NÖM setzt auf Gentechnikfreiheit

2. Juni 2009, 14:57
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Das Ergebnis 2008 ist mit 600.000 Euro knapp positiv, zehn Millionen Euro sollen eingespart werden

Wien- Die NÖM setzt in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen die Konsumenten mit Kaufzurückhaltung vor allem bei teureren Produkten reagieren, auf Gentechnikfreiheit und das Auslandsgeschäft. Die NÖM AG produziert seit 1. Mai 2009 die gesamte "Weiße Palette", also alle Milchbasisprodukte, gentechnikfrei und lobt dies auch auf den Packungen mit einem Logo aus.

"Damit ist die NÖM die erste Molkerei Europas, der das gelungen ist", zeigte sich NÖM-Vorstand Alfred Berger am Dienstag bei einer Pressekonferenz erfreut. Zweieinhalb Jahre habe man gemeinsam mit den Bauern daran gearbeitet - "mit viel Herzblut und Kohle". Daher bedanke sich die NÖM auch dafür bei ihren Milchbetrieben mit einer Plakatkampagne in Niederösterreich und dem Burgenland.

Für die Konsumenten entstünden aus der Umstellung keine Mehrkosten, wurde betont. Die 4.400 Milchbauern aus Niederösterreich, der Steiermark und dem Burgenland, die in der MGN Milchgenossenschaft NÖ zusammengefasst sind und ausschließlich an den NÖM-Standort in Baden liefern, erhalten 1 Cent netto je Kilogramm mehr Milchgeld, ergänzte MGN-Geschäftsführer Leopold Gruber-Doberer. Die NÖM bezahlt ihren Milchbauern derzeit also 25,5 Cent/kg netto bzw. 28,25 Cent/kg brutto.

Bunte gentechnikfreie Palette

Eigentlich werde die gesamte Rohmilch (300 Mio. kg pro Jahr), die die NÖM in Österreich verarbeitet, gentechnikfrei produziert, sagte Berger. Also sei auch die bunte Palette, also Joghurt, Buttermilch, FruFru & Co, gentechnikfrei. Es sei aber schwierig zu garantieren, dass etwa bei der Mango im Joghurtdrink ebenfalls auf Gentrechnik verzichtet wurde. Daher könne es nicht auf der Packung ausgewiesen werden.

Die Konsumenten sollen durch die Umstellung auf gentechnikfreie Produktion "Sicherheit haben" und zum Kauf heimischer Produkte animiert werden, waren sich Berger und Gruber-Doberer einig. Gerade in dieser für die Milchbauern schwierigen Zeit - der Erzeugermilchpreis ist innerhalb eines Jahres um 30 Prozent gesunken - sei eine Partnerschaft zwischen Handel, Konsumenten und Milchproduzenten wichtig. Es sei "unbegreiflich", wie eine Situation entstehen konnte, dass 1 Seidel Bier soviel kostet wie die Bauern für 10 Liter Milch bekommen, appellierte der MGN-Chef erneut an die Solidarität der Konsumenten.

Ergebnis 2008 positiv

Wie andere Molkereien habe auch die NÖM im Vorjahr unter der Wirtschaftskrise und den hohen Bauernmilchpreisen gelitten, sei aber dennoch mit der Übernahme der Waldviertler Molkerei und der Mona im Südburgenland sehr "umtriebig" gewesen, so NÖM-Vorstand Alfred Berger. Die NÖM sei nun in 23 Ländern im Export aktiv und neben Österreich in Ungarn (Budapest), England (Telford bei Birmingham) und der Ukraine (Gnidin) mit Standorten vertreten. Die Exportquote liege bei knapp unter 50 Prozent.

In Italien habe man sich zur Hälfte an einer Vertriebsgesellschaft beteiligt, um per 1. Juli einen eigenen Vertrieb aufzubauen. Berger sieht dort noch "großen Aufholbedarf", vor allem in der bunten Palette. Die NÖM habe daher Interesse, sich am italienischen Markt "entsprechend zu positionieren".

Der neue Standort in England, in den Investitionen von mehr als 60 Mio. Euro geflossen sind, habe Anfang des Jahres mit der Produktion von 500 Millionen Einheiten begonnen. Ziel sei es, dort in zwei Jahren einen Umsatz in dreistelliger Millionen-Höhe zu erwirtschaften, gab Berger den Weg vor. Zum Vergleich: In Baden werden knapp 1 Milliarde Einheiten pro Jahr erzeugt, 700 Millionen davon als Pet-Flaschen. Die NÖM ist damit nach Danone der zweitgrößte Produzent von Pet-Flaschen in Europa.

In der Ukraine, wo die Molkerei derzeit wieder aufgebaut bzw. auf den neuesten Stand gebracht wird, soll Mitte 2010 mit der Produktion begonnen werden. In welcher Dimension hänge von der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes ab, so der NÖM-Chef.

Die Fühler nach einem neuen Standort hat Berger dieses Mal in Westeuropa ausgestreckt - "zwischen Spanien und Frankreich", um auch im Westen "in der Logistik flexibler sein zu können".

Die NÖM AG hat 2008 einen Umsatz von 373 Mio. Euro und ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von 600.000 Euro erwirtschaftet. Bei einer negativen Betriebsleistung aller heimischer Molkereien von durchschnittlich 0,47 Prozent sei dieses Ergebnis "zufriedenstellend, weil positiv". Zum Vergleich: 2007 verbuchte die NÖM noch einen Umsatz von 337 Mio. Euro und ein EGT von 12,2 Mio. Euro.

Billige Handelsmarken gefragt

Im laufenden Jahr 2009 seien die ersten fünf Monaten "planmäßig" gelaufen, wenngleich mit "mehr Aufwand", schließlich seien derzeit billigere Handelsmarken eher gefragt als Markenprodukte. Angepeilt werde 2009 ein Umsatzwachstum von 3 bis 4 Prozent und ein "deutlich besseres Ergebnis". Eine genauere Ergebnis-Prognose sei aufgrund der Volatilität beim Milchpreis derzeit nicht möglich.

Gelingen soll der Plan auch durch ein Sparprogramm, bei dem die NÖM in Summe 10 Mio. Euro einsparen wolle. Mitarbeiter seien nicht betroffen, nachdem man sich im Herbst bereits von Leiharbeitern getrennt habe. Die NÖM beschäftigt in Baden derzeit 710 Mitarbeiter. (APA)

 

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