Paranormal in Kärnten

    2. Juni 2009, 16:01
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    Harald Fidler geht auf Nummer Sicher und findet heraus, dass manches katholische Bildungshaus die voreheliche Nähe fördert

    Es liegt praktisch immer am Weg, und ist trotzdem ziemlich schwer zu erreichen. Wenn man sich zum Beispiel nach der Redaktion Richtung Friaul aufmacht, und noch abendessen will, aber sich dennoch an diverse Geschwindigkeitsbegrenzungen hält. Es ist ein Alzerl zu weit, nach Tainach am Klopeiner See, irgendwie.

    Davon lasse ich mich natürlich nicht abschrecken, vor allem, wenn ich mir soviel Gutes angelesen habe über das Fischrestaurant Sicher der gleichnamigen Brüder Michael (Küche) und Wolfgang (Service). Auch nicht davon, dass Übernachten in gemütlicher Gehweite im Ort nur das katholische Bildungshaus Sodalitas bietet und ich nicht ganz sicher bin, ob dort voreheliches Zimmerteilen so gut ankommt. Dass dort im Gegenteil sogar die menschliche Nähe gefördert wird, ob mit oder ohne Ring, werde ich bald herausfinden. Aber erst auf Nummer Sicher.

    Den Sechsgänger bitte

    Zu spät kommen ist kein Problem, bis 21.30 will man uns hier verköstigen. Die nächste, und zumindest so wesentliche Herausforderung nehmen die Brüder elegant: Kann ich den Sechsgänger haben, obwohl der laut Karte erst ab zwei Personen serviert wird, und die Frau meines Lebens eisern behauptet, sie isst weder Fleisch noch Fisch?

    Kein Problem, verlautet aus der Küche: Ich lauf beim letzten Menü dieses Abends vom Nachbartisch problemlos mit, und Michael S. hat auch keine Schwierigkeit, so nebenbei noch einen Mehrgänger für meine Freundin zu basteln. Der die Vegetarierin auch noch ziemlich begeistert.

    Fünf Rufzeichen für den "Kebab"

    Wie die Frischkäsepraline aus der Küche grüßt, nimmt sie noch recht gelassen. Mich freut der Alpenlachs mit "Sojakaviar", Wasabi und Erdäpfellauch mit Hang zum Essigton schon ziemlich. Dann aber legt sie mit fünf Rufzeichen von drei möglichen in der offiziellen Schmeck's-Wertung so richtig los: Wofür? Ein "Kebab", geschichtet aus Schafkäsetopfen und Filoteig mit Krautsalat und Wasabischaum. Mein Räucher(alpen)lachs auf Zitrus/Spargelgemüse war auch kein Fehler.

    Ziemlich sehr super dann die Feldpilztascherl mit Bärlauch, hüben mit Saiblingsrogen, drüben immerhin mit Frischkäse, ich würde mich in die Nähe der drei Rufzeichen vorwagen. Der Saibilng dann sehr knusprig (kross heißt das vielleicht), sehr, sehr super. Eine Lauchsuppe, auch nicht schlecht. Und dann wird's ein bisschen paranormal.

    "Reset"-Knopf drücken mit Parakresse

    Sorbet von Mirabelle und Himbeere zur Erfrischung zwischendurch, gut und soweit wenig überraschend. Aber auf einem kleinen Teller zwischen uns zwei halbe Minikapern oder so was ähnliches. Gar nicht ähnlich: Parakresse, sagt der Wolfgang Sicher, eines von 200 Kräutern, die Sichers in ihrem Garten ziehen, und erklärt ihre Funktion so: Im Mund lassen, bis es prickelt, das drücke unserem Geschmackssinn vor dem nächsten Gang praktisch den "Reset"-Knopf. Prickelt wirklich, soviel kann ich sagen. Auf der Zunge blieben eher die Sorbets, mir vielleicht einen Hauch zu süß, aber das heißt bei mir nicht viel, wie regelmäßige Schmeck's-Leserinnen und -Leser wissen.

    Das Perlhuhn ist mir nicht sonderlich im Gedächtnis geblieben, okay, aber nicht herausragend. Gegenüber gibt's Risotto mit Spargel, Spinat. Auch der eher zarte Käsegang zum Schluss ist nett, aber nicht umwerfend. Aber vielleicht wissen wir das alles nach der paranormalen Kresse nicht mehr so zu schätzen. Vielleicht aber auch nur wegen des Sauvignon Blanc vom Lackner-Tinnacher, und was ihm so folgte bis hin zum Bananenapfel-Schnaps am Schluss.

    Solcherart erfreut und bettbeschwert hat man dann auch kein Problem, wenn man beim ausgesprochen netten Herrn K. vom katholischen Bildungshaus Sodalitas ein Zimmer für zwei reserviert hat, der für uns deponierte Schlüssel aber nur ein Einbettzimmer sperrt. Immerhin: Es war eines von denen mit der besten Aussicht. Aber trotz aller Innigkeit und zudem bei 29 Euro pro Person hätten wir uns durchaus gern auch ein zweites Bett geleistet.

    Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

    • Perlhuhn mit Morcheln
      foto: fidler

      Perlhuhn mit Morcheln

    • Veggie-Kebab
      foto: fidler

      Veggie-Kebab

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