Albtraum für Angehörige

2. Juni 2009, 12:07
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Es scheint so gut wie ausgeschlossen, dass die Maschine im Meer treibt und die Menschen an Bord gerettet sind

Paris - AF447 - dieses Kürzel werden sie wohl nie vergessen. Die Angehörigen der Passagiere und Besatzungsmitglieder der Air-France-Maschine haben in der Nacht auf Dienstag vermutlich kaum geschlafen. Es scheint so gut wie ausgeschlossen, dass die Maschine noch irgendwo auf dem Wasser des Atlantiks treibt und die Menschen an Bord gerettet sind.

Christine Pieraerts zählt zu den Vermissten. Die junge Frau aus Clermont-Ferrand hatte zehn Tage Urlaub in Brasilien gemacht, wo ihr Freund derzeit arbeitet. Das junge Paar ist beim französischen Reifenhersteller Michelin angestellt. "Ihr Freund hatte sie noch zum Flughafen gebracht", berichtete ihr Bruder Michel der Zeitung "Le Parisien" (Dienstag). Seine Mutter habe im Radio gehört, dass das Flugzeug vermisst sei. "Sie wusste sofort, dass es Christines Flug war", sagte er. Christine habe sich gerade von einer schweren Krankheit erholt. "Wir waren so froh, dass es ihr besser ging. Sie hatte noch so viel vor ..."

Am Montag hatten sich einige der Angehörigen Sonnenbrillen aufgesetzt, andere schlugen die Hände vors Gesicht, als sie auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle eintrafen. Sicherheitsbeamte leiteten sie direkt in einen Raum, in dem sie von Psychologen betreut wurden. Etwa 100 Angehörigen hatten sich auf dem Flughafen eingefunden. Für viele Passagiere wäre Paris nur ein Zwischenstopp gewesen.

Passagierliste veröffentlicht

Erst nach und nach wurde bekannt, wer sich in dem Flugzeug befand: eine 26 Jahre alte irische Ärztin, die mit Studienfreunden im Urlaub war, eine türkische Harfenspielerin, die ein Konzert in Brasilien gegeben hatte, eine junge Spanierin, die von ihrer Hochzeitsreise zurückkam. Air France veröffentlichte eine Passagierliste mit 33 verschiedenen Nationalitäten.

"Es ist normal, dass die Angehörigen das Unglück erst einmal leugnen und nicht wahrhaben wollen", sagte ein Vertreter des Roten Kreuzes, der sich um die Betreuung kümmerte. Besonders schlimm sei es, so lange nicht klar sei, was tatsächlich passiert ist. Die französische Regierung hat den Angehörigen nun angeboten, in die Zone zu reisen, in der die Maschine gesucht wird. Wenn das Flugzeug im Atlantik untergegangen sein sollte, kann es gut sein, dass die Opfer nie geborgen werden können.

Mit gemischten Gefühlen verfolgen diejenigen die Sucharbeiten, die der Katastrophe nur knapp entkommen sind. Ein französisches Ehepaar hatte vergeblich versucht, einen Platz in der ausgebuchten Maschine zu bekommen. Und ein italienischer Ingenieur, Vater zweier Kinder, hatte den Flug knapp verpasst, weil er Probleme bei der Arbeit hatte. Er stand auf der Passagierliste, hatte aber nicht eingecheckt.  (APA/dpa)

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