Kim Jong-ils jüngster Sohn als Nachfolger bestimmt

2. Juni 2009, 17:50
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Nachfolgeregelung kam nach dem Atomtest – Anzeichen für weitere Tests von Mittel- und Langstreckenraketen

Kims jüngster Sohn, Jong-un, soll Nordkorea führen.

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Pjöngjang/Seoul - Nordkoreas Machthaber Kim Jong-il hat offenbar seine Nachfolge geregelt: Das Erbe des 67-Jährigen in dem stalinistisch geführten Land soll sein jüngster Sohn Kim Jong-un antreten, wie ein südkoreanischer Abgeordneter am Dienstag in Seoul unter Berufung auf Geheimdienst-informationen sagte. Experten beschreiben den erst 26-Jährigen als ebenso unnachgiebig wie seinen Vater.

Der Nationale Geheimdienst Südkoreas habe am Montag das Parlament in Seoul über die Nachfolgeregelung informiert, sagte der Abgeordnete Park Ji Won dem südkoreanischen Rundfunk. Demnach wurden die Menschen in Nordkorea bereits aufgefordert, Jong-un die Treue zu schwören. Zudem soll es bereits Liedtexte geben, in denen der dritte Sohn des Machthabers als "General Kim" bezeichnet wird. Südkoreanischen Medienberichten zufolge informierte Kim Jong-il kurz nach dem umstrittenen Atomwaffentest am 25. Mai Parlament, Armee und Botschafter des Landes über seine Wahl.

Entscheidung im Jänner

Nach Einschätzung des Nordkorea-Experten Cheong Seong-chang fiel die Entscheidung bereits zum Jahreswechsel. Schon im Jänner hatten südkoreanische Medien über die angebliche Nominierung Jong-uns berichtet. Im April bekam er einen Posten im Verteidigungsausschuss des Landes, der die 1,2 Millionen Soldaten starke Armee Nordkoreas kontrolliert.

Angesichts der wachsenden Spannungen verstärkte die südkoreanische Marine ihre Präsenz im Gelben Meer und entsandte ein schwer bewaffnetes Schnellboot. Mit Washington schloss Seoul ein Abkommen über den Kauf von mehreren Geschoßen ab, mit denen unterirdische Einrichtungen zerstört werden können. Einem Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums zufolge können sie allerdings erst zwischen 2010 und 2014 an Südkorea geliefert werden.

Nordkorea bereitet nach südkoreanischen Berichten neben dem Start einer Interkontinentalrakete offenbar auch den Test von Mittelstreckenraketen vor. Es gebe Anzeichen für Testvorbereitungen von mindestens drei solcher Raketen von einer Startanlage an der Südostküste des Nachbarlandes, meldete die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf einen südkoreanischen Regierungsbeamten. Seoul hatte im Februar berichtet, dass Nordkorea neuartige Raketen mittlerer Reichweite aufgestellt habe, die neben Japan und der US-Pazifikinsel Guam auch die nördliche Spitze Australiens sowie große Teile Chinas und Russlands erreichen könnten.

Den USA liegen Informationen vor, denen zufolge eine Interkontinentalrakete auf eine neu errichtete Abschussrampe in Dongchang-Ri an Nordkoreas Nordwestküste transportiert wurde. Der Start dieser Rakete wird erst in einigen Wochen erwartet. (AFP, red/DER STANDARD, Printausgabe, 3.6.2009)

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    Kim Jong-un ist, wie seine anderen Brüder auch, den Nordkoreanern kaum bekannt. Das südkoreanische Fernsehen veröffentlichte diese Bild des 25- oder 26-Jährigen am 12. Februar diesen Jahres. Kim Jong-un soll darauf elf Jahre alt sein. Laut dem Sender KBS stammt dieses Bild von Kenji Fujimoto aus Japan, der von sich behauptet, 13 Jahre lang als Koch für Kim Jong-il gearbeitet zu haben.

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