Letzte Nachricht: Messinstrumente vereist

4. Juni 2009, 06:19
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Tauchroboter im Wettlauf gegen die Zeit - Black-Box sendet Signale nur 30 Tage - Minister: Noch keine Spur von Passagieren

Brasilien - Die brasilianische Luftwaffe und die Marine haben drei Tage nach dem Absturz der Air-France-Maschine im Atlantik noch keine Spur von den 228 Flugzeuginsassen entdeckt. "Es wurden keine Leichen und Überlebenden gefunden. Es gibt aber keinerlei Zweifel, dass die Absturzstelle an diesem Ort ist", sagte Brasiliens Verteidigungsminister Nelson Jobim am Mittwochabend (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz in Brasília. Es gilt inzwischen als völlig ausgeschlossen, dass einer der Flugzeuginsassen den Absturz überlebte.

Die Suche nach den Wrackteile beschränke sich auf ein Gebiet mit einem Radius von 230 Kilometern. Die Absturzstelle liegt etwa 1200 Kilometer nordöstlich der brasilianischen Küste und in der Nähe der Sankt-Peter-und-Pauls-Felsen, einer winzigen, kahlen und unbewohnten Inselgruppe im Atlantik. Die am Dienstag auf fünf Kilometer Länge gesichteten Trümmer seien durch die Meeresströmung bereits weiter getrieben worden, sagte der Minister.

Bei den gefundenen Wrackteilen handelt es sich um Metallgegenstände, Kabel und einen auf dem Wasser treibenden Passagiersitz. Leichen wurden bisher nicht gesichtet.

Letzte automatische Nachricht: Messinstrumente am Cockpit waren vereist

In der Zwischenzeit wurden weitere Details über den Unglücksflug bekannt. Die letzte automatische Nachricht sei gewesen, dass Messinstrumente am Cockpit vereist seien, berichtete die Zeitung "Le Parisien". Das könne dazu geführt haben, dass der Pilot falsche Informationen am Bordcomputer erhalten habe.

Maschine könnte explodiert oder auseinandergebrochen sein

Es werde auch nicht ausgeschlossen, dass die Maschine in der Luft explodiert oder auseinandergebrochen sei. Dafür spreche die Tatsache, dass das Notfallsignal nicht funktioniert habe und die Trümmerteile weit verteilt seien.  "Man kann Trümmerstücke auf einer Strecke von mehr als 300 Kilometern beobachten", zitierte die Website des "Figaro" einen Experten aus dem Umfeld der Ermittlungen. Diese Tatsache spreche für eine Explosion der Maschine während des Flugs.

Attentat

Wie der "Figaro"schreibt, könnte die Zerstörung des Flugzeugs aber auch durch ein außergewöhnlich starkes Wetterphänomen, einen plötzlichen Druckabfall oder ein Attentat zu erklären sein.
Nach Angaben von Luftfahrtexperten gab es auch nach dem Anschlag auf die PanAm-Maschine über dem schottischen Lockerbie 1988 ein mehrere hundert Kilometer großes Trümmerfeld.

Vor dem Start von Air-France-Flug 447 gab es nach Erkenntnissen französischer Ermittler keinerlei Hinweise auf irgendwelche Probleme. Dies habe eine erste Überprüfung aller Wartungsunterlagen zu der Airbus-Maschine ergeben, sagte der Leiter der Untersuchungsbehörde, Paul-Louis Arslanian.

Wassertemperatur über 20 Grad

Drei Handelsschiffe aus den Niederlanden und aus Frankreich sind unterdessen in der Region, um nach Opfern zu suchen. Das Wasser hat in der Gegend über 20 Grad. Denoch gilt es als ausgeschlossen, dass jemand den Absturz überlebt haben könnte. Brasiliens Verteidigungsminister Nelson Jobim mahnte nicht über Überlebenschancen zu spekulieren. "Die Suchoperation basiert auf Fakten und Resultaten, nicht auf Hypothesen".

Gedenkgottesdienst

Eine Air-France-Sprecherin kündigte die Bekanntgabe der Passagierliste an. An Bord waren 228 Passagiere, darunter eine 27-jährige Tirolerin und das deutsche ThyssenKrupp-Steel-Vorstandsmitglied Erich Heine. Die brasilianische Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. An dem Gedenkgottesdienst am Mittwoch Nachmittag in der Pariser Kathedrale Notre Dame nahm unter anderem Staatspräsident Sarkozy teil. Während der Messe wurde ein Beileidsschreiben von Papst Benedikt XVI. verlesen.

Kleine Insel nahe der Absturzstelle

Die Fundstelle liegt 650 Kilometer nordöstlich der brasilianischen Insel Fernando de Noronha und in der Nähe der sogenannten Sankt-Peter-und-Pauls-Felsen, einer winzigen, kahlen und unbewohnten Inselgruppe im Atlantik.

