Krankenkassen: Rasinger kritisiert "Anti-Wien-Reflex"

2. Juni 2009, 17:42
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Mehr Geld für Wiener Kasse dank Großstadt-Faktor

Wien - 42,5 Millionen Euro sind im "Katastrophenfonds" , der zugunsten der defizitären Gebietskrankenkassen (GKK) aufgelöst werden soll - 33 Millionen davon gehen allein an die Wiener GKK. Das hat zwar der Nationalrat bereits Mitte Mai beschlossen; unter schwarzen Mandataren sorgt das im Vorfeld des Bundesrats-Beschlusses, der Ende dieser Woche ansteht, weiterhin für Unmut.

Besonders die Abgeordneten aus Vorarlberg und Oberösterreich wollen sich wehren, Vorarlbergs Landeshauptmann Herbert Sausgruber (VP) hat sogar eine Verfassungsklage angekündigt. Denn die beiden Länderkassen stehen verhältnismäßig gut da und bekommen daher kein Geld aus dem Topf - und in beiden Bundesländern wird diesen Herbst ein neuer Landtag gewählt.

ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger ortet in der Diskussion um die Kassenfinanzen einen "Anti-Wien-Reflex" und verteidigt die finanzielle Bevorzugung der WGKK: "Das Leben am Gürtel ist nun einmal ungesünder als im Mühlviertel" , beschreibt er den Großstadtfaktor. Und man dürfe die Versorgung in Wien nicht mit der ganz Oberösterreichs vergleichen. "Im Vergleich zu Linz hat Wien weniger Fachärzte, im Vergleich zu Berlin nur die Hälfte" , erläutert Rasinger im Standard-Gespräch. Zusätzlich müsse man sich etwa in Wien um 60 Prozent der österreichischen HIV- und Drogen-Kranken kümmern.

Eine Belastung für das Kassen-Budget ist auch "das Hin- und Herschieben von Leistungen zwischen der Stadt und der Kasse" . So werde etwa die präoperative Diagnostik oder Nachuntersuchungen nach Krebsbehandlungen nur mehr selten im Spital durchgeführt - für dessen Kosten der Träger, also in der Regel die Stadt, aufkommt. Die Arztkosten gehen hingegen zulasten der WGKK.

Schmaler Grat

Vorsichtig müsse man jedenfalls bei Zahlen sein, die zum Einsparungspotenzial kursieren, warnt Rasinger, selbst praktizierender Arzt in Wien-Meidling. "Der Grat zwischen Einsparung und Rationierung ist sehr schmal." Wien müsse für sich ein Niveau der Versorgung definieren. Für Rasinger ist auch klar, woran die Qualität gemessen werden soll: "Nicht am gut gebildeten, jungen Patienten, sondern an der älteren Frau mit niedrigem Einkommen. Wenn sie eine gute Behandlung bekommt, dann ist das Gesundheitssystem in Ordnung." (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 3.6.2009)

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