Diabang geht, Zurawski kommt nicht

2. Juni 2009, 15:08
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Der Kader der Wiener Austria soll bis 15. Juni stehen, im Angriff be­steht Handlungsbedarf - Die abgeschlossene Saison nutzte der Verein vor allem für eine erfolg­reiche Verbesserung der Infrastruktur

Wien - Das hat man davon, wenn man anderen während des Spiels den Hintern zeigt: nach Spielende stibitzen die Puber­tierenden unter den Austria-Fans dem Fanklub mit dem düster anmutenden Namen "Schwarze Seele Kärnten" im Gegenzug ihren Banner. Beendet wurde diese letzte Saisonpartie im Favoritner Horr-Stadion schon vor der neunzigsten Minute, einmal mehr versuchte der Austria-Fanbeauftragte Martin Schwarzlantner den Brauch der Pitch Invasion zu verhindern und wieselte die Outlinie auf und ab, vergeblich. Egal, zu diesem Zeitpunkt lag die Auswärtsmannschaft hoffnungslos 1:4 zurück.

Mit einer einzigen Heimniederlage, dem dritten Meisterschaftsplatz und dem Triumph im Cup geht die Austria in die Sommerpause. Das ist mehr als manche den Violetten nach dem Ausstieg von Sponsor Magna zu Saisonbeginn zugetraut hatten und überrascht zumindest ebenso wie die technische Finesse mit der der oft kritisierte Joachim Standfest am letzten Spieltag zwei Treffer erzielte. Nicht weniger als sechs Tore können sich für einen Außenverteidiger durchaus sehen lassen, so wurde sein Vertrag vorzeitig um zwei Jahre verlängert. Für einen anderen, nämlich den Stürmer Mamadou "Momo" Diabang, kam der Doppelpack im letzten Spiel zu spät, laut General Manager Thomas Parits wird sich der Senegalese verändern, sprich er darf und muss sich einen neuen Verein suchen.

Zurawski kommt nicht

Das Transferprogramm der Austria erfreut Trainer Karl Daxbacher ebenso wie Parits ("Wir haben die besten jungen Spieler verpflichtet, die am Markt waren") ist aber noch nicht abgeschlossen. Mit den ÖFB-Teamspielern Julian Baumgartlinger (1860 München), Zlatko Junuzovic, Manuel Ortlechner (beide Austria Kärnten) sowie Michael Liendl (SV Kapfenberg) und Florian Klein (LASK) wurden zwar fünf Spieler verpflichtet, im Angriff besteht aber vor allem in Hinblick auf die Qualifikation zur Europa League Handlungsbedarf. Derzeit stehen den Violetten lediglich zwei Stürmer zur Verfügung, nämlich Rubin Okotie und Eldar Topic. Zwei weitere müssen also hinzustoßen, einen Verbleib des immer leicht abwanderungswilligen Okoties vorausgesetzt. Bis spätestens 15. Juni soll der gesamte Kader stehen. Der polnische Goalgetter Maciej Zurawski wird jedenfalls nicht Teil dessen sein, der Umworbene unterschrieb am Dienstag auf der Insel, der kleinen Insel, bei Omonia Nikosia, so wird es auf der Webseite der Zyprioten berichtet.

Bereits mit Begeisterung von den Austria-Fans verabschiedet wurden Jocelyn Blanchard, Florian Metz und Fernando-o-o Troyansky. Die Abgänge von Mario Bazina und Lukas Mössner wurden lediglich zur Kenntnis genommen, der Abschied von Mario Majstorovic mit einem kollektiven Durchatmen quittiert. Der weitere Werdegang von Blanchard ist nach wie vor offen, das Angebot, die Amateure durch die Erste Liga zu führen, lehnte der 37-Jährige ab, auch die Möglichkeit als Trainer in der neugegründeten Akademie zu fungieren, löste keine Begeisterung aus.

Die neue Effizienz

Den Fans würde man mit einer Bindung des Franzosen an den Verein jedenfalls Freude bereiten. Und der Fan scheint der Austria neuerdings am Herzen zu liegen, seitdem man sich erfolgreich von der Hand- und Fussfessel Frank Stronach befreit hat, steht zwar weniger Budget zur Verfügung, dafür werden die vorhandenen Mittel effizienter eingesetzt. Die neu geschaffene Ost-Tribüne spielt alle Stückln: Vorplatz, Museum, Pub, Cafe, Shop und Fanzentrum haben sich innerhalb kürzester Zeit zu einem sozialen Treffpunkt entwickelt, der zum Verbleib vor und nach dem Spiel einlädt.

Wurde ehemals nach Schlusspfiff eher lustlos am Baucontainer names Fanshop vorbeigeschlendert, kann sich der sogenannte "Get Violett Megastore" dem Ansturm kaum erwehren. Und das obwohl die Produktpalette kaum verändert wurde, die Verpackung macht es offensichtlich aus. Durch die riesigen Glasfassaden des Pubs kann man zudem erste Reihe fußfrei bei einem wirklich guten, butterweichen Schnitzel die unter Austria-Fans nicht ganz unüblichen Poschereien beobachten. Wenngleich das zweifelhafte Vergnügen der Marke "Ultimate Fighting" meist von kurzer Dauer ist: Nach zwei blutigen Nasen bzw. drei bis fünf Minuten später greift dann doch meist ein arbeitswilliger Polizist ein.

Rasenheizung kommt

Mit der Verlegung der Rasenheizung wird bis zu Saisonstart der nächste Meilenstein gesetzt, winterliche Absagen sollten damit der Vergangenheit angehören. Weniger Zukunft wünscht man sich auch für Word-Raps à la Matthias Hattenberger. "Frage: Wie muss die perfekte Partnerin sein? Antwort: Feine Ballbehandlung, kombiniert mit Manndeckung und dem Gefühl fürs richtige Timing mir ein Bier zu servieren." So zu lesen im ansonst gelungenem Klub-Magazin "Austria Inside". Passt irgendwie zum Spiel des Tirolers, die feine Klinge sieht anders aus. (pb; derStandard.at; 2. Juni 2009)

  • Mit der neuen Ost-Tribüne soll in der kommenden Saison nach Europa gezogen werden.
    foto: gepa/tmobile

    Mit der neuen Ost-Tribüne soll in der kommenden Saison nach Europa gezogen werden.

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