben, dass da kein amerikanischer Präsident anreist, der sie nicht versteht - sondern, in gewissem Sinne, einer von ihnen.

Es gehe darum, eine neue Beziehung zu knüpfen, deuten Obamas Spindoktoren den großen Auftritt am Nil. In der Ära George W. Bushs hat es sich die islamische Welt angewöhnt, die Supermacht vor allem zynisch zu sehen, geführt von Politikern, die sich erst gar nicht die Mühe machen, einen fremden Kulturkreis zu verstehen. Obama will das ändern, er möchte Misstrauen abbauen, Türen öffnen.

Das Thema Annäherung, wie ein roter Faden zieht es sich durch die ersten Monate der Präsidentschaft. Es begann im Januar, als Mister President keiner US-TV-Station das erste Interview nach seinem Amtseid gab, sondern Al-Arabija, einem arabischen Sender. Im März setzte es sich fort, als er das iranische Volk in einer feinfühligen Botschaft zum Neujahrsfest Nowruz beglückwünschte. Kairo soll den vorläufigen Höhepunkt der Charmeoffensive markieren.

Seit Wochen kursiert das Gerücht, nach dem Obama seinen Nahostplan fertig in der Schublade liegen hat und die große ägyptische Bühne nutzt, um ihn vorzutragen. Sein Publicity-Team will nichts davon wissen. Für einen Plan, stapelt es tief, sei es zu früh, erst müsse der Boden bereitet werden. Doch schon die Ortswahl ist ein Signal. Indem Obama dem Ägypten Hosni Mubaraks die Ehre erweist, stellt er klar, dass er die Dinge doch deutlich anders sieht als sein Amtsvorgänger.

Bush hatte eine Zeit lang gehofft, ein im Irakkrieg entfachtes "Lauffeuer der Demokratie" werde die Potentaten des Orients hinwegfegen und den Rest zu einem Kinderspiel machen. Damit war durchaus auch Mubarak gemeint, ein Alleinherrscher, wenn auch kein so tyrannischer wie Saddam Hussein. Schon Bush hatte einsehen müssen, dass seine Agenda auf Wunschträumen basierte. Obama legt sie endgültig ad acta.

"Ich hoffe, der Präsident fordert die muslimischen Gesellschaften auch dazu auf, nach innen zu schauen" , mahnt David Makows-ky, Nahostexperte am Institute for Near East Policy in Washington. Zu oft entschuldigten arabische Herrscher das Fehlen politischer Reformen mit den Zwängen des arabisch-israelischen Konflikts, dies müsste Obama schon sagen.

Tatsache ist, dass die USA die Ägypter als Assistenten brauchen, wenn sie nach achtjähriger Stagnation versuchen, die Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern wiederzubeleben. Auch die Saudis sollen dem jüdischen Staat den Olivenzweig hinstrecken und damit deutlich machen, dass sie zum Frieden keine Alternative sehen. (APA/AFP/Reuters/Frank Herrmann aus Washington/DER STANDARD, Printausgabe, 3.6.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Saudi-König Abdullah schenkte Obama eine Goldkette

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Barack Obama als neuer Pharao: Die Erwartungshaltung in Ägypten war hoch. Der US-Präsident wollte mit seinem Besuch dort und in Saudi-Arabien das Image der USA in der Region aufpolieren.

Share if you care.