Suchtrupp fand auf dem Wasser treibenden Passagiersitz

Nachdem die brasilianische Luftwaffe am Dienstag einen auf dem Wasser treibenden Passagiersitz sowie Metallteile und Öl- und Kerosin-Spuren sichtete verdichteten sich die Hinweise auf die Absturzstelle. Die Wrackteile seien auf eine Länge von fünf Kilometern verstreut. Brasiliens Verteidigungsminister Nelson Jobim bestätigte dann noch am Dienstagabend, dass die rund 1200 Kilometer nordöstlich der brasilianischen Festlandküste entdeckten Wrackteile zu der Air-France-Maschine gehören. "Die Trümmer sind von dem (Air- France)-Flugzeug. Daran gibt es keine Zweifel."

Schiffe für Bergung unterwegs

Die Such-Schiffe seien unterwegs zum Einsatzort, so Minister Brasiliens Verteidigungsminister Nelson Jobim. Mehrere Marineschiffe haben Kurs auf das Seegebiet rund 500 Kilometer nordöstlich der Insel Fernando de Noronha genommen. Noch in der Nacht auf Mittwoch suchte eine Maschine der brasilianischen Luftwaffe die Wasseroberfläche mit Nachtsichtgeräten ab. Ein erstes Schiff der brasilianischen Marine wird heute Mittwoch im Absturzgebiet erwartet.

Absturzstelle 4000 Meter tief

Die Bergungsarbeiten dürfte sich als äußerst schwierig erweisen. Der Atlantik ist nach Angaben eines brasilianischen Ozeanologen an der Stelle bis zu 4000 Meter tief. Allerdings schwankt die Tiefe, weil der Atlantik in der Nähe der Fundstelle von Meeresgebirgen durchzogen wird. Auch die starke Strömung müsse bei der genauen Ortung des Wracks berücksichtigt werden. Erschwert wird das Vorhaben voraussichtlich auch von schlechtem Wetter, wie es um diese Jahreszeit in der Region üblich ist.

Tauchroboter im Wettlauf gegen die Zeit - Signale der Flugschreiberbox sendet 30 Tage

Frankreichs Regierung entsandte sofort nach der Sichtung der Wrackteile ein Spezialschiff in die Region. Es ist mit Tauchrobotern ausgestattet, die bis zu einer Tiefe von 6000 Metern arbeiten können. Mit ihnen ließen sich 97 Prozent des Meeresbodens untersuchen, teilte Verkehrsminister Jean-Louis Borloo mit. Am Freitag und Samstag sollen auch zwei französische Militärschiffe an der Absturzstelle eintreffen. Die Suche nach dem Airbus ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Blackbox sendet ihre Signale nur bis zu 30 Tage lang. Dann geht die Batterie aus. Schlamm könnte die von der Box gesendeten Signale zudem sehr abschwächen.

So tief ist noch nie eine Blackbox gefunden worden

Sicherheitsexperten zweifeln daran, dass der Flugschreiber, die sogenannte Blackbox, jemals gefunden werden kann. Das Meer in dem Absturzgebiet zwischen Südamerika und Westafrika sei etwa 4.700 Meter tief, erklärten Fachleute des Hydrographischen und Ozeanographischen Dienstes der französischen Marine (SHOM). So tief sei noch nie eine Blackbox gefunden worden. "Theoretisch" könnten die Flugschreiber den Wasserdruck jedoch in bis zu 6.000 Meter Tiefe aushalten und dank der von ihnen ausgesendeten Signale geortet werden, so eine Sprecherin der französischen Ermittlungsbehörde BEA.

Kontakt über Atlantik verloren

Die Maschine war am Sonntag von Rio de Janeiro mit Ziel Paris gestartet. Über dem Atlantik verloren die Flugsicherheitsbehörden dann in der Nacht jeden Kontakt zu der Maschine. Es wird darüber spekuliert, ob ein Blitzschlag oder möglicherweise eine Explosion den Absturz verursachte. Letztlich wird nur die Blackbox des Flugzeuges konkreten Aufschluss geben können.  Letztlich wird nur die Blackbox des Flugzeuges konkreten Aufschluss geben können.

Größtes Unglück in der Geschichte der Air France

Der Absturz der A330-200 ist die schwerste Katastrophe in der zivilen Luftfahrt seit 2001. Damals waren beim Absturz einer American-Airlines-Maschine kurz nach dem Start in New York 265 Menschen ums Leben gekommen. Es ist zudem das größte Unglück in der Geschichte von Air France. Beim Absturz eines Überschallflugzeugs vom Typ Concorde vor neun Jahren starben 113 Menschen.(APA/dpa)

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    Einige hundert Kilometer nordöstlich der Küste Brasiliens hat die brasilianische Luftwaffe Wrackteile im Atlantik gefunden.

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    Auch die französische Armee beteiligte sich an der Suche nach dem Flugzeug.

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