US-Banken wollen Staat wieder loswerden

2. Juni 2009, 17:51
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Die US-Regierung hat mit Staatsgeld eine Reihe von Banken vor der Pleite bewahrt. JP Morgan und Amex rüsten sich schon für eine schnelle Rückzahlung

New York - Der US-Finanzkonzern JP Morgan Chase und der Kreditkartenriese American Express wollen sich zur Rückzahlung der Staatshilfen frisches Kapital beschaffen. JP Morgan will über die Ausgabe neuer Aktien fünf Milliarden Dollar (3,5 Mrd. Euro) einnehmen. Der Schritt solle noch im Juni die Voraussetzungen zur Rückzahlung der vom Staat in der Finanzkrise erhaltenen Hilfen von 25 Milliarden Dollar schaffen.

American Express (Amex) will Aktien für bis zu 575 Millionen Dollar ausgeben. Das Geld soll ebenfalls unter anderem zur Rückzahlung der Staatshilfen genutzt werden. Das US-Finanzministerium hatte den Kreditkartenkonzern mit 3,4 Mrd. Dollar unterstützt.

Rasche Rückzahlung

JPMorgan gehört zu jenen US-Instituten, die seit längerem auf eine Chance zur raschen Rückgabe der staatlichen Finanzspritzen drängen. Voraussetzung sei der Beweis, dass die Banken sich an den Finanzmärkten frisches Geld verschaffen könnten, heißt es von JP Morgan. Die angekündigte Kapitalerhöhung soll dies nun belegen.

Die Bank hat sich in der Krise vergleichsweise gut geschlagen und durchwegs schwarze Zahlen geschrieben. Auch der jüngste Stress-Test der US-Regierung zur Stabilität der Branche ergab für JP Morgan im Gegensatz zu anderen Instituten keinen weiteren Finanzbedarf. Dies war auch bei Amex - trotz zuletzt heftiger Gewinneinbrüche - der Fall.

Bei vielen anderen US-Instituten sieht das anders aus: Die größte Finanzspritze benötigt laut Stress-Test, wie berichtet, der Branchenriese Bank of America mit fast 34 Mrd. Dollar, gefolgt von der Großbank Wells Fargo (13,7 Mrd.). Neue Aktien und der Verkauf von Sparten sollen diese Lücken stopfen.

Mit dem Wunsch einer raschen Rückzahlung der Staatshilfen sind JP Morgan und Amex aber nicht alleine. Eine Reihe von Banken will die gewährten Staats-Gelder möglichst rasch zurückzahlen, um den Einfluss der Regierung auf Managergehälter und Dividendenzahlungen zurückzudrängen. Die Regierung will jedoch sicherstellen, dass die Banken auch nach Rückzahlung der Gelder stark genug sind, die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen.

Finanzminister entscheidet

US-Finanzminister Timothy Geithner will nächste Woche über die Rückzahlungen entscheiden und äußerte sich optimistisch über eine Erholung der US-Finanzbranche. "Ich denke, wir werden relativ schnell beträchtliche Rückzahlungen von einigen Instituten sehen", sagte Geithner.

Durch wachsendes Vertrauen in die Kapitalmärkte könne das Bankeninteresse an staatlichen Hilfen bei der Bereinigung der Bilanzen von Giftmüll zudem nachlassen. Institute könnten sich überraschend viel Geld von privaten Anlegern beschaffen und deshalb wohl auch mehr ihrer abgewerteten Anlagen direkt am Kapitalmarkt veräußern. Als Absicherung will die US-Regierung aber mit der Einlagensicherung FDIC und der US-Notenbank staatliche Programme zum Verkauf der Wertpapiere bereitstellen.

Laut Experten könnten Morgan Stanley und PNC Financial, die nur kleine Finanzlücken aufweisen, bald mit einer Genehmigung ihrer Rückzahlungspläne rechnen.

Zu den Banken, die laut Stresstest keinen Kapitalbedarf haben, zählen neben JP Morgan und Amex, die Bank of New York Mellon, BB&T, Capital One Financial, Goldman Sachs, State Street, US Bancorp und Metlife (sie nahm bisher noch keine Hilfen aus dem so genannten Troubled Asset Relief Program (TARP) in Anspruch). (dpa, Reuters, DER STANDARD, Printausgabe, 3.6.2009)

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    JP Morgan und andere Banken wollen die Staatshilfen der US-Regierung rasch zurückzahlen, um den Einfluss der Regierung auf Managergehälter und Dividendenzahlungen zurückzudrängen.

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