"Brauchen eine Art große Koalition"

1. Juni 2009, 18:49
8 Postings

Langsamerer Ressourcenabbau bei Erdöl, Gas und Kohle gefordert

München - Der Chef des deutschen Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo, Hans-Werner Sinn, bezweifelt, dass ein verstärkter Einsatz neuer, energiesparender Technologien den Abbau bei Erdöl, Erdgas und Kohle verlangsamen kann und damit die Erderwärmung weniger schnell vor sich geht.

"Beim Klimawandel führt kein Weg an einem langsameren Abbau fossiler Brennstoffe vorbei", meint Sinn. Da man die Ressourceninhaber, also die Erdölstaaten, nicht zwingen könne, weniger zu fördern, müsse ein weltweites Handelssystem mit Emissionsrechten installiert werden. Dieses ergebe eine Art "lückenloses Nachfragekartell". "Dann könnten die Mengen an weltweit verbrauchten Ressourcen wirksam begrenzt, also weniger nachgefragt werden", meint der Wirtschaftsforscher.

Derzeit beobachtet Sinn aber eine Entwicklung in die andere Richtung, wie er beim diesjährigen Munic Economic Summit zum Thema "Klima und Energie" erklärte. Die Erdölproduzenten werden durch die Bemühungen der Industrieländer, fossile Brennstoffe sukzessive durch alternative Energien zu ersetzen, naturgemäß verunsichert. Angesichts einer angepeilten niedrigeren Nachfrage, etwa in der EU, und zwar aufgrund von höherer Energieeffizienz und mehr Alternativenergien, würden die Erdölstaaten ihre Vorkommen schneller ausbeuten wollen, da sie um ihre Renditen in der Zukunft fürchten müssten. Ein forcierter Abbau, bei dem auch die Gefahr sinkender Preise in Kauf genommen wird, sei aber wiederum schlecht fürs Klima - und erfreut diejenigen Abnehmer, die sich weniger als die EU einer grünen Politik unterwerfen (also alle).

Ein Weg aus diesem Dilemma sei die Einführung eines weltweiten Handelssystem mit Emissionsrechten, wodurch ein Nachfragekartell entstehe. "Dann könnten die Mengen an weltweit verbrauchten Ressourcen wirksam begrenzt werden". Ein Klima-Folgeabkommen mit Biss sei deshalb nur mit möglichst vielen Staaten zu erreichen, sagte Sinn: "Wir brauchen da eine Art große Koalition". Unbedingt dabei sein müssen China und Indien, "weil sonst alles, was wir an CO2 einsparen, dort emittiert wird". (Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Printausgabe, 2. 6. 2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Weniger Nachfrage: Hans-Werner Sinn.

Share if you care.