"Bruno" vs. Eminem - ein inszenierter "Eklat"

4. Juni 2009, 15:07
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Mit Video: Abgesprochene Stunteinlage von Filmsatiriker und Rapper auf ansonsten eher farbloser Gala in Los Angeles

Los Angeles/ New York - Der bizarre Absturz von Sacha Baron Cohen auf den Schoß von Rapper Eminem bei den MTV Movie Awards war abgesprochen. Der gesamte Vorfall sei inszeniert und einstudiert gewesen, räumte der Chefdramaturg der Veranstaltung, Scott Aukerman, in seinem Internet-Blog scottaukerman.tumblr.com am Dienstag ein und beendete damit alle Spekulationen um den angeblichen Eklat. MTV hat den Vorfall nicht  kommentiert, Aukermans Beitrag wurde wieder gelöscht, und sein Manager war nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Eminem selbst hat sich dann am Mittwoch als "großer Fan" von "Borat"-Darsteller  Cohen geoutet. Er sei von Anfang an in den geplanten Stunt des Komikers eingeweiht gewesen, sagte der Musiker zu RapRadar.com. Nur zum Schein reagierte Eminem "empört" und verließ "wütend" den Saal. "Ich bin begeistert, dass wir das so gut hinbekommen haben, besser noch als bei den Proben", sagte Eminem. Er habe danach in seinem Hotelzimmer "etwa drei Stunden lang unkontrolliert gelacht".

In dem Interview wies er zugleich Berichte zurück, während der Show sei sein Hotelzimmer ausgeraubt worden. Angeblich fehlten eine Halskette für 60.000 Dollar und sein Laptop. "Ich habe lediglich eine Uhr nicht mehr gefunden, nach der ich gesucht habe", stellte der Rapper klar. "Der Rest ist aufgeblasen - so wie die Hälfte der Sachen da draußen."

Cohen hatte sich bei der Preisverleihung am Sonntag als sein Alter Ego "Bruno" im Glamour-Outfit mit String-Tanga ins Publikum abseilen lassen und war mit seinem fast völlig entblößtem Hintern im Gesicht des wegen schwulenfeindlicher Sprüche umstrittenen Eminem gelandet. Eminem verließ daraufhin mit seinem Tross und allen Zeichen der Empörung den Saal.

"Einzig spannender Moment"

Wie es ablief: Bei der Verleihung der MTV Movie Awards in Los Angeles stand der US-Rapper erstmals wieder auf der Bühne. Doch es waren weniger die zwei Songs von seinem neuen Album "Relapse", die ihn voll ins Scheinwerferlicht rückten und zum Mittelpunkt der Show machten, sondern ein Stunt von Sacha Baron Cohen. Der "Borat"-Darsteller glitt in einem Outfit, das auf seine jüngste Rolle als schwuler österreichischer Modejournalist "Bruno" anspielte, flügelschlagend an einem Seil über das Publikum. Kurz vor seinem Ziel taumelte er kopfunter in den Zuschauerraum und landete wie durch Zufall auf Eminems Schoß.

Fotos zeigen den Rapper voller Entsetzen mit zurückgebeugtem Kopf und dem nackten Gesäß Cohens direkt vor seinem Gesicht. Aus den Lippenbewegungen der beiden Stars meinten US-Medien, einen Austausch von Schimpfkanonaden lesen zu können. Nachdem mehrere Männer, die später als Eminems Begleiter identifiziert wurden, dem "Bruno"- Darsteller auf die Beine geholfen und Eminem aus seiner misslichen Lage befreit hatten, stürmte der Rapper scheinbar schäumend vor Wut aus dem Saal und kehrte im Verlauf des Abends auch nicht mehr auf seinen Platz zurück.

Der Rapper war in der Vergangenheit mehrfach für seinen Mangel an Humor belächelt worden. Die "Los Angeles Times" spottete, dass er trotz fünfjähriger Pause seit seinem letzten Album "noch immer nicht erwachsen" sei. Das "People"-Magazin lobte den Stunt als einzig spannenden Moment in einer ansonsten langweiligen Verleih-Show.

Die Preise

Denn eigentlich ging es um Preise: Die Vampirromanze "Twilight" heimste in insgesamt fünf Kategorien den ersten Platz ein, darunter auch die für den besten Film. Kristen Stewart erhielt für ihre Rolle in "Twilight" die begehrte Trophäe als beste Darstellerin. Bei den Männern ging diese Auszeichnung an Zac Efron für seine Leistung im Film "High School Musical 3: Senior Year".

In diesem Jahr wurden die Kandidaten erstmals von MTV-Zuschauern bestimmt. Als Trophäen dienten golden angemalte Popcorn-Becher. Einmal mehr wurde der verstorbene Heath Ledger posthum ausgezeichnet: Er bekam den goldenen Becher für die beste Darstellung eines Schurken für seine Rolle als Joker in "The Dark Knight". Die beste Kuss-Szene brachten wiederum Kristen Stewart und Robert Pattinson in "Twilight" auf die Leinwand.

Ben Stiller darf sich fortan Träger des "MTV Generation Award" nennen. Damit zeichneten die Zuschauer Stiller als "vielfältig talentiertes Comedy-Chamäleon" aus. Jim Carrey räumte für seinen Auftritt in "Yes Man" Platz eins als bester Comedy-Darsteller ab. (APA/dpa/AP/red)

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    Bäckchen an Bäckchen: Der gefallene Engel "Bruno" und ein halberstickter Eminem.

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