Sommernachtskonzert mit Schlosskulisse

2. Juni 2009, 13:40
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Heuriges Motto ist die "Nacht" - Die Veranstalter rechnen am 4. Juni mit rund 100.000 Besuchern - Freitag als Ersatztermin bei Regen

Mit ihrem Gratiskonzert in Schönbrunn am Donnerstag, 4.Juni, (21.00 Uhr) wollen die Wiener Philharmoniker zeigen, dass sie "alles andere als elitär sind": Ein Konzert für "jeden, der bereit ist, seine Ohren und seine Seele zu öffnen", versprach Dirigent Daniel Barenboim am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Die Veranstalter rechnen je nach Wetterlage mit rund 100.000 Besuchern. Unter dem Motto "Nacht" werden Mozarts "Kleine Nachtmusik", Manuel de Fallas "Nächte in spanischen Gärten", Mussorgskis "Eine Nacht auf dem kahlen Berg" und Strauß' Walzer "Tausendundeine Nacht" erklingen. ORF 2 und 3sat übertragen live ab 21.05 Uhr.

Wie die zum "Sommernachtskonzert" gehörige Nacht wettermäßig werden wird, ist bei den Schönbrunner Konzerten der Philharmoniker immer eine wichtige Frage gewesen. Von fünf bisherigen Konzerten war die Witterung bei nur einem "traumhaft" schön. Das Spektrum reichte sonst von schlechtem Wetter bis zu "ein bisschen weniger schiach", eines musste bereits wegen des Wetters verschoben werden, so Philharmoniker-Vorstand Clemens Hellsberg, der sich in Zweckoptimismus übte: "Noch ist es ja schön. Die Wetterprognose ist verdächtig gut, von Schneefall war bisher nicht die Rede." Im Falle des Falles wäre der Freitag als Ersatz-Termin vorgesehen.

Sogar Mauritius sieht zu

Schlechtes Wetter zumindest für Mauritius wünscht sich, im Scherz, ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz. Denn der Inselstaat ist das neueste unter jenen bisher 62 Ländern, die das Konzert - live oder zeitversetzt - übertragen werden, womit schlechtes Wetter gut für die Fernsehquote wäre. Die Länderzahl könne sich bis Donnerstag noch erhöhen, so Lorenz, der auch eine ganz frische Vertragsunterzeichnung verkündete: Der ORF und die Philharmoniker haben sich auf eine Zusammenarbeit bis 2012 geeinigt und heute einen dementsprechenden Vertrag unterzeichnet, so Lorenz. Damit seien die Übertragungen der Neujahrs- und Sommernachtskonzerte gesichert.

Für Hellsberg ist das Gratis-Konzert "in vielerlei Hinsicht komplementär" zum Neujahrskonzert: Nicht nur, weil in Schönbrunn unter freiem Himmel und im Sommer (statt im Musikverein und im Winter) gespielt wird, sondern auch wegen des freien Eintrittes (im Gegensatz zu den so hochpreisigen wie schwer zu bekommenden Tickets für das Neujahrskonzert). So wolle man Publikum gewinnen, das sich sonst weniger für klassische Musik interessiert. Hellsberg sieht den Gratis-Auftritt als "kulturpolitisches Statement", das heuer jedoch angesichts der Wirtschaftskrise "extrem schwierig" zu finanzieren gewesen sei. "Die Krise dient auch in vielen Fällen als Vorwand, etliche der bisherigen Sponsoren waren hurtig nicht mehr bereit, das weiter zu machen", schilderte Hellsberg. Die Kosten des Konzerts, von dem ein Mitschnitt ab Mitte Juni auf CD erhältlich sein soll, liegen in einer siebenstelligen Größenordnung, so Hellsberg, der keinen genauen Betrag nennen wollte. 40 Prozent davon tragen Stadt Wien und Bund.

Barenboim in Schönbrunn

Für Barenboim ist das Konzert Gelegenheit, nach mehr als einem halben Jahrhundert wieder den Weg nach Schönbrunn zu finden. Er sei dort das bisher erste und letzte Mal 1952 gewesen, bei seiner ersten Europareise. Sein Debüt als Dirigent beim heurigen Neujahrskonzert habe "uns und ihm so gut gefallen, dass er gleich noch einmal debütiert", sagte Hellsberg. Barenboim selbst meinte zum Programm: "Die Nacht war Inspiration für alle großen Komponisten, man hätte ein stundenlanges Programm machen können. Wir haben versucht, das Programm so kontrastvoll zu machen, wie es nur möglich ist."

Barenboim findet es "positiv", dass es heute möglich ist, "so ein Konzert für Millionen Menschen im Fernsehen zu spielen". Weniger positiv sei aber, dass klassische "Musik nicht mehr selbstverständlicher Teil der Kultur" für viele Kinder ist, sondern zunehmend eine "Leidenschaft für einige Menschen, die sich dafür interessieren". Dem könne man mit derartig groß angelegten Konzerten versuchen, entgegen zu wirken. Das Spielen im Freien hat jedenfalls Vor- und Nachteile: Barenboim freut sich, dass man das Husten der Zuseher weniger laut höre. Eigentümliche Soundkulissen aus dem angrenzenden Tiergarten Schönbrunn fürchtet Hellsberg keine: Heulende "Wölfe stören weniger als Handys im Konzertsaal." (APA)

Die Anreise zum Konzert mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird empfohlen. Bei unsicherer oder schlechter Wetterlage gibt es am 4. Juni unter der Telefonnummer 0820/200 166 Informationen über eine etwaige Verschiebung auf 5. Juni.

Weitere Infos:
www.sommernachtskonzert.at

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