Die falschen Nutznießer

1. Juni 2009, 17:59
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Eine wachsende Zahl an Wählern wird auf die FPÖ aufmerksam, weil die anderen Parteien die Herren Graf und Strache erst richtig populär machen - Von Conrad Seidl

Von einem gewissen Andreas Mölzer hat man schon länger nichts mehr gehört. Er kommt nicht vor, wenn es um das Comic-Heft geht, das Heinz-Christian Strache an Jungwähler verschickt. Er kommt nicht vor, wenn es um die Rolle des umstrittenen Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf und dessen Wortwahl bei seiner Auseinandersetzung mit Ariel Muzicant geht. Und auch bei der Diskussion um die Verwendung christlicher Symbole durch Parteichef Strache ist Mölzer nur eine Nebenfigur, die bevorzugt über die eigene Wochenzeitung Zur Zeit ihre Haltung zu christlich-abendländischen Werten kommuniziert.

Dabei ist Mölzer Spitzenkandidat der Freiheitlichen bei der Europawahl am kommenden Sonntag. Aber so genau will das ohnehin keiner wissen. Eine Wahlentscheidung für die FPÖ wird ja nicht etwa deshalb getroffen, weil ein Herr Mölzer eine überzeugende Vorstellung von der künftigen Gestaltung Europas hätte. Vielmehr gibt es eine große Zahl von Wählern, die sich von den seit Jahren von der FPÖ vorgekauten Themen Sicherheit, Ausländer und Misstrauen gegen "die da oben" leiten lassen. Und eine wachsende Zahl, die darauf erst richtig aufmerksam wird, weil die anderen Parteien im öffentlichkeitswirksamen Streit die Herren Graf und Strache erst richtig populär machen. Kein potenzieller FP-Wähler wird so für andere Parteien gewonnen.

Aber das liegt auch daran, dass SPÖ und ÖVP, BZÖ und teilweise auch Grüne selbst einen provinziellen, kaum an einem klaren Europabild orientierten Wahlkampf führen. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 2.6.2009)

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