Freispruch für "Schuhwerfer von Cambridge"

2. Juni 2009, 18:52
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Student wollte nur symbolisch gegen die Anwesenheit des chinesischen Ministerpräsidenten protestieren

London - Im Prozess gegen den deutschen Schuhwerfer von Cambridge ist der angeklagte Student freigesprochen worden. Nach zweitägiger Verhandlung sah das Gericht keine ausreichenden Beweise für den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, dass der Student mit seinem Schuhwurf auf den chinesischen Regierungschef Wen Jiabao die Grenze des erlaubten Protestes überschritten hatte - das berichtete dpa am Dienstagabend.

Die Anklage hatten dem Mann Störung der öffentlichen Ordnung, Beleidigung und Aufruf zur Gewalt vorgeworfen. Der Richter gab dem Deutschen aber eine Warnung mit auf dem Weg: "Sie verlassen das Gericht mit einem Freispruch, aber mit einer Verwarnung für Ihr künftiges Verhalten."

Der angeklagte Student  hatte Gewalt als Motiv bestritten. "Ich wollte symbolisch gegen die Anwesenheit des chinesischen Ministerpräsidenten protestieren. Und ich wollte Solidarität mit den Menschen in China zeigen, die in der Rede nicht vorkamen", sagte der 27-jährige Doktorand am Dienstag mit ruhiger Stimme bei der Verhandlung in Cambridge. Der in Ostdeutschland geborene Mann muss sich dafür verantworten, dass er während einer Rede von Chinas Regierungschef Wen Jiabao in der englischen Universitätsstadt einen Schuh in Wens Richtung geworfen hatte. Der Schuh hatte den Ministerpräsidenten verfehlt.

Turnschuh geworfen

Der Deutsche hatte am 2. Februar die Rede Wen Jiabaos lautstark unterbrochen und seinen Turnschuh auf den Regierungschef geworfen. "Ich habe mich dabei offensichtlich von dem irakischen Schuhwerfer inspirieren lassen." Ein irakischer Fernsehreporter hatte seine Schuhe bei einer ähnlichen Attacke auf den früheren US-Präsidenten George W. Bush in Bagdad geworfen.

Zu seinen Gefühlen während seiner lauten Zwischenrufe sagte der 27-Jährige: "Ich hatte gehofft, ganze Sätze herauszubringen und keinen Idioten aus mir zu machen. Und ich war besorgt, dass ich von den anderen niedergebrüllt werden könnte." Der Deutsche hatte bei seinem Protest auf Englisch gerufen: "Wie kann sich die Universität für diesen Diktator prostituieren. Wie könnt Ihr den Lügen zuhören, die er erzählt. Steht auf und protestiert". Danach hatte er den Schuh geworfen und wurde dann von Ordnern abgeführt.

Verhör-Protokoll

Wie der Angeklagte aussagte, hatte er schon vor seinem lautstarken Protest die Schuhe ausgezogen. Als er dachte, die Rede des Regierungschefs sei zu Ende, habe er Krach geschlagen. Als niemand in den Protest einstimmte und er sah, dass er abgeführt werden sollte, habe er den Schuh geworfen. Nach eigener Darstellung hatte er trotz kalten Winterwetters extra nur seine leichten Turnschuhe angezogen. Außerdem habe er sich weit nach hinten in den Zuhörerraum gesetzt, um besser gehört werden zu können.

Am zweiten Verhandlungstag kam vor Gericht auch das Protokoll des Polizeiverhörs zur Sprache, das unmittelbar nach der Tat erstellt worden war. Darin hatte sich der Deutsche verwundert gezeigt, dass sich niemand im Saal seinem Protest angeschlossen hatte. Außerdem hatte er zu Protokoll gegeben, dass er den Schuh nur auf die Bühne werfen wollte und gedacht habe, die Rede sei bereits zu Ende gewesen.

Nach der Tat hatte sich der Deutsche aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und jeglichen Kontakt zu Medien unterbunden. Am zweiten Prozesstag wurde bekannt, dass er in Ostdeutschland geboren wurde. Nach Abitur (Matura) und Zivildienst in Deutschland bewarb er sich um eine Doktorandenstelle in Großbritannien und wurde an der Traditionsuniversität von Cambridge angenommen. Dort forscht er zu einem biomedizinischen Immunologie-Projekt.

Mitte Dezember 2008 hatte der irakische Fernsehjournalist Muntazer al-Zaidi (Muntasser al-Saidi) bei einer Pressekonferenz in Bagdad einen Schuh auf den scheidenden US-Präsidenten Bush geworfen. Er wurde zunächst zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, inzwischen wurde die Strafe jedoch auf ein Jahr reduziert. (APA/dpa)

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    Die "Tatwaffe".

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    Der "Attentäter".

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    Das "Opfer".

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