"Die Nachteile sind einfach zu groß"

2. Juni 2009, 19:08
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Warum Deutschlands Fußball-Osten in der Bundesliga nur noch Zaungast ist

Leipzig - Einst träumte man von Europacupspielen inmitten blühender Landschaften, jetzt geht die Sonne im deutschen Fußball-Osten wohl endgültig unter. In den neuen Bundesländern schwindet fast 20 Jahre nach dem Mauerfall allmählich die Hoffnung, dass sich die Traditionsvereine der DDR dauerhaft in Deutschlands Eliteliga etablieren. "Ich sehe kurzfristig keinen Ost-Klub in der Bundesliga", sagt Hans-Jürgen Dörner. Der 100-fache DDR-Auswahlspieler, als Trainer des Radebeuler BC gerade in die sechste Liga aufgestiegen, sieht die Ursache der Misere im fehlenden Geld: "Wirtschaftlich und strukturell sind die Nachteile einfach zu groß."

Eduard Geyer, langjähriger Trainer von Energie Cottbus, das am Wochenende die Relegationsduelle mit dem 1. FC Nürnberg 0:3 (daheim) und 0:2 (auswärts) verloren hat, macht auch eine gewisse Blauäugigkeit für die Tristesse verantwortlich. "Du kannst nicht denken, dass Hamburg dir Geld spendet oder Berlin. Sondern du musst sehen, dass du aus deinen Möglichkeiten das Beste machst, und was anderes wird uns auch nicht retten", sagt der letzte Trainer der DDR-Auswahl.

Kein Aufsteiger in Sicht

Zum zweiten Mal nach dem Mauerfall ist der Osten in der Bundesliga nur Zaungast. Nach dem Abstieg von Hansa Rostock in der Saison 2004/05 gelang Energie Cottbus im Jahr darauf völlig überraschend die Rückkehr ins Oberhaus. In der kommenden Spielzeit finden sich Hansa und Energie neben Union Berlin in Liga zwei wieder. Von der Bundesliga redet niemand ernsthaft. Die meisten Profis werden Cottbus verlassen, sie besitzen Ausstiegsklauseln.

"Ich sehe zurzeit keinen Lichtblick, dass man sagt, der Verein könnte in der nächsten Zeit in der 1. Bundesliga spielen", meint Geyer. Dadurch werde auch der Nachwuchs geschwächt, weil die Vorbilder in der unmittelbaren Nähe fehlten. Ein Teufelskreis.

Die wenigen Ost-Klubs, die es in die Bundesliga schafften, litten auch unter Führungsschwächen. Dynamo Dresden, der Verein mit dem wohl größten Potenzial, acht Mal Meister in der DDR-Oberliga, schmückte von 1991 bis 1995 die Bundesliga. Dann wurde dem Klub die Lizenz verweigert, er fand sich mit einem großen Schuldenberg als Zwangsabsteiger in der dritten Liga wieder. In der Folgezeit sorgte Dynamo fast ausschließlich durch seine randalierenden Fans für Schlagzeilen.

AC/DC statt Kick

Den VfB Leipzig, der in DDR-Zeiten auf den Namen Lokomotive Leipzig hörte, ereilte der finanzielle GAU. Den Klub, der anno 1903 die erste deutsche Meisterschaft gewann und in der Saison 1993/94 vorübergehend wieder erstklassig war, gibt es heute nicht mehr. In der einst so stolzen Fußballstadt spielt die Musik in der fünften Liga. Im mehr als 100 Millionen Euro teuren WM-Stadion treten keine Kicker, sondern beispielsweise nur noch AC/DC auf.

Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußballbundes, forderte die Ost-Klubs auf, sich auf ihre Stärken zu besinnen. Schließlich sei man dort in einer Fußball-Landschaft wie dem Ruhrgebiet. Der DFB könne mit einer vernünftigen Nachwuchsarbeit helfen. Die sozialen Gegebenheiten könne man freilich nicht ändern. (sid, red)

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    Als Timo Rost, dem Kapitän von Energie Cottbus, der Abstieg bewusst war.

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