Kims jüngster Sohn erbt Nordkorea

2. Juni 2009, 18:20
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Kim Jong-un "ganz der Vater, ein Ebenbild in den Gesichtszügen, Gestalt und Persönlichkeit"

Nordkoreas wahrscheinlicher Thronerbe ist erst 26 Jahre jung, doch soll er bereits optisch auf den Spuren seines Vaters wandeln. Kim Jong-un, dritter Sohn von Nordkoreas Führer Kim Jong-il, sei "ganz der Vater, ein Ebenbild in den Gesichtszügen, Gestalt und Persönlichkeit", schrieb Kenji Fujimoto, Kims früherer Chefkoch, in seinen Erinnerungen.

Noch muss sich die Welt auf den Bericht des Japaners verlassen. Aktuelle Fotos von Jong-un sind genauso wenig bekannt wie gesicherte Details über sein Leben. Doch Kim Jong-il, so gab der südkoreanische Geheimdienst nun vor einem Parlamentsausschuss in Seoul an, habe seinen jüngsten Sohn zum Nachfolger erklärt.

Kim stand vor einer schweren Wahl: Er hat drei Söhne von zwei Frauen. Sein ältester Spross, der 38-jährige Jong-nam, aus Kims erster Ehe mit Song Hye-rim, galt als Kronprinz, bis er 2001 in Japan am Zoll mit einem gefälschten dominikanischen Pass verhaftet wurde. Jong-nam wollte mit seiner Familie das Disneyland in Tokio besuchen. Der zweitälteste Sohn, Jong-chul, entsprang einer Beziehung mit Kims zweiter Frau und Favoritin Ko Yeung-hee. Aber er soll seinem Vater als zu "mädchenhaft" gelten und zudem krank sein.

Gegen Jong-un, den zweiten Sohn aus dieser Verbindung, sprach vor allem dessen Jugend. Anders als sein Vater, der 1994 die Macht von seinem Vater Kim Il-sung übernommen hatte, würde er keine 20 Jahre Zeit haben, sich eine Hausmacht aufzubauen.

Doch letztlich folgte Kim offenbar seinem Herzen. Jong-un gilt als sein Liebling. Er besuchte eine Privatschule in Bern in der Schweiz und soll von 2002 bis 2007 in Nordkorea studiert haben. Inzwischen soll er 1,75 Meter groß, 90 Kilo schwer und zuckerkrank sein, aber nicht so verweichlicht wie seine Brüder.

Fujimoto, der Koch, erinnert sich: "Als Jong-un meine Hand schüttelte, starrte er mich mit einem bösen Blick an. Ich kann den Ausdruck in den Augen des Prinzen nicht vergessen. Es war, als ob er dachte: Dieser Kerl ist ein verachtenswerter Japaner." Ganz allein wird Jong-un die Geschicke der armen Atommacht wohl nicht lenken. Als wahrscheinlich gilt, dass Kims Schwager Chang Sung-taek die Rolle des Übergangsregenten spielen wird.

Gleichzeitig bauscht Nordkoreas Propagandamaschinerie den Jungspund bereits zum übermächtigen Helden auf. An Schulen wird bereits die "Hymne des Generals Kim Jong-un" gepaukt. Einen Posten hat er auch schon: Seit April sitzt er in der Nationalen Verteidigungskommission. (Martin Koelling/DER STANDARD, Printausgabe, 3.6.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das einzige Bild: Kim Jong-un, der künftige Führer, als Bub.

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