Fröhlicher Abschied mit Mozart

2. Juni 2009, 18:30
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"Così fan tutte" in der Regie von Peter Konwitschny am Grazer Opernhaus

Graz - Stimmungsvoller und mit größerer Heiterkeit kann die Ära eines Theaterchefs nicht zu Ende gehen als jene von Jörg Koßdorff in Graz: Die bejubelte Produktion von Mozarts Così fan tutte hat ja schon anlässlich ihrer Erstpräsentation an der Komischen Oper Berlin zu Recht international so viel Furore gemacht, sodass man nur hoffen kann, die in diesem Sommer im Salzburger "Haus für Mozart" präsentierte Così-Premiere möge dasselbe Echo findet.

Denn ein solch überzeugendes szenisches Bekenntnis zur Unglaubwürdigkeit dieses heiter amourösen Quartetts der sich täuschenden Paare, wie es Peter Konwitschny als Regisseur abgelegt hat, erlebt man (in solcher Komödiantik) nicht allzu oft. Dazu hat Koßdorff mit seinem von stilisierten floralen Ornamenten geprägten Bühnenbild das ebenso absurde wie stimmige Ambiente geschaffen, in dem sich die von Michaela Mayer-Michnay märchenhaft bunt gekleidete Gesellschaft in freilich streng kontrollierter Witzigkeit tummeln kann. Nichts wirkt gewollt und aufgesetzt. In ihrer Absichtslosigkeit wird diese Regiearbeit zu einem beziehungsvollen Gleichnis für das gesamte Genre Oper. Da nimmt man sogar den etwas mühsamen Schluss, an dem nicht klar ist, wer zu wem gehört, bis sich die beiden Männer in die Arme fallen, mit in Kauf.

Helle Unbeschwertheit

In nicht ganz einsichtiger Bescheidenheit wird diese Premiere auf dem Besetzungszettel als "Produktion der Komischen Oper Berlin" ausgewiesen. Abgesehen davon, dass Intendant Koßdorff selbst beim Bühnenbild Hand angelegt hat, ist doch auch das insgesamt kompakte und in seiner hellen Unbeschwertheit ausnehmend harmonisch wirkende musikalische Outfit von Graz gestaltet.

Dirigent Dirk Kaftan am Pult des Orchesters scheint von den ersten Takten der Ouvertüre an unter hochvoltigem Mozart-Strom zu stehen, dessen hohe Spannung er dann auf die Sänger und die Instrumentalisten anhaltend zu übertragen versteht.

Es gibt auch keine Schwachstelle im Ensemble: Jochen Schmeckenbecher ist ein dominierender Don Alfonso, der mit manchmal tölpelhafter Überzeugungskraft und virtuosem baritonalen Parlando seine Intrigen spinnt und in Margareta Klobucars bodenständiger Despina eine tat- und stimmkräftige Assistentin hat.

Maria Bengtsson überzeugt als Fiordiligi mit ihrem auch in den Piani noch leuchtkräftigen Sopran, während Kirstin Chávez ihre Dorabella mit dunkleren Tönen einfärbt. Johannes Chum verleiht seinem Ferrando eher oratorische Tenorschönheit, und Mathias Hausmann kontert mit kultiviertem Bariton. Zu den Vorzügen dieser Aufführung zählt auch, dass sie in einer (heutigen Erwartungen genügenden) modernen, deshalb aber bei weitem nicht schnoddrigen deutschen Übersetzung gesungen wird. (Peter Vujica/DER STANDARD, Printausgabe, 3. 6. 2009)

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