Klimaverhandlungen bisher ohne Pep

1. Juni 2009, 18:26
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Aufgrund der Finanzkrise ist die Diskussion um den Klimawandel weitgehend zum Stillstand gekommen - Vorkonferenz in Bonn soll neuen Schwung bringen

Bonn/München - Nicht einmal mehr 200 Tage sind es bis zu der großen Kioto-Nachfolgekonferenz in Kopenhagen im Dezember. Auf der Homepage der UN-Klimaorganisation UNFCCC wird in Sekunden runtergerechnet, wie lange es noch bis zu dieser Deadline ist.

Doch derzeit stecken die Vorverhandlungen in einer Sackgasse. Überlagert von der Finanz- und Wirtschaftskrise, hat sich in den vergangenen Monaten wenig bewegt. "Wir brauchen jetzt in Bonn den politischen Willen, einen Schritt vorwärtszukommen und den Klimaschutz wieder in Gang zu bringen", sagt Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. 500 Teilnehmer aus aller Welt sind seit gestern, Montag, zu einer weiteren Runde der UNO-Klimaverhandlungen in Bonn zusammengekommen. Sie beraten zwölf Tage lang über ein globales Abkommen, das Ende des Jahres in Kopenhagen beschlossen werden soll.

Der Bonner Vorkonferenz liegen Verhandlungstexte mit noch vielen offenen und strittigen Punkten vor. Ziel ist ein Nachfolgepakt für das 2012 auslaufende Kioto-Protokoll zur Verminderung klimaschädlicher Treibhausgase (siehe nebenstehendes Wissen). Damit soll die fortschreitende Erderwärmung mittelfristig wenigstens abgebremst werden.

Wenig Bewegung

Vorgeschlagen wird in den bisherigen Textentwürfen für Kopenhagen, dass die Industrieländer ihren Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent gegenüber 1990 reduzieren. Die EU hat sich zu einem Minus von maximal 30 Prozent bereiterklärt, sollten sich auch andere Länder, vor allem die USA, zu substanziellen Sparmaßnahmen bereiterklären. Der neue US-Präsident Barack Obama, der während seines Wahlkampfes weitreichende Klimaversprechungen abgegeben hatte, stellte bisher lediglich in Aussicht, dass die USA ihre Emissionen auf das Niveau von 1990 zurückfahren könnten.

Ein weiteres zentrales Problem ist, dass die Industrienationen kein Geld für den globalen Klimaschutz in die Hand nehmen wollen. Doch Finanzhilfen sehen die Entwicklungsländer als Voraussetzung, um weiterzuverhandeln bzw. um in Kopenhagen einem Kioto-Folgeabkommen zuzustimmen. Entwicklungsländer sind am stärksten betroffen von den Auswirkungen des Klimawandels, wie Wüstenbildung, Überschwemmungen und Dürren - und sie haben die wenigsten Ressourcen, um etwas dagegen zu tun.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert, dass die reichen Industrienationen 110 Milliarden Euro für den internationalen Klimaschutz bereitstellen. Auf Deutschland entfiele damit ein Anteil von sieben Milliarden Euro pro Jahr, auf Österreich von rund 700 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die von der OECD kürzlich als ungenügend bezeichneten österreichischen Entwicklungshilfeleistungen betrugen im Vorjahr insgesamt 1,7 Milliarden Euro.

"Das ist kein Almosen, sondern die Begleichung der historischen Klimaschuld, die mit der Industrialisierung begann", meint Greenpeace-Experte Smid zu den klimapolitisch notwendigen Geldtransfers. Damit könnten Entwicklungsländer beginnen, das Geld für den Schutz der Urwälder einzusetzen, da die verbliebenen Dschungel dieser Welt als Kohenstoffspeicher immer wichtiger werden. Würden die Urwälder weiterhin abgeholzt - etwa, um Platz für den Anbau von Energiepflanzen zu machen -, würden noch mehr Treibhausgase entweichen.

Innerhalb der Industriestaaten ist man sich weitgehend einig, dass das Bewahren der Urwälder innerhalb des Kioto-Folgeabkommens geregelt gehörte. Wie viel sich die internationale Staatengemeinschaft einen solchen Schutz kosten lassen würde, soll in den Bonner Vorverhandlungen möglichst geklärt werden. (ruz/DER STANDARD, Printausgabe, 2. 6. 2009)

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    Eine Gruppe junger Umweltaktivisten demonstriert in Bonn für zügige Verhandlungen rund um ein Klimapaket, das den Treibhausgasausstoß ab 2013 regeln soll.

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