Die Fliege

1. Juni 2009, 18:21
18 Postings

Doping ist kein Problem des Sports, sondern Ausdruck einer Leistungs-Gesellschaft

Doping ist kein Problem des Sports, sondern Ausdruck einer gnadenlos auf Leistung getrimmten Gesellschaft, die lernschwachen Kindern regelmäßig Psychopharmaka verschreibt und im Fitnessstudio Epo einwirft. Weltweit wird sechsmal so viel von dem Hormon erzeugt, als kranke Menschen tatsächlich brauchen - Marktvolumen im Jahr 2007: 15 Milliarden Euro, Tendenz deutlich steigend. Es sei geradezu bigott, Dopingsportler zu skandalisieren, schreibt die ehemalige Leichtathletin Ines Geipel („No Limit").

Die Klassesprinterin Geipel wurde vom DDR-Staatsdoping zwangsbehandelt und schloss sich im Jahr 2000 dem Prozess gegen die Spritzenmeister als Nebenklägerin an. Sie erzählt erstaunliche Geschichten wie die von dem Trader, der von seinem Chef den Rat erhielt, sich gegen sein aggressives Handeln weibliche Hormone zu besorgen. Der junge Mann schluckte die Pillen, verwandelte sich, ging in Frauenkleidern durch die Gegend, begann eine sexuelle Beziehung zu seinem Chef.

Natürlich ist das ein krasser Einzelfall. Denn meist werfen Börsenhändler Aufmerksamkeitsbooster ein, um im monotonen Handelstag die lukrativen Sekunden nicht zu versäumen, wenn der Trend urplötzlich umschlägt. Weltweit arbeiten 100.000 Labors am Gen-Doping, Spitzensportler gieren förmlich nach den neuen „Geheimwaffen" und nehmen tödliche Risiken in Kauf. Nur vor den Anti-Doping-Labors sind sie sicher, denn die Substanzen sind mit den heutigen Methoden nicht zu finden.

Die transhumanen Monster stehen vor der Türe, ihre Begleiter sind schon da. „He-Man", die ermüdungsresistente Supermaus, deren Muskulatur per künstlichem Gen verbessert wurde. Und die Mucki-Fliege, die vor lauter Kraft überhaupt nicht mehr fliegen kann. (Johann Skocek, Dienstag, 2. Juni 2009)

Share if you care